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Orthopädie 1. Jänner 2007

Das Fibromyalgie-Syndrom: eine interdisziplinäre Herausforderung – Verlegenheitsdiagnose, Volksseuch

Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine zunehmend häufige chronische Schmerzerkrankung, die bevorzugt bei Frauen im mittleren Lebensalter beginnt. Leitsymptome sind spontane muskuloskelettale Schmerzen und eine deutlich erhöhte Druckempfindlichkeit an definierten Stellen (den so genannten "Tender Points"). Zusätzlich bestehen – in unterschiedlicher Ausprägung – Akroparästhesien, zahlreiche vegetative und funktionelle Störungen, nicht erholsamer Schlaf sowie psychische Auffälligkeiten. Die Entstehung der Fibromyalgie ist noch nicht befriedigend geklärt, obwohl es pathogenetische Erklärungsmodelle gibt, welche biologische und psychische Ursachenfaktoren in Zusammenhang bringen. Die Diagnostik beruht auf dem typischen klinischen Bild und dem differenzialdiagnostischen Ausschluss zahlreicher Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik. Standard-Laboruntersuchungen sind dabei unauffällig und die bildgebenden Verfahren liefern entweder uncharakteristische Befunde oder zeigen eine Komorbidität mit degenerativen Wirbelsäulen- bzw. Gelenkserkrankungen. Mit einer symptomatischen medikamentösen und physikalischen Therapie kann man meist nur eine vorübergehende Besserung der Beschwerden um 30–50 % erreichen. Bei der ganzheitlichen, psychosomatisch konzipierten Rehabilitation der Fibromyalgie darf aber nicht die Schmerzbekämpfung im Vordergrund stehen. Ziel ist vielmehr die nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität durch eine aktive Krankheitsbewältigung. Dazu sind sowohl Maßnahmen zur physischen Rekonditionierung erforderlich als auch klinisch-psychologische Interventionen, Patientenschulungen und Psychotherapie.

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