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Orthopädie 22. November 2007

Stürze können fatale Folgen haben

Neunzig Prozent aller Hüftfrakturen sind auf einen Unfall zurückzuführen. Eine wachsende Bedeutung haben dabei Stürze im Alltag.

30.000 Euro kostet die Akutbehandlung einer Hüftfraktur. Das erklärte Prof. Michael Blauth, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU), anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft. Die Gesamtkosten inklusive Rehabilitation schätzt er auf 75.000 Euro. Bis 2040 rechnet Blauth mit einem Anstieg auf 25.000 hüftsgelenksnahen Oberschenkelbrüchen pro Jahr. Gesamtkosten demnach: 1.875 Milliarden Euro. Auch aus diesem Grund müsste der Sturzprophylaxe weit mehr Aufmerksamkeit als bisher zugewandt werden. Wichtig dabei sind Allgemeinmediziner, auch in Kooperation mit Ergotherapeuten. Besonders für ältere Menschen sollte es dabei Angebote ebenso im Trainingssektor geben, denn, so Blauth, „wer nicht trainiert, verliert pro Jahr zehn Prozent an Muskel- und Knochenmasse.“
Insgesamt wird das Problem unterschätzt: „Nur 15 Prozent der Frauen und zehn Prozent der Männer glauben, dass diese Erkrankung für sie ein Problem werden kann“, so Blauth. Viele halten Osteoporose zudem für eine unvermeidbare Alterserscheinung. Als möglichen Weg einer qualitativeren Versorgung auch in anderen Landesteilen sieht Blauth das „Zentrum für Altersfrakturen“, das er mit Fachärzten für Geriatrie und Unfallchirurgie gemeinsam an der Universitätsklinik Innsbruck aufbaut.

Nicht jede Naht muss im Spital entfernt werden

Handlungsbedarf bei der ärztlichen Ausbildung sieht auch Prof. Dr. Richard Kdolsky, Generalsekretär der ÖGU: „Die künftigen Fachärzte für Allgemeinmedizin sollten über eine ausreichende Ausbildung in der Unfallmedizin verfügen.“ Überweisungsprobleme könnten dadurch vermieden werden. „Patienten mit osteoporotischen Brüchen oder mit Gehirnerschütterungen nach Unfällen landen teils auf Abteilungen für Innere Medizin, wo eine bestmögliche Versorgung nicht gewährleistet ist“, meint Kdolsky. Unfallpatienten müssten eben an entsprechenden Abteilungen behandelt werden. Gleichzeitig kann sich Kdolsky eine intensivere Kooperation mit Allgemeinmedizinern vorstellen, denn „nicht jede Nahtentfernung muss im Spital durchgeführt werden – im niedergelassenen Bereich ist dies wesentlich günstiger durchführbar“.
„Österreichweit fehlt es an Strukturen zur Remobilisation“, ergänzt Dr. Richard Maier, Fachgruppenobmann der Unfallchirurgen in der Österreichischen Ärztekammer. „Zwischen dem Abschluss der Spitalsbehandlung und dem Beginn der Remobilisation vergeht oft viel zu viel Zeit.“ Einerseits wird so die Entwicklung eigenständiger Mobilität gebremst und andererseits insgesamt der Genesungsprozess.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 47/2007

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