zur Navigation zum Inhalt
 

Chlamydien bei Kindern: Auch an Missbrauch denken

Zur Abklärung einer Infektion ist die bakteriologische Untersuchung allein oft nicht ausreichend.

Beim Neugeborenen kann vaginaler Fluor ätiologisch auf die mütterlichen Hormone zurückgeführt werden. In anderen Lebensphasen ist zur Diagnosestellung, neben der Anamnese, immer eine genaue Inspektion der äußeren Genitales erforderlich. Häufig bedarf es zur Abklärung einer bakteriologischen Untersuchung sowie einer ergänzenden Vaginoskopie. „Als endogene Fluorursachen kommen hormonelle Einflüsse, ein Zusammenhang mit Allgemeinerkrankungen als auch anatomische Normvarianten in Frage“, erläuterte Dr. Maria Oleschowski bei einem „Klinischen Samstag“ in der Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien. „Exogene Ursachen können Mikroorganismen, mechanische oder chemische Einflüsse, allergische Reaktionen oder Fremdkörper sein.“

Bei 40 Prozent der genitalen Entzündungsvorgänge wie Vulvitis und Kolpitis lassen sich unspezifische Erreger oder Mischinfektionen nachweisen. Ursächlich kommen fehlerhafte Hygiene und Harnwegsinfekte, Darmparasiten oder Fremdkörper in Frage. Bei weiteren 30 Prozent handelt es sich um spezifische Erreger wie Gonokokken, Haemophilus vaginalis, Chlamydien, Mykoplasmen oder Trichomonaden.

Darüber hinaus müssen Mykosen ebenso in Betracht gezogen werden wie virale Infektionen mit Herpes simplex Viren oder HPV (Human Papilloma Virus) oder Allgemeininfektionen mit Staphylo-, Streptokokken oder Haemophilus influenzae. Vom Kindesalter an bis hin zum Zeitpunkt sexueller Aktivität gibt es nahezu keine Keimaszension. Einzige Ausnahme bilden hier die Chlamydien. In etwa fünf Prozent der Fälle muss aber sexueller Kindesmissbrauch in Erwägung gezogen werden. Zur Lokaltherapie der Vulvitis wird je nach Genese Eichenrinden, Tannosynth- , Kaliumpermanganat- oder Betaisodonalösung empfohlen. Auch Antimykotika, Hormoncremes oder Milchsäurepräparate können zur Infektionsbehandlungen in Frage kommen.

In weiteren 30 Prozent handelt es sich um sogenannte „sterile“ Entzündungen. Fluor entsteht dann physiologisch, fallweise durch Östrogenmangel oder transitorisch. Entzündungen ohne Ausfluss wiederum können allergisch oder atrophisch bedingt sein und entsprechend therapiert werden.

Adoleszente Mädchen

Im Jugendalter besteht bei einem Drittel der Mädchen ein Fluor vaginalis, davon neun Prozent mit normaler, dreizehn Prozent mit gemischter und zwölf Prozent mit hochpathogener Flora. „Zu den Auslösern der pathologischen Formen gehören Keimaszension und Störung des normalen Scheidenmilieus unter hormonellem Einfluss, Anstieg des vaginalen pH-Wertes oder antibiotische Therapie“, erklärte Dr. Claudia Neudecker.

Begünstigt werden die Vorgänge durch frühe sexuelle Aktivität und häufigen Partnerwechsel unter Kondomverzicht sowie hormonelle Kontrazeption. Am häufigsten finden sich Candida albicans, Colibakterien und Enterokokken sowie Gardnerella vaginalis. Zu dieser Gruppe zählen auch Anaerobier, Mykoplasmen, Chlamydien und Trichomonas vaginalis. Den STDs (Sexual transmitted diseases) werden Gonorrhoe und Herpes genitalis, Lues, Pediculosis pubis, Skabies, Aids und Hepatitis B gezählt.

Im Jugendalter ist die Kolpitisbehandlung weitgehend von Erreger und Klinik abhängig, wobei die Partnertherapie nicht vergessen werden darf. Auch eine Änderung der Kontrazeptionsmethode (eventuell auch ein Pillenwechsel) kann in Betracht gezogen werden. Neben der jeweiligen medikamentösen Intervention sind die Aufklärung über Sexualverhalten, Hygienemaßnahmen, richtigen Kondomgebrauch und Impfungsmöglichkeiten sinnvoll. Bei Patientinnen aus Risikogruppen ist ein STD-Screening empfehlenswert.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben