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Orthopädie 29. August 2007

Erster österreichischer Osteoporosebericht

Jede dritte Frau und jeder sechste Mann über 50 ist in Österreich von Osteoporose betroffen. Insgesamt rund 740.000 Personen. Bis zum Jahr 2040 wird sich diese Zahl verdoppeln, denn immer mehr Menschen werden immer älter. Bislang wird die Osteoporose als Zivilisationskrankheit unterschätzt und wenig für die Prävention getan. Aktuelle Erhebungen belegen den dringenden Handlungsbedarf.

Laut europäischer Daten des EU Osteoporosis Consultation Panel erleiden jedes Jahr rund 16.500 Österreicherinnen und Österreicher eine hüftgelenksnahe Fraktur. Österreich liegt damit im europäischen Spitzenfeld: 19,7 solche Frakturen jährlich bezogen auf 10.000 Einwohner über 65. Ein Fünftel der Betroffenen versterben an der Fraktur oder innerhalb des Folgejahres, etwa die Hälfte der Patienten lebt ohne Beeinträchtigung weiter.
Aufgrund dieser Zahlen und der zu erwartenden demographischen Entwicklung besteht Handlungsbedarf. Die Initiative LebensBasisKnochen – ins Leben gerufen vom Verein „Altern mit Zukunft“ (www.alternmitzukunft.at) unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Anita Rieder zusammen mit Projektleiter Prof. Dr. Heinrich Resch – startet aus diesem Grund eine Kampagne zur Aufklärung der österreichischen Bevölkerung.
Unterstützung erhält die Kampagne vom Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend, dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger , der Wiener Gebietskrankenkasse, der Österreichischen sowie der Wiener Ärztekammer, der Österreichischen Apothekerkammer, Fachgesellschaften sowie Partnern aus der Wirtschaft.

Ministerin Kdolsky unterstützt

„Unser gemeinsames Ziel muss es sein, Osteoporose richtig zu erkennen und entsprechend dem individuellen Knochenbruchrisiko zu behandeln. Als Gesundheitsministerin ist es mir ein großes Anliegen, diese Sensibilisierungsmaßnahmen voranzutreiben und zu unterstützen“, so BM Dr. Andrea Kdolsky im Rahmen der Pressekonferenz zum Osteoporosebericht.
Die Europäische Union hatte bereits 1998 in ihrem Bericht zur Osteoporose in der EU verschiedene Maßnahmen zur bestmöglichen Handhabung des Problems ausgesprochen: Informationskampagnen, Vorsorge bezüglich Lebensstilfaktoren, Richtlinien zu Prävention, Frakturbehandlung und Rehabilitation werden neben einer möglichst frühzeitigen Identifizierung der Risikogruppe und Daten zu Inzidenz und Prävalenz als notwendig erachtet. Im Rahmen der nun vorgestellten Aufklärungskampagne soll die Bevölkerung über grundlegende Fakten informiert werden: die Bedeutung von reichlich Bewegung und ausgewogener Ernährung im Kindesalter, die Möglichkeiten der Vorsorge, Früherkennung und Therapie beim Erwachsenen.
Osteoporose zählt zu den kos­tenintensivsten chronischen Erkrankungen. Die Akutversorgung einer hüftgelenksnahen Fraktur schlägt mit 30.000 Euro zu Buche, ähnlich teuer ist das nur in den Niederlanden. In Schweden kostet ein Schenkelhalsbruch ein Drittel davon – 10.000 Euro.

Gewaltige Kosten im Nachsorgebereich

Insgesamt ergeben sich pro Jahr Kosten von 498 Millionen Euro alleine im akuten Bereich, die Kos­ten für Nachsorge und Rehabilitation betragen 1,2 Milliarden Euro. Franz Bittner, Obmann der WGKK, zum Thema Kosten: „Einer der Gründe, dass Österreich im Ländervergleich die höchsten Kosten aufweist, ist das Nebeneinander von einerseits Über-, andererseits Unter- und manchmal krasser Fehlversorgung.“ Beispielsweise gibt es in Österreich doppelt so viele Geräte zur Knochendichtemessung, als die EU-Empfehlungen vorsehen. Bittner konstatiert ein Übermaß an Diagnostik bei gleichzeitiger Unterversorgung an Therapien. Obwohl etwa 740.000 Österreicher an Osteoporose leiden, erhalten nur etwa 130.000 eine korrekte Therapie, das sind etwa 17 Prozent der Betroffenen.

Zu oft zu spät erkannt

Auch Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM), sprach auf der Pressekonferenz von dem Manko der späten Diagnose: „Trotz guter Diagnose- und Therapieoptionen wird die Osteoporose oft zu spät diagnostiziert und nicht adäquat behandelt. Dabei wären die meis­ten osteoporotischen Frakturen vermeidbar.“
Aus diesem Grund adaptierte die ÖGAM das Konsensus-Papier „Früherkennung und Management der postmenopausalen Osteoporose in der allgemeinmedizinschen Praxis“ aus dem Jahr 2005 und ergänzte es um die gegenwärtigen diagnostischen und therapeutischen Richtlinien der ÖGEKM. Den großen Wert der Eigenverantwortlichkeit des Patienten strich Prof. Dr. Hans Bröll, Ärztlicher Leiter des Rheumazentrums Wien-Oberlaa und des Kurbades Oberlaa, heraus: „Die Osteoporose – sowohl Prävention als auch Therapie betreffend – stellt ein eindrucksvolles Beispiel dar, dass der eigenverantwortlichen Kooperation des Patienten mit dem Therapeuten ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt werden muss.“

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