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Pflege 30. Juni 2005

Die Pyramide steht bald auf dem Kopf

Die mittlere Lebenserwartung ist im Lauf der Zeit deutlich angestiegen: Sie betrug zur Zeitenwende etwa 23 Jahre, stieg anschließend bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts langsam auf 45 Jahre und beträgt heute - nach einem rasanten Anstieg innerhalb des vergangenen Jahrhunderts - knapp 80 Jahre. Dieser Anstieg der Lebenserwartung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte mehrere Ursachen:

  • die Entdeckung der pathogenen Keime (und damit der Infektionen), die Beobachtung hygienischer Bedingungen, die Suche nach antibakteriell wirksamen Stoffen und die Einführung der aktiven Immunisierung;
  • die Kenntnisse zur Ernährung und damit die Festlegung von Standards für eine ausgeglichene Ernährung;
  • das Erkennen der Notwendigkeit sozialer Einrichtungen und daraus resultierend die Durchsetzung sozialer Maßnahmen.

Auch die technische Entwicklung der Medizin trug natürlich zum Anstieg der Lebenserwartung bei: Die Entdeckung bildgebender Verfahren und die Entwicklung chemischer und biochemischer Methoden haben die diagnostischen Möglichkeiten revolutioniert; auch neue Anästhesie- und Operationsverfahren wurden eingeführt.

Viele therapeutische Innovationen fanden statt wie zum Beispiel Lokalanästhetika (Kokain), Sulfonamide, Insulin und Penicillin. Vor allem seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist es zu einer explosionsartigen Entwicklung neuer therapeutischer Verfahren gekommen: Auf dem pharmakologischen Sektor sind Unmengen antihypertensiver Medikamente, oraler Antidiabetika, Antibiotika, Psychopharmaka und vieles mehr entwickelt worden.In der Chirurgie wurden Organtransplantationen, komplizierte Operationen an Gehirn, Herz und Abdomen sowie Endoprothetik zu Routineeingriffen; das Operationsrisiko wurde durch eine zunehmende endoskopische Vorgangsweise reduziert. All diese Errungenschaften führten aber auch dazu, dass bei uns in Österreich die Bevölkerungspyramide bald auf dem Kopf stehen wird - immer mehr ältere Menschen werden medizinische Hilfe benötigen. Eine Herausforderung für die Geriatrie.

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