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Innere Medizin 5. Dezember 2005

Fastfood verfettet

Was der amerikanische Filmemacher Morgan Spurlock in seinem spektakulären, wenn auch nicht unberechtigt kritisierten Selbstversuch an sich erfuhr – er ernährte sich wochenlang nur von Fastfood und hielt die Folgen in dem Film „Super Size me“ fest –, wird nun auch wissenschaftlich nachgewiesen: Der Genuss von Fastfood führt zu kalorischem Überkonsum und Gewichtszunahme.

Obwohl die Nahrungsmittelindustrie einen Zusammenhang zwischen Fastfood und Adipositasepidemie immer noch heftig abstreitet, verdichten sich doch die Hinweise, dass hier nicht nur ein zeitlicher, sondern auch ein kausaler Zusammenhang besteht. Fastfood trägt alle Merkmale, die zu erhöhter Kalorienaufnahme führen: Es ist extrem kaloriendicht, fettreich, kann ohne viel zu kauen schnell geschluckt werden und hinterlässt einen geringen Grad an Sättigung. Vor allem der geringe Zeitaufwand für den Konsum, der so gut in unsere durchgeplante Zeit passt, trägt offenbar zur Überernährung bei und führt bei entsprechend veranlagten Personen schnell zur Entwicklung von Übergewicht.

Zeitliche Assoziation

Zwischen der Adipositasepidemie und der Verbreitung von Fastfood besteht zumindest eine zeitliche Assoziation. In den USA nehmen etwa 75 Prozent aller Jugendlichen mindestens einmal pro Woche derartige Kost zu sich. Fastfood ist gekennzeichnet durch riesige Portionen, eine hohe energetische Dichte, leichte Kaubarkeit, hohen Gehalt an Stärke, Zuckerzusätzen und Fett sowie geringen Gehalt an Faserstoffen. Es gibt Hinweise, dass übergewichtige Jugendliche durch die ungünstigen Auswirkungen von Fastfood mehr gefährdet sind als Normalgewichtige. 26 übergewichtige und 28 normalgewichtige Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren wurden in Vierergruppen entsprechend ihrem Geschlecht und ihrem Gewichtsstatus in ein Fastfood-Lokal eingeladen und konnten dort innerhalb einer Stunde so viel essen wie sie wollten. Die jeweilige Kalorienaufnahme wurde durch direkte Beobachtung errechnet. In einer zweiten Untersuchung derselben Personen errechnete man die Energieaufnahme anhand eines strukturierten Fragebogens unter Alltagsbedingungen an zwei Tagen, an denen Fastfood konsumiert wurde, und verglich den Wert mit zwei Tagen ohne diese Kost. Die Energieaufnahme beim Lokalbesuch war unter den Teilnehmern extrem hoch und betrug im Durchschnitt 1652 ± 87 kcal. Diese Energiemenge entspricht bereits 61,6 Prozent des Gesamt-Tagesbedarfs. Übergewichtige Studienteilnehmer aßen mehr als Normalgewichtige, sowohl in absoluten Größen (1860 versus 1458 kcal) als auch in Relation zum geschätzten täglichen Energiebedarf (66,5 versus 57,0 Prozent). In der zweiten Untersuchung nahmen übergewichtige Jugendliche an Tagen mit Fastfood um etwa 500 kcal mehr zu sich als an Tagen ohne Hamburger und Pommes frites. Dieser Effekt wurde interessanterweise bei den normalgewichtigen Jugendlichen nicht beobachtet.

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