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Orthopädie 4. Juli 2008

Rheumasymposium in Linz

Von Dr. Ulrike Stuby, Linz

Bei dem alljährlich stattfindenden Rheumasymposium der 2. Medizinischen Abteilung des AKH Linz (Organisation Dr. Ulrike Stuby) wurden in sechs Referaten schwerpunktmäßig aktuelle Therapien entzündlich rheumatischer Erkrankungen behandelt sowie Methoden der Diagnosefindung bei rheumatoider Arthritis (RA) und Möglichkeiten des Patientenmanagements besprochen.

Therapieerfahrungen mit Biologika

Eingangs gab Ass. Dr. Herwig Pieringer, 2. Medizinische Abteilung AKH Linz, einen literaturmäßig gut gestützten Überblick über die Sicherheit von biologischen Therapien und ihren sicheren Umgang. Vor allem in Hinblick auf vorbestehende chronische Infektionen wie eine latente Tuberkulose oder chronische Virushepatits B und C wurden von ihm neben den obligaten Screeningmaßnahmen auch die Grenzen der sicheren Therapiemöglichkeiten mit TNF-Blockern und B-Zellmodulatoren aufgezeigt. Die derzeitige unklare beziehungsweise unzulängliche Datenlage über einen möglichen Einfluss von Biologika auf Tumorwachstum oder Schwangerschaft setzt einer solchen Therapie in diesen Fällen (noch) Grenzen.
Prim. Prof. Dr. Michael Schirmer, Krankenhaus der Elisabethinen Klagenfurt, ergänzte die bereits entstandene Biologikadiskussion dann durch seine Ausführungen über die aktuellen Therapiestandards mit Biologika in den verschiedenen Indikationen der entzündlich rheumatischen Erkrankungen RA, Psoriasisarthritis und Spondylitis ankylosans. Neben den nun seit zehn Jahren im klinischen Einsatz befindlichen TNF-Blocker ging Schirmer auch auf den Stellenwert der neuen Biologika der nächsten Generation ein, wie den B-Zellmodulator Rituximab (Mabthera®) und die letzte Neueinführung, den T-Zellmodulator Abatacept (Orencia®). Die Indikation für beide Substanzen wurden ebenso klar herausgearbeitet wie die jeweiligen Sicherheitsprofile. Mit der Markteinführung dieser neuen Biologika wird der Kreis der Teil- oder Non-Responder bei RA weiter verkleinert und bietet damit Hoffnung für viele Patienten, das derzeit angesterbte Therapieziel bei RA, nämlich die Remission, zu erreichen.
Prof. Dr. Sabine Schmaldienst, III. Medizinische Univ.-Klinik Wien, Nephrologie, zeigte in ihrem Vortrag die Notwendigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit zum optimalen Patientenmanagement v. a. bei rheumatischen Erkrankungen mit Multiorgan- inklusive Nierenbefall. Am Beispiel von schweren SLE und Vaskulitisverläufen zeigte sie, dass durch die enge Zusammenarbeit mit einem nephrologischen Zentrum, das neben den diversen Nierenersatztherapien, auch über Erfahrung in den Apheresetherapien besitzt, die Prognose bei schwersten Verläufen v. a. bei SLE und Vaskulitiden wie dem Morbus Wegener verbessert werden kann. Die geringe, jedoch gute Datenlage zeigt einen klaren Benefit einer additiv zu einer konventionellen Immunosuppression (Steroide, Cyclophosphamid) geleiteten Apheresetherapie, v. a. bei Lupusnephritis und dem pulmorenalen Syndrom im Rahmen von Vaskulitiden. In der Schwangerschaft ist die Apherese eine sichere Therapieoption.

Spezifika der Rheumatologie im AKH Linz

Ass. Dr. Birgit Raffier, dermatologische Abteilung AKH Linz, berichtete über die Erfahrungen einer seit zwei Jahren laufenden interdisziplinären Kollagenosenambulanz. Besonders Patientinnen mit SLE schätzen die gemeinsamen Konsultationen durch eine Rheumatologin und eine Dermatologin. Diagnostik, lokale und systemische Therapien können leichter aufeinander abgestimmt werden. Auch die Zeitersparnis sowohl für Ärzte als auch Patienten wird als Positivum angesehen, ebenso der Lerneffekt für beide Fachrichtungen. Ein über diese interdisziplinäre Ambulanz veranstalteter Camouflage-Workshop für SLE und CDLE-Patientinnen (Camouflage ist eine Schminke auf einer Wachs-Öl-Basis, die extrem deckend und resistent ist) brachte für die Teilnehmerinnen einen nicht zu unterschätzenden Zuwachs an Selbstbewusstsein .
Mag. Gabriele Wagner, Psychologischer Dienst des AKH Linz, sprach über die Möglichkeiten der nichtmedikamentösen Schmerztherapie mit Schwerpunkt auf Entspannungstechniken, aber auch über eine interessante Neuenticklung, dem neurokognitiven Training, das erstmals in Deutschland bei Bechterew-Patienten angewendet wurde und zu einer deutlichen und anhaltenden Verbesserung der Schmerzsituation geführt hat.
In einem letzten Block leitete Prof. Dr. Klaus Machold, II. Medizinische Univ.-Klinik Wien, durch einen bestens aufgebauten Vortrag über die wesentlichen klinischen Schritte zum Erkennen einer entzündlichen Gelenksymptomatik, v. a. bei Frühformen (Früharthritis) über auf den im Anschluss an die Vorträge stattfindenden Workshop „Patient-Partner-Programm“.
Dr. Wolfgang Bolten, Klaus-Miehlke-Klinik Wiesbaden, berichtete über seine Erfahrungen in Deutschland mit groß angelegten ärztlichen Fortbildungsverantaltungen, die unter dem Titel „Fälle-Fakten“ interessierten Ärzten besonders die Krankheitsbilder von RA und Spondylitis ankylosans vermitteln. Dabei erleichtern die Anwendung neuer Kommunikationsstrategien wie Falldiskussion mit Votingmöglichkeit die persönliche Teilnahme jedes Einzelnen an diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen und erhöhen dadurch den Lerneffekt. In diesen Veranstaltungen ist auch das „Patient-Partner-Programm“ als angewandtes Lernen am Patienten etabliert und hat bereits ein großes Interesse in der postpromotionellen Ausbildung hervorgerufen.
Im Anschluss an das Rheumasymposium, in der auch zwei interessante rheumatologische Fallberichte vorgestellt wurden, fand für eine kleine Gruppe Ärzte ein „Patient-Partner-Workshop“ in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Rheumaliga (ÖRL) statt. Auch die Vertreterin der Schweizer Rheumaliga, Christina Galfetti, war dafür extra angereist und gab wertvolle Inputs für ihre österreichischen Kollegen. Der Workshop wurde von den Teilnehmern ausnehmend positiv bewertet. Besonders die Möglichkeit, im direkten Kontakt mit vorbereiteten, in Kommunikation trainierten Patienten, die menschliche Dimension ihrer Erkrankung ebenso wie ihre individuellen Krankheitsverläufe besprechen und letztlich durch die „Patient-Partners“ angeleitet, die richtige Palpation der Hände erlernen zu können, rief Bgeisterung hervor.

Kontaktadresse: Dr. Ulrike Stuby,
AKH der Stadt Linz, Rheuma-Ambulanz,
2. Medizinische Abteilung
E-Mail:

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