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30. Juni 2005

Keine salzarme Diät für ältere Patienten

Düsseldorf. Alte Menschen sollte man nicht dazu anhalten, sparsam mit Salz umzugehen, da sie aufgrund physiologischer Veränderungen vermehrt anfällig für Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes sind.

Veränderte Fließeigenschaften des Blutes

Bei starkem Flüssigkeitsverlust, etwa bei einer Diarrhoe, oder bei starkem Schwitzen kann das Herzkreislauf-System zusammenbrechen. Kreislaufkollaps mit Symptomen wie Schwindel, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit sind mögliche Folgen, aber auch eine Verschlechterung der Hirnleistung. In den Sommermonaten passiert es nicht selten, dass ältere Menschen bewusstlos in die Klinik eingewiesen werden und sich nach alleiniger Infusion von Kochsalz-Glukose-Lösung rasch wieder erholen. Darauf hat Professor Klaus O. Stumpe von der Bonner Universitätsklinik bei einer Pressekonferenz des Vereins deutsche Salzindustrie in Düsseldorf aufmerksam gemacht.

Mangelhafte Versorgung mit Kochsalz kann auch die kognitive Leistungsfähigkeit mindern, hat Stumpe in einer Untersuchung an 20 gesunden Probanden im Alter von 65 bis 85 Jahren nachgewiesen. Die Studienteilnehmer erhielten im Cross-Over-Design jeweils eine Woche lang entweder eine salzarme Diät mit weniger als zwei Gramm Kochsalz am Tag oder eine kochsalzreiche Kost mit zwölf Gramm Salz.

Nach der salzarmen Phase war die Hirnleistungsfähigkeit schlechter als nach der Phase kochsalzreicher Ernährung, so Stumpe. Statistisch signifikante Unterschiede seien für die Informationsverarbeitungszeit, die Konzentrationsfähigkeit und das Kurzzeitgedächtnis nachgewiesen worden. Über welche Mechanismen die Hirnleistung bei mangelhafter Salzversorgung eingeschränkt wird, ist noch unklar. Pathophysiologisch bedeutsam sind möglicherweise ein zu niedriger Blutdruck und veränderte Fließeigenschaften des Blutes.

Obst- und Gemüseanteil der Nahrung erhöhen

Eine salzarme Ernährung zur Blutdrucksenkung sei bei alten Menschen wenig effektiv, so Stumpe. Wegen der Gefahr eines vitalen Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes empfahl er, statt Salz zu sparen, den Obst- und Gemüseanteil in der Nahrung zu erhöhen und weniger tierische Fette zu essen. Dadurch könne der Blutdruck deutlich stärker gesenkt werden als durch eine Salzrestriktion.

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