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Innere Medizin 20. März 2006

Heiße Sorgen im Kinderzimmer

Auch in der Praxis bieten Kriterien zur ambulanten oder stationären Versorgung von Säuglingen hilfreiche Unterstützung.

„Eine rektal gemessene Temperatur ab 38 Grad Celsius wird beim Säugling als Fieber bewertet. Ursache sind meist bakterielle oder virale Infekte mit oder ohne Leitsymptome“, so Prim. Dr. Herbert Königswieser, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde mit Departement für Neonatologie, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien. „Manchmal handelt es sich aber auch nur um eine Folge von Dehydrierung oder intensiver körperlicher Aktivität.“ Auch Impf-reaktionen oder – in sehr seltenen Fällen – Malignome, Diabetes insipidus oder andere Stoffwechelstörungen können die Körpertemperatur erhöhen. Erst wenn man gar keine anderen Anhaltspunkte findet, ist an eine erschwerte Zahnung zu denken. Zu den häufigsten lokalen bakteriellen Infekten gehören Meningitis, Tonsillitis, Otitis und Pneumonie – gefolgt von Gastroenteritis, Harnwegsinfekten, Osteomyelitis oder Appendizitis.

Zwingende Gründe für eine Spitalseinweisung

In der Praxis stellt sich in erster Linie die Frage nach dem Ausmaß der Bedrohlichkeit. Grundsätzlich ist in den ersten 28 Lebenstagen die stationäre Aufnahme immer indiziert. Im Alter von 29 bis 90 Tagen ist das Komplikationsrisiko bereits vermindert. Größtenteils genügen ambulante Betreuung, Harnkultur und sorgfältige Observanz. Dazu müssen aber die „Kriterien für geringes Risiko“ erfüllt sein:

  • guter Allgemeinzustand
  • Fehlen von vorbestehenden Erkrankungen, fokalen Infektionen und Petechien.
  • Die Werte für CRP (C reaktives Protein) sollen 2 mg/dl und für Leukozyten 15.000 nicht überschreiten.

Ab dem dritten Lebensmonat können die kleinen Patienten mit Temperaturen unter 39 Grad, bei gutem Allgemeinzustand und fehlenden „toxischen Zeichen“ in elterlicher Pflege belassen und mit Antipyretika versorgt werden. Zu den toxischen Zeichen zählen Lethargie oder Irritation, Zyanose oder Blässe, Hypo- oder Hyperventilation (unter 15 oder über 40 Atemzüge pro Minute). Setzt die Wirksamkeit des Antipyretikums nicht innerhalb von 14 Stunden ein, sind die Werte für CRP oder die Leukozytenzahl zu hoch, sollte eine stationäre Beobachtung erfolgen. Bei ambulanter Behandlung kommen Ceftriaxon intramuskulär oder Amoxycillin/Clavulansäure zum Einsatz. Kontraindikation für Antibiotika sind neben viralen Infekten auch eine bakterielle Enteritis, Bronchitis oder Bronchiolitis.

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