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Orthopädie 7. Juni 2006

Therapietreue bei Osteoporose ist brüchig

In Wien wurde die internationale Kampagne „Staying Power“ zur Prävention von Behandlungsabbrüchen im Rahmen einer Osteoporosetherapie gestartet.

Die 1988 gegründete International Osteoporosis Foundation (IOF) organisiert derzeit den globalen Feldzug „Staying Power“ im Kampf gegen brüchige Knochen. Im Rahmen des internationalen Kampagnenstartes präsentierte Paul Spencer Sochaczewski, Leiter der Kommunikationsabteilung der Osteoporosestiftung in Wien, im Beisein der Filmschauspielerin Britt Ekland die Schwerpunktthemen: die Auswirkungen eines vorzeitigen Therapieabbruchs, Therapietreue sowie Fragen rund um das Problem der Compliance. Sochaczewski erinnerte einmal mehr daran, dass die Osteoporose mit ihrem hohen Prävalenzanstieg eine der größten medizinischen Herausforderungen der Zukunft darstelle: „Dies ist umso bedauerlicher, da bereits wirkungsvolle Therapiemöglichkeiten bereit stehen. Allerdings können wir unsere Patienten offensichtlich nicht von deren Notwendigkeit überzeugen.“ Als Beweis dafür präsentierte er die Ergebnisse einer aktuellen europäischen Untersuchung.

Frühabbrecher überwiegen

Darin erklären 85 Prozent der Ärzte, dass im Rahmen einer Bisphosphonattherapie, der häufigsten Behandlungsform bei Osteoporose, die Patienten die Einnahme zu früh abbrechen. 70 Prozent der Mediziner geben zu, ahnungslos über die Hintergründe der fehlenden Therapietreue zu sein. Die Befragung der Patientinnen legte hingegen offen, dass 34 Prozent nicht wissen welche Vorteile die Behandlung mit sich bringt bzw. glauben, dass die Therapie keinerlei Wirkung zeigt. „Wir haben demnach ein eklatantes Kommunikationsproblem zwischen Ärzten und Patienten“, monierte Sochaczewski, „und dieses ist in Spanien ebenso spürbar wie auf den Philippinen, weshalb wir uns zu dieser weltumspannenden Kampagne entschlossen.“ Schirmherrin der internationalen Aktion ist die schwedische Filmschauspielerin Britt Ekland, die deutlich machen will, dass die Erkrankung jeden treffen kann: „Als ich erfuhr, dass ich Osteoporose habe, war ich mitten in der Blütezeit meines Lebens. Ich hatte Film­erfolge, eine achtjährige Tochter und fuhr mit dem US-Team Ski. Daher ignorierte ich die Diagnose und traf kaum Vorsichtsmaßnahmen. Doch schon die ersten Frakturen machten mir die Notwendigkeit vorsorglichen Handelns bewusst. Und das ist die gute Nachricht – man kann mit Osteoporose gut leben, vorausgesetzt, man kümmert sich um sie.“ Leider sieht die Realität vielerorts anders aus. Aufgrund des aufwändigen Einnahmeprozesses tendieren Betroffene dazu, sowohl Frequenz als auch Therapievorgaben nur mangelhaft zu befolgen. „Dies zu ändern ist unsere Mission“, erklärte der Epidemiologe Prof. Dr. Jean-Yves Reginster von der Universität von Liege, Belgien. „Es ist unabdingbar unsere Patienten in einer Langzeitbehandlung mit Bisphosphonaten zu halten. Daher genügt es längst nicht mehr, nur die Präparate zu verschreiben. Wir müssen aktiv an der Compliance mitarbeiten und dies nicht nur im Interesse der Kranken, sondern auch in Hinblick auf die exorbitanten Kosten, die unsere Gesundheitssysteme direkt und indirekt treffen.“

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