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30. Juni 2005

Migräne mindert die Lebensqualität

"Die spezielle Kopfschmerzform Migräne gehört zu jenen Erkrankungen, welche die Lebensqualität stark herabsetzen. Es kommt zu einer Einschränkung vieler Aktivitäten. Partnerschaft, Familie, Beruf und soziale Kontakte werden beeinflusst", sagte Prof. Dr. Christian Wöber, Neurologische Universitätsklinik Wien, im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft.

Prodromalsymptome

Schon vor dem eigentlichen Anfall treten bis zu zwei Tage lang Prodromalsymptome wie Nackenverspannung, Hunger, Gähnen oder Wortfindungsstörungen auf. Dazu können Müdigkeit, Gereiztheit, Depression und Konzentrationsprobleme kommen. "Die Aura, die etwa eine Stunde lang anhalten kann, ist gekennzeichnet durch reversible Veränderungen in den Hirnstamm- oder Cortexfunktionen wie Seh-, Sensibilitäts- und Sprachstörungen oder motorische Symptome. Diese Phase tritt nicht bei allen Patienten auf, sie kann auch beim selben Patienten nur manchmal vorhanden sein", so Wöber weiter.

Begleiterscheinungen 

Die der Aura folgenden, meist pochenden Kopfschmerzen sind meist halbseitig, oft frontotemporal lokalisiert. Sie können bis zu drei Tage anhalten. Zu den Begleitsymptomen gehören vor allem Erbrechen und Photophobie, Geruchsempfindlichkeit und Befindlichkeitsstörungen sowie Inaktivierung und Verlangsamung des Denkens.In der folgenden Rückbildungsphase stehen Erschöpfung und Abgeschlagenheit im Vordergrund. Im folgenden migränefreien Intervall sind die Patienten meist schmerzfrei, aber es kann auch zu intermittierenden Spannungs- oder chronischen Kopfschmerzen kommen. "Hier ist besonders auf einen Analgetikaabusus als Ursache zu achten", betonte Wöber.

Triggerfaktoren

Zahlreiche Triggerfaktoren sind bekannt, sie können aber teilweise nicht vom Patienten beeinflusst werden:

  • Hormonstatus (Menstruation, Pubertät, Schwangerschaft)
  • Umwelt und Licht (Höhe, Kälte, Wetter, verqualmte Räume)
  • Lebensstil (Stress, Hunger, Schlafmangel)
  • Substanzen (Nahrungs/Genussmittel, Medikamente)

Ein Migränetagebuch mit genauen Anfallsdaten, Begleitsymptomatik, Medikamenten, (auch am Vortag genossene) Speisen und Getränken kann für Patienten und Arzt hilfreich sein. Prof. Dr. Peter Wessely, Universitätsklinik Wien für Neurologie, charakterisiert die Besonderheiten der Migräne hauptsächlich als allgemeine Hyperexzitabilität, neurovaskuläre Instabilität und Dysbalance von Transmittern mit pathologischer neuronaler Reizverarbeitung. Auch genetische Faktoren spielten eine Rolle. Im CT ließe sich ein "Migränegenerator" nachweisen, und dies bis zu einer Dauer von drei Tagen, auch wenn inzwischen eine erfolgreiche Schmerztherapie durchgeführt wurde, so Wessely. 

Präventionsmöglichkeiten

Zur Prävention stünden mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Erh?hung der Entladungsschwelle, Verminderung der zentralen Nozizeption sowie Modifizierung adrenerger bzw. serotonerger Systeme. Alle vorbeugenden Systeme kämen nur dann in Betracht, wenn pro Monat zwei oder mehr Anfälle auftreten. "Der Erfolg ist frühestens nach vier bis sechs Wochen beurteilbar, als Behandlungszeitraum sind vier bis sechs Monate vorgesehen", sagte Wessely.

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