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11. Juli 2005

Wenn es knirscht, sind es häufig die Gelenke

Eine äußerst gefürchtete Alterserkrankung ist die Arthrose. Die Angst ist nicht unbegründet, denn sie gilt nicht nur als sehr schmerzhaft, sondern auch als unheilbar. Tückisch ist aber nicht nur der schleichende Beginn, sondern auch der zeitlich unterschiedliche, individuelle Verlauf der Krankheit. Es handelt es sich um eine Abnützungserscheinung des Gelenkknorpels, welcher die eigentliche Gelenkfläche bildet. Eine Zerstörung dieses wenige Millimeter dünnen, hyalinen Knorpels gilt bislang als irreversibel.  Mit allgemeinen Maßnahmen wie Wärme, Bewegung (v.a. spezifische Gymnastik für Arthrosepatienten) sowie bisheriger medikamentöser Behandlung kann die einmal aufgetretene Gelenksschädigung weder rückgängig gemacht, noch eine Heilung im eigentlichen Sinne erzielt werden. 

Hoffnung in  der Basistherapie

Mit einer symptomatischen Therapie wird versucht, die Lebensqualität zu verbessern, die Beweglichkeit zu erhalten und ein Voranschreiten der Krankheit wenigstens zu verlangsamen. Beim Treffen der EULAR 2001 (European Legue Against Rheumatism) in Prag wurde eine vielversprechende neue Studie beim Kampf gegen die Arthrose vorgestellt. Die orale Gabe von Chondroitinsulfat führte bei Probanden nicht nur zu einer Erhöhung der Beweglichkeit, sondern auch zu einer deutlichen Schmerzreduktion. Chondroitinsulfat, ein zu den Glycosaminoglykanen gehörendes Polysaccharid, ist natürlicher Hauptbestandteil des gesunden Knorpels und spielt aufgrund des hohen Wasserbindungsvermögens des Moleküls in der Turgorerhaltung eine wichtige Rolle. 

Schmerz- und Entzündungshemmung 

Bisherige Untersuchungen zeigten bei der Verabreichung von Chondroitinsulfat  schmerz- und entzündungshemmende Effekte, die allerdings nicht über den gewöhnlichen Wirkungsmechanismus von Analgetika und Antiphlogistika erklärbar sind. Nach den Bestimmungen der CPMP (Committee for Proprietary Medicinal Products) sollte zwischen SYSADOA (Symptomatic Slow-Acting Drugs in Osteo-Arthritis) und S/DMOAD (Structure/Disease Modifying Osteo-Arthritis Drugs) unterschieden werden.  Um die Struktur erhaltende Wirkung von oral eingenommenem Chondroitinsulfat zu untersuchen, führte Prof. Dr. Beat A. Michel von der Universitätsklinik Zürich, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, eine randomisierte, plazebokontrollierte Doppelblindstudie in zwei parallelen Gruppen für die Dauer von zwei Jahren durch. 

Die Probanden erhielten eine tägliche Dosis von 800mg Chondroitinsulfat. Als ausschlaggebende Parameter wurden Schmerz (Paracetamol-Bedarf), Beweglichkeit, radiologische Faktoren (mittels computergestützter quantitativer Röntgendaten) und biochemische Marker des Knorpel- und Knochenmetabolismus gemessen. Diese und weitere Daten konnten auch mit Hilfe des WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities) Arthrose Index ermittelt werden. Mit einem Fragebogen werden drei Dimensionen (Steifigkeit, Schmerz und Funktionalität) der Gonarthrosebeschwerden erfasst. Dr. Daniel Uebelhart, ärztlicher Leiter am Institut für Physikalische Medizin am Universitätsspital Zürich, präsentierte die vorläufige Auswertung der Studie: Am Beginn und am Ende der Untersuchung wurden alle Patienten in der Schuss-Haltung geröntgt (Knie 20° gebeugt). 

Vielversprechendes Zwischenergebnis

Da der hyaline Knorpel radiologisch durchgängig ist, gibt die minimale und mittlere Breite des femurotibialen Gelenksspaltes im Röntgenbild die Knorpelausdehnung an.
Ein weiterer Parameter, die Gelenkoberfläche, wurde mit Hilfe eines Bildanalyzers erstellt. Uebelhart konnte nun die klaren Unterschiede zwischen den Untersuchungsgruppen darlegen. So kam es in der Placebogruppe zu einer weiteren Zerstörung des Knorpels und zu einer deutlichen Verengung des Gelenkspaltes. In der Chondroitinsulfat-Gruppe zeigte sich hingegen nicht nur eine Stabilisierung des Knorpelabbaus, sondern sogar eine Knorpel-Verbreiterung.

"Die Ergebnisse gehen alle in die gleiche Richtung", so Uebelhart. "Und sie stimmen auch mit den Ergebnissen der bisherigen Studien, die mit oralem Chondroitinsulfat durchgeführt wurden, überein." Dabei weist er auch auf eine einjährige Genfer Pilotstudie hin, die bei einer Tagesdosis von 800mg ebenfalls zu eindeutiger Schmerzlinderung und erhöhter Beweglichkeit führte. Diese vorläufige Auswertung der Studie lässt auf das entgültige Ergebnis hoffen. Eines aber lässt sich jetzt schon sagen.  Schon wegen der besseren Verträglichkeit und der geringen Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Arzneien bei der Arthrosebehandlung ist die orale Gabe von Chondroitinsulfat mehr als bloß eine interessante Alternative.

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