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Orthopädie 10. Mai 2007

Von A wie Arthrose bis S wie Spondylitis

Rund 400 verschiedene Diagnosen umfasst der rheumatische Formenkreis, etwa zehn Prozent davon sind entzündlich bedingt, 45 Prozent betreffen Abnützungs- und Weichteilrheumatismen.

Arthrose: Die häufigste rheumatische Erkrankung ist die Arthrose, jeder zehnte Österreicher über 50 ist betroffen. Risikofaktoren für Arthrose sind Übergewicht, Traumata und Entzündungen, falsche Bewegungsmuster sowie weibliches Geschlecht. Am häufigsten werden Hand-, Knie- und Fußgelenke in Mitleidenschaft gezogen. Im Spätstadium kommt es zu ossärer Verdickung, Gelenkinstabilität und Muskelatrophie, geringer Belastungstoleranz, periartikulärem Druckschmerz und Gelenksversteifung. Am Beginn der Arthrosetherapie stehen Lebensstilmodifikation und physikalischer Therapie. Mit Fortschreiten der Erkrankung kommen Nichtsteroidale Antirheumatika und Kortikoide zum Einsatz. Schwere Arthroseformen mit ausgeprägten Schmerzzuständen werden mit Opioiden behandelt. Chronische Polyarthritis (CP): „Kernsymptome der Erkrankung sind Anlauf- und Ruheschmerz, weiters Steifigkeit und Schwellung der Gelenke mit frühmorgendlichem Schmerzhöhepunkt und starkem Schwitzen der Hände. Häufig beginnt die Erkrankung monarthritisch“, hielt der Rheumatologe Dr. Burkhard Leeb, Leiter des NÖ Zentrums für Rheumatologie an der II. Medizinischen Abteilung des Landesklinikums Weinviertel Stockerau, in einem Vortrag anlässlich der Südbahnschmerzgespräche im Februar in Reichenau/Rax fest. Betroffen sind insbesondere die Hand- und Fingergelenke.

Bei Frauen drei Mal häufiger

Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 45. und dem 65. Lebensjahr. Zwei Jahre nach Beginn des Leidens liegt ist die Gelenksfunktion bereits mittelgradig eingeschränkt. Nach weiteren zehn Jahren sind etwa 30 Prozent der Patienten arbeitsunfähig. „Ziel jeder CP-Behandlung ist es, die Gelenkszerstörung aufzuhalten, um die Gelenksfunktion zu erhalten“, betonte Leeb. Frühzeitige Behandlung erleichtert das Erreichen dieser Ziele. Als Goldstandard in der medikamentösen Behandlung der CP gilt Methotrexat. Darüber hinaus wurden durch die Einführung der sogenannten Biologika die therapeutischen Möglichkeiten deutlich ausgeweitet.“ Wesentlich sind begleitende Maßnahmen wie Ergotherapie, physikalische Therapie und Trainingstherapie. Fibromyalgie: Ein Krankheitsbild, von dem deutlich mehr Frauen als Männer betroffen sind. Symptome sind flächenhafte Muskelschmerzen, subdepressive bis depressive Verstimmungen, Tagesmüdigkeit, verstärktes Kälteempfinden und Leistungsabfall. „Nicht selten geht Fibromyalgie auch mit dem Chronic Fatigue Syndrome einher“, hielt Leeb fest. Die Diagnose ist wegen der uneinheitlichen Symptome schwierig, spezifische Laborparameter gibt es keine. Das Erkrankungsalter liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. „Eine suffiziente Behandlung der Fibromyalgie kann nur interdisziplinär zusammen mit Neurologen, Psychologen, Physikalisten und Rheumatologen erfolgen“, definierte Leeb die optimale Vorgangsweise. Außerdem haben sich aerobes Ausdauertraining, Psychotherapie und Entspannungstraining, schmerzstillende Medikation und Akupunktur als wirkungsvoll erwiesen. Spondylitis ankylosans: Auch als Morbus Bechterew bekannt, trifft diese Erkrankung mehr Männer als Frauen. Sie tritt meist vor dem 45. Lebensjahr auf und be­ginnt mit einem tiefsitzenden morgendlichen Rückenschmerz, der sich durch Bewegung bessert. Die Diagnose wird radiologisch gestellt. „Typischerweise zeigt sich im Röntgenbild eine Sacroilieitis. Behandelt wird der M. Bechterew mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten. Seit einigen Jahren steht in Österreich auch die Therapie mit TNF-a-Blockern wie Infliximab (Remicade®), Etanercept (Enbrel®) und Adalimumab (Humira®) zur Verfügung. Diese entzündungshemmenden Medikamente führen zu einer signifikanten Besserung der Krankheitssymptome.

Sabine Fisch, Ärzte Woche

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