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Orthopädie 2. Mai 2007

Arthrose in den Blickpunkt rücken

Vor allem die multidisziplinäre Kooperation und die seriöse Vermittlung liegen den Gründungsmitgliedern der neuen Gesellschaft am Herzen.

Österreich hat eine Gesellschaft mehr: Mitte April wurde die Gründung der Österreichischen Gesellschaft gegen Arthrose bekannt gegeben. Damit wurde ein heimisches Defizit behoben, das innerhalb Europas wenige Länder teilen. Immerhin leiden rund 20 Prozent der Bevölkerung an einer Gelenksabnützung, erklärt der erste Präsident der Gesellschaft, Dr. Michael Vitek, Leiter der Forschungsabteilung für Psychoorthopädie an der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) in Wien: „Die Gelenkserkrankung gehört zu den am meisten unterschätzten Krankheiten. Immerhin leiden im Laufe ihres Lebens fast alle Menschen in unterschiedlicher Ausprägung an Gelenksverschleiß.“ Vor allem zu Beginn verläuft die Erkrankung ohne spürbare Schmerzen und Einschränkungen ab, weshalb die Patienten sehr spät beim Arzt vorstellig werden. Die jährlichen Gesundheitskosten belaufen sich aufgrund fehlender Präventivmaßnahmen indes auf mehrere Millionen Euro. Die Beschwerden der Arthrose lassen sich zwar lindern und die Krankheitsprogression verlangsamen, eine Restitutio ad integrum ist aber nicht möglich. Bei ungünstigem Verlauf kann letztlich nur mehr eine Endoprothese helfen.

Informationen weitertragen

Das sind Informationen, die nicht den höchsten Bekanntheitsgrad genießen. Daher sieht Vitek eine der wichtigsten Aufgaben der neu gegründeten Gesellschaft darin, das vorherrschende Informationsdefizit zu beheben: „Nach vielen Gesprächen mit Betroffenen wurde uns klar, dass diejenigen, die sich über die Arthrose informieren wollen, kaum echten Zugang zu relevanten Inhalten erhalten. Daher versuchen wir mithilfe unserer neuen Webseite die Informationen zu filtern und seriös aufzuarbeiten.“ Auf http://arthrosegesellschaft.at will man darüber hinaus ein Forum für Patienten, als auch für Ärzte schaffen. Dort sollen nicht nur statische Informationen abgerufen, sondern desgleichen eine dynamische Kommunikation in Gang gebracht werden. Daher werden auch Selbsthilfegruppen ihre Plattform erhalten. Da sich die Gesellschaft als gemeinnützige Vereinigung installiert, will man diese Aufgaben unabhängig und neutral erfüllen, betont Vitek. Die neue Organisation will eine Kooperation auf möglichst breiter Basis ermöglichen. Mediziner, Techniker, Forscher, Medien und Industrie arbeiten an multidisziplinären Projekten und wollen Forschungsergebnisse und Erfahrung auf möglichst kurzem Wege austauschen. Den multidisziplinären Ansatz betont auch Prof. Dr. Alfred Pritz, Rektor der SFU und Vizepräsident der Gesellschaft. Der Psychologe und Psychoanalytiker verweist auf die enge Verknüpfung von Psyche und Arthrose: „Leider erkennen zu wenig Menschen, darunter auch Ärzte, dass flankierend zur körperlichen Therapie auch die Psyche berücksichtigt werden muss. Dazu zählt etwa eine psychologische Schmerzberatung.“ Am 23. und 24.11. veranstaltet die Österreichische Gesellschaft gegen Arthrose ihren ersten Kongress mit einem innovativen Ansatz. Die am ersten Tag vor einem Fachpodium präsentierten Vorträge werden am nächsten für interessierte Laien bzw. Betroffene aufbereitet. So will man echte Aufklärung und „Forscher zum Anfassen“ anbieten.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 18/2007

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