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Orthopädie 3. Oktober 2006

Die Beweglichkeit erhalten

Arthrose ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen, die zu Schmerzen, Schwellung, Steifigkeit und Funktionsverlusten in den Gelenken und den umgebenden Strukturen wie Bändern, Sehnen und Muskeln führen kann. Arthrose kann auch bei jüngeren Menschen auftreten und zu Verlust der Arbeitsfähigkeit führen. Derzeit sind die pathogenetischen Prozesse bei der Arthrose weitgehend unbekannt und die Therapie besteht daher in der Behandlung der Symptome oder einer chirurgischen Intervention.

Nur wenig Forschung

Während sich die Forschungsaktivitäten der letzten Jahre vorwiegend auf die großen Gelenke konzentriert haben, sind die wissenschaftlichen Resultate bezüglich der Hand- und Fingergelenke derzeit noch immer sehr limitiert. Allerdings sind bei der Arthrose oft isoliert, sowie auch zusätzlich zu den großen Gelenken, die Hand- und Fingergelenke betroffen. Arthrosen der Hand- und Fingergelenke sind somit abgegrenzt zur normalen Altersveränderung als eigene Erkrankung zu bezeichnen. Als klinische Kriterien zur Diagnostik werden meist jene des American College of Rheumatology (ACR) verwendet.
In einer randomisierten kontrollierten Studie konnten wir zeigen, dass die Alltagsfunktion durch Gelenkschutzberatung und gezielte Fingerübungen, die auf die Erhaltung der Beweglichkeit in den proximalen und distalen Interphalangialgelenken abzielen, verbessert werden konnte. Gemessen wurde die Handkraft der Patienten mittels Vigorimeters (Gummiball mit Luftfüllung, der zusammengedrückt werden soll). Da man bei stärkeren Schmerzen den Faustschluss nicht so stark zusammendrücken kann, nimmt man an, dass die Handkraftmessung auch durch die Schmerzen in den Gelenken beeinflusst wird. Zusätzlich wurden die Patienten gebeten, die Funktion der Hände im Alltag auf einer visuellen Analogskala (VAS) von 0 bis 10 cm einzuschätzen. Bei diesen beiden Messgrößen konnte in der Studie eine signifikante Verbesserung in der Versuchsgruppe gegenüber der Kontrollgruppe gezeigt werden. Gelenkschutzberatungen und Fingerübungen wurden von Ergotherapeutinnen durchgeführt.

Die Belastung verteilen

Grundprinzipien der Gelenkschutzberatung waren, die alltägliche Belastung auf so viele Gelenke wie möglich zu verteilen und dabei die kleinen Fingergelenke zu entlasten (z.B. eine Plastiktasche besser über die Schulter statt in der Hand zu tragen), die Gelenke achsengerade zu belasten (z.B. beim Auswringen aufzupassen, dass die Fingergelenke nicht verdreht werden), die Hebelwirkung ausnutzen (z.B. ein Rheumamesser zu verwenden (siehe Abbildung 1) oder auf eine ergonomische Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes zu achten), Vibrationen zu vermeiden und den kräftigen sehr engen Spitzgriff zu vermeiden (z.B. dickere Schreibgeräte oder ergonomische Gartengeräte verwenden).
Bei den Fingerübungen wird auf die Erhaltung der Beweglichkeit der Fingermittel- und Fingerendgelenke geachtet. Die Übungen können mit einer mittelharten Therapieknetmasse durchgeführt werden, sollten aber keinesfalls mit einem Soft-Ball gemacht werden, da dieser sich der Bewegungsachse der Finger nicht entsprechend anpassen kann und für manche Übungen nicht flexibel genug ist. Folgende Übungen wurden in der Studie mit der Therapieknetmasse durchgeführt: lockeres Faustmachen und Strecken, vollständiges Beugen und Strecken der Fingermittel- und Fingerendgelenke, mit dem Daumen die Fingerspitzen berühren (dabei kann auch eine Knetmasse-Rolle zusammengedrückt werden), die gestreckten Finger spreizen und schließen und mit dem Daumen gegen Widerstand der Knetmasse das Grundgelenk des kleinen Fingers berühren.
Da wir in der eben beschriebenen Studie eine Verbesserung der Alltagsfunktion bei Fingerpolyarthrosen durch nichtmedikamentöse Behandlung zeigen konnten, machen wir derzeit eine weitere randomisierte kontrollierte Studie, bei der eine individuell von Ergotherapeutinnen angefertigte therapeutische Schiene (siehe Abbildung 2) zur Verminderung von Schmerzen bei Patienten mit Arthrose des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) verwendet wird.

Literatur bei der Verfasserin
Kontakt: Dr. Tanja Stamm, Klinik für Innere Medizin III, Abteilung für Rheumatologie, Medizinische Universität Wien
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