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30. Juni 2005

Bewegung bei Fibromyalgie

Frankfurt/Main. Bei Fibromyalgie kann die Behandlung mit Antidepressiva oder Tropisetron in Kombination mit psychologischen und verhaltenstherapeutischen Verfahren sowie vermehrter körperlicher Aktivität zu einer deutlichen Schmerzlinderung beitragen. Analgetika sind bei diesen Patienten nicht die Therapie der Wahl.

In Deutschland leben etwa 1,6 Millionen Menschen, bei denen die Diagnose Fibromyalgie gestellt worden ist. Frauen sind achtmal häufiger betroffen als Männer, wobei der Häufigkeitsgipfel zwischen 50 und 55 Jahren liegt. Ätiologie und Pathogenese dieses Leidens sind bislang unklar, daher gibt es bislang auch keine kausale Therapie.

Keine Veränderungen an Muskeln und Knochen

Fibromyalgie-Patienten klagen über ausgedehnte diffuse Muskelschmerzen, doch lassen sich weder an Muskulatur noch an den Gelenken Veränderungen nachweisen, und es kommt auch bei lange anhaltenden Beschwerden nicht zu Funktionseinbußen oder Behinderungen. Es lässt sich auch keine systemische Erkrankung für die Beschwerden nachweisen.

Die Diagnose Fibromyalgie wird gestellt, wenn die Schmerzen mehr als drei Monate andauern; und wenn mindestens elf von 18 definierten Tenderpoints (Druckschmerzpunkte) auf Druck Schmerzen auslösen. Die üblichen Laborwerte sind bei den Betroffenen ohne Befund, doch lassen sich Veränderungen im Bereich der Neurotransmitter nachweisen, wie der Rheumatologe Dr. Thomas Stratz aus Bad Säckingen beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main gesagt hat.

Veränderungen im Neurotransmitterbereich

So findet man deutlich erhöhte Konzentrationen von Substanz P im Liquor und in der Muskulatur, eine Erhöhung des Nerve Growth Factors (NGF) im Liqour und erniedrigte Plasma-Serotoninspiegel. Hormonelle und neuroendokrine Störungen wie die Erhöhung von ACTH (Corticotropin) und Cortisol lassen auf eine chronische Stressreaktion schließen. Zudem findet man bei Patienten eine ganze Palette weiterer unspezifischer Symptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und depressive Verstimmung.

Experten wie Professor Gerald Aronoff vom Presbyterian Rehab-Center for Pain Medicine in Charlotte im US-Staat North Carolina führen die Beschwerden der Patienten auf eine erniedrigte Schmerzschwelle und eine gestörte Schmerzverarbeitung zurück. Charakteristisch sei, so Aronoff in Frankfurt, dass die Patienten schlecht mit dem Alltagsstress umgehen können. Psychosoziale Stressfaktoren, zum Beispiel Probleme in der Familie oder am Arbeitsplatz, seien wesentliche Faktoren für die Beschwerden.

Was die Behandlung angeht, so Stratz, profitieren Fibromylagie-Patienten mit begleitenden endogenen depressiven Verstimmungen von Antidepressiva wie trizyklischen Antidepressiva oder Serotonin-Wiederaufnahmehemmern.

Psychologische Verfahren essentiell

Patienten, bei denen eine schmerzreaktive Depression oder gar keine Depression vorliegt, lassen sich gut mit dem Serotonin-Rezeptorantagonisten Tropisetron behandeln.

Doch eine medikamentöse Therapie allein ist nicht ausreichend, wie Aronoff betont hat. Wesentlicher Bestandteil der Behandlung sind psychologische Verfahren wie Entspannungsübungen und Stressbewältigung sowie Bewegungstherapie und eine Veränderung des Lebensstils mit mehr sportlicher Aktivität.

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