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Orthopädie 30. Oktober 2007

Nutzen bei schwerer Arthrose fraglich

Zur Behandlung arthrotischer Beschwerdebilder kommen häufig sogenannte Knorpelkuren zur Anwendung. Die Wirksamkeit solcher Therapien haben Statistiker und Mediziner vom Institut für Sozial-und Präventivmedizin der Universität Bern in einer umfassenden Überprüfung der vorhandenen klinischen Studien kritisch beleuchtet. (Ann Intern Med 2007 Apr 17; 146(8):580-90). Chondroitin wird in Form von Chondroitinsulfat in Form von Kapseln eingenommen. Die Therapiedauer beträgt meist mehrere Monate.
Ein Team der Universität Bern um die klinischen Epidemiologen Dr. Stephan Reichenbach und Dr. Peter Jüni vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin und den Kliniken für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie des Inselspitals Bern hat nun alle weltweit vorhandenen Studien zu Chondroitin einer Meta-Analyse unterzogen.
„Die Qualität der einzelnen Chondroitin-Studien war sehr unterschiedlich“, sagt Forschungsleiter Peter Jüni. „Doch je sorgfältiger eine Studie durchgeführt worden war, desto weniger konnte eine positive Wirkung des Medikaments gefunden werden.“
Nach einer ausgedehnten Literaturrecherche konnten 20 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 3.846 Patienten, in denen die Wirkung von Chondroitin im Vergleich zu einer Nichtbehandlung oder zu einem Scheinmedikament untersucht worden war, in die Meta-Analyse eingeschlossen werden.
Bei diesen Studien verglichen die Forscher die Resultate bezüglich des schmerzlindernden Effekts sowie – falls vorhanden – bezüglich des radiologisch ausgemessenen Gelenkspalts vor und nach der Therapie. Vor allem kleinere Studien aus den frühen 1990er-Jahren zeigten eine mäßige bis starke schmerzlindernde Wirkung von Chondroitin. In den 3 größten Studien jedoch, in denen über 40 Prozent aller in die Meta-Analyse einbezogenen Patienten untersucht wurden, konnte keine schmerzlindernde Wirkung von Chondroitin gefunden werden. „Diese Studien waren qualitativ eindeutig die besten“, sagt Jüni. Sie waren sauber randomisiert, umfassten eine genügend hohe Anzahl Patienten, und alle Patienten wurden am Schluss in die Analyse eingeschlossen. Auch die Auswertung der Gelenkspalt-Messungen ergab keine eindeutigen Hinweise für einen klinisch relevanten Effekt von Chondroitin.
Jüni abschließend: „Die positive Meldung ist aber, dass die Präparate wahrscheinlich sicher sind.“ In den analysierten Studien hatten Medikament und Scheinmedikament ähnliche Nebenwirkungsraten.

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