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30. Juni 2005

Nahrung für arthrose-geplagten Knorpel

Wien. Arthrosen werden mit wachsender Überalterung der Bevölkerung und einer zunehmenden Zahl langjährig Übergewichtiger immer häufiger. Die Kniegelenke sind vor allem bei Menschen mit "stehenden" oder "gehenden" Berufen gefährdet, etwa Kellnern oder Verkäufern. Was bereits jetzt und möglicherweise in naher Zukunft gegen diese Erkrankung getan werden kann, diskutierten Experten bei einer "orthopädischen Matinee" im Haus der Gesellschaft der ürzte in Wien.

Den Arzt fragen die Patienten bei Beschwerden oft nach einer "Schmier". Gemeint ist damit meist ein NSAR in Salbenform, doch sinnvoller scheint vielen Experten, die "Schmier" als Gelenksschmiere direkt ins Gelenk zu bringen. Hyaluronsäure wird nicht nur bei der Knorpelneubildung vom Körper gebildet, sondern auch von der Synovialmembran als zusätzliche "Nahrung" für den Gelenksknorpel und "Schmiermittel" in die Synovia abgegeben. Bei der Arthrose versagen die Chondrozyten in der Hyaluronsäureproduktion und erzeugen zu wenig oder "falsch gebaute" Moleküle mit zu kurzen Ketten. Es ist daher ein nur logischer Schritt, bei der Arthrose Hyaluronsäure mittels intraartikulärer Injektion direkt ins Gelenk zu bringen. Diese Methode ist naturgemäß vor allem dann sinnvoll, wenn die Arthrose auf ein oder beide Kniegelenke beschränkt ist. Die Injektion selbst sollte, so meinen die Fachärzte, in ihren Händen bleiben, da Allgemeinmediziner diesbezüglich meist weniger Erfahrung hätten und daher die Gefahr einer schmerzhaften Injektion bei ihnen größer wäre.

Eine andere Therapiemethode ist die orale Verabreichung von Chondroitinsulfat, die vor allem dann sinnvoll ist, wenn mehrere Gelenke betroffen sind. Eine im Prinzip jahrhundertealte Behandlungsart, denn schon Hildegard von Bingen empfahl Knochensuppe bei Gelenksbeschwerden. Prof. Dr. Peter Bösch, Leiter der Orthopädischen Abteilung am KH Wr. Neustadt, betont jedoch, daß diese Präparate zwar die Degeneration bremsen helfen können, der Nachweis, daß sich bestehende Schäden zurückbilden, bis dato noch nicht erbracht werden konnte.

Prim. Dr. Helmut Liertzer, Abt. für konservative Orthopädie, Herz-Jesu-Krankenhaus, Wien, betont die Bedeutung der rechtzeitigen Therapie der Arthrose und der durch sie entstehenden Schmerzen: "Das Bestreben des Körpers, geschädigte Strukturen ruhigzustellen, führt zur Tonuserhöhung und damit zu Verspannungen. Es kommt zu einer Minderperfusion mit reduziertem Abbau der Stoffwechselprodukte, der wiederum zu Gefäßverengung und Mangeldurchblutung führt. Damit schließt sich der Circulus vitiosus von Verspannung und Schmerz." Zur Schmerzbehandlung setzt Liertzer Akupunktur ein, die durch Einbeziehung der entsprechenden Punkte für betroffene Muskeln und Gefäße hilft, den Teufelskreis an mehreren Stellen zu durchbrechen.

Dr. Fritz Heckl, Präsident des Berufsverbandes der Orthopäden und Orthopädischen Chirurgen, und Prof. Dr. Hans Tilscher, Abteilung für konservative Orthopädie am Spital Speising in Wien, erklärten, wie dem Arthrosepatienten auch sonst das Leben erleichtert werden kann. Sinnvolle Maßnahmen seien die Umgestaltung des Arbeitsplatzes, Beratung über geeignete und ungeeignete Sportarten sowie Umstellungen im Wohnbereich. Tilscher etwa rät zu Gummiabsätzen zur Stoßabsorption bei Kniegelenksarthrose. Vor allem Spaziergängern und Wanderern empfiehlt er hohe, geschnürte Schuhe und einen Stock, der vor allem beim Bergabgehen Entlastung bringt.

Heckl empfiehlt Sportarten, bei denen keine starke dynamische Belastung auftritt und das Gelenk nicht in Extremstellung geht. Nicht zu empfehlen seien daher etwa Tennis, wenn es als Leistungssport betrieben wird, Squash, Rudern oder Volleyball. Radfahren, Wandern mit gutem Schuhwerk und möglichst auf ebener Fläche und Schwimmen sind dagegen - wie bei so vielen Krankheiten - geeignete Sportarten.

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