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© Everett Collection/picture alliance
Andrew Taylor Still (1828 bis 1917) gilt als Begründer der Osteopathie, „find it, fix it, leave it“ (ca. 1914).
 
Orthopädie 11. Juli 2016

Geschichte der konservativen Wirbelsäulentherapie

Der Begründer der Osteopathie haderte mit der Medizin, nachdem er drei Kinder an die Pest verloren hatte.

Griff- und Massagetechniken zur Schmerzbehandlung sind seit der Antike bekannt. Im Mittel- alter waren Knocheneinrenker und Gliedersetzer unterwegs. Die moderne Osteopathie entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA.

Bereits im klassischen Altertum wurden Rückenschmerzen mit bestimmten Griff- und Massagetechniken behandelt. Hippokrates beschrieb neben den traumatischen Ausrenkungen auch leichte Wirbelverschiebungen und gab an, wie diese zurechtzurücken seien. Offensichtlich pflegten Ärzte durchaus dieses Wissen um die Stellung und Einrichtung von Wirbelkörpern in der Fortsetzung der Tradition von Hippokrates und Galenos von Pergamon (129 bis 199 n. Chr.).

Am Ausgang des Mittelalters verliert sich die Kenntnis manueller Behandlungstechniken in Ausbildung und ärztlichem Handeln. Die Gründe dafür sind nicht klar. Möglicherweise war es die zunehmende Überzeugung einer Ineffektivität oder von schweren Komplikationen bei Nichtbeachtung heute gängiger Kontraindikationen, die damals aber noch nicht sicher diagnostizierbar waren. Der tuberkulöse Befall der Wirbelsäule war damals weit verbreitet. Im ausgehenden Mittelalter und danach waren zahllose Laienbehandler („Knocheneinrenker“, „Gliedersetzer“) unterwegs.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewannen die Entwicklung und Anwendung orthopädischer Gymnastik an Bedeutung. Die manuelle Behandlung durch Ärzte fand bis ins Mittelalter hinein statt und wurde danach im Wesentlichen nur noch durch Laien ausgeübt, bis am Ende des 19. Jahrhunderts Osteopathie und Chiropraktik eingeführt wurden. Die manuelle Behandlung fand in Europa erst relativ spät im vergangenen Jahrhundert zunächst vorwiegend als Manuelle Medizin eine Entwicklung und Verbreitung.

Der Begriff Osteopathie ist eng mit dem Chirurgen Andrew Still (1828 bis 1917) verbunden, der 1874 dieses Verfahren begründete. Der Begriff leitet sich von den beiden griechischen Wörtern Osteon (Knochen) und Pathos (Krankheit) ab. Still betrachtete den Menschen als Einheit aus Körper, Geist und Seele und war der Überzeugung, dass der Mensch Möglichkeiten der Gesundung in sich selbst trägt.

Dies begründete sich wohl auch in Eigenerfahrungen mit chronischen Kopfschmerzen, die Still selbst zu beeinflussen lernte. Obwohl er Medizin studiert hatte, haderte er mit der Medizin, da er drei an Pest erkrankte Kinder verlor. Er fand heraus, dass funktionelle Störungen der Wirbelsäule Gesundheitsstörungen im Körper auslösen können, und entwickelte ein Medizinsystem, mit dem Funktionsstörungen behandelt werden können.

Störungen im Gewebe aufzuspüren, zu beseitigen und dann der Selbstheilung zu überlassen, kommt in dem Satz „find it, fix it, leave it“ zum Ausdruck. Das erste osteopathische College gründete Still 1892 im US-Bundesstaat Missouri, als American School of Osteopathy.

Der Artikel basiert auf der Veröffentlichung „Geschichte der konservativen Wirbelsäulentherapie“ von Prof. Dr. Bernd Kladny in der Zeitschrift „Der Unfallchirurg“ 118/2015, © Springer Verlag

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