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© Stefan Straube / UKL
Dr. Mohamed Ghanem zeigt ein sogenanntes Mega-Implantat, mit dem sowohl der Oberschenkelknochen als auch angrenzende Gelenke in einer einzigen Operation ersetzt werden können.
 
Orthopädie 13. Jänner 2016

Großangelegter Knochenersatz

Mega-Implantate helfen Patienten, die früher im Rollstuhl landeten, wieder auf die Beine zu kommen.

Ist die Knochensubstanz stark geschädigt, reicht eine Endoprothese oft nicht aus. Der Einsatz von Mega-Implantaten kann Patienten, für die es früher nur die Option Rollstuhl gab, dieses Schicksal ersparen.

Ein künstliches Hüftgelenk oder ein neues Knie – das sind heute ja schon fast Routine-Operationen. Wenn aber beispielsweise das Hüftgelenk und der komplette Oberschenkelknochen ersetzt werden müssen, sind Wissen, Können und Erfahrungen von Spezialisten der orthopädischen Chirurgie gefragt.

„Bei extremen Knochensubstanzverlusten, deren Ursachen Tumoren, Unfälle, in zunehmendem Maße aber auch Revisionsoperationen sein können, kommen Mega-Implantate zum Einsatz“, so Dr. Mohamed Ghanem, Oberarzt an der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig in einer Mitteilung des Uniklinikums.

Ghanem hat langjährige Erfahrungen mit komplexen Fällen, in denen Mega-Implantate zum Einsatz kamen. So kann der Leipziger Orthopäde heute auch jenen Patienten im ganz wörtlichen Sinne wieder auf die Beine helfen, für die es früher nur die Option Rollstuhl gab.

25 Patienten jährlich

Für die zunehmende Notwendigkeit von Mega-Implantaten spielt die demografische Entwicklung in Deutschland und Österreich eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ghanem erläutert: Steigt die Zahl der alten Menschen, nimmt auch die Zahl der Endoprothesen zu. Trotz immer besserer Implantationen wächst dann aber auch die Zahl der Lockerungen von Endoprothesen. Und dann kann der Fall eintreten, dass der inzwischen durch Osteoporose geschädigte Oberschenkelknochen komplett ersetzt werden muss, weil er eine neue Endoprothese nicht halten würde.

Etwa 25 Patienten sind es jährlich, die von Ghanem, der sich auf langstreckige Prothetik für untere Extremitäten spezialisiert hat, mit einem Mega-Implantat versorgt werden, heißt es in der Mitteilung der Uniklinik Leipzig. Wobei sowohl Tumoren als auch Endoprothesen-Lockerungen die Ursachen sind. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Mega-Implantaten um die Kombination Hüftgelenk/ Oberschenkelknochen/ Kniegelenk. „Muss der Oberschenkelknochen ersetzt werden, sind immer auch die sich anschließenden Gelenke mit betroffen“, erläutert der Oberarzt.

Die einzelnen Komponenten des Mega-Implantates sind durch verschiedene mechanische Mechanismen miteinander so verbunden, dass vielerlei individuelle Anpassungen möglich sind. Dies ermöglicht individuell jede Art der Defektüberbrückung. Von der Hüfte bis zum Knie – so ein Eingriff umfasst einen sehr großen Körperbereich.

Dennoch werde das Mega-Implantat in einer Operation eingesetzt. Aber noch vor dem ersten Schnitt ist eine exakte Planung nötig. „Nach einer präoperativen klinischen Untersuchung und Beurteilung der Röntgenbilder folgt eine Planung am Röntgenbild oder computergestützt“, sagt Ghanem.

„Im Ergebnis werden die vorläufigen Größen und Längen des Mega-Implantates und die Resektionslinien festgelegt. Die definitiven Entscheidungen fallen dann aber während der Op in Abhängigkeit des Lokalbefundes.“

Op dauert mehrere Stunden

Nach der Entfernung der Knochenteile, die nicht verwendbar sind, wird dem Patienten ein Probe-Implantat eingesetzt. So kann ganz praktisch überprüft werden, ob die Beinlänge stimmt, die nötige Stabilität erreicht wird und die Rotation, also die richtige Lage des Implantates zur Körperachse, stimmt. Diese Überprüfung erfolgt während der Operation klinisch und radiologisch. Nach dieser „Passprobe“ folgt das Einsetzen des Dauer-Implantates.

Dieser Aufwand für das Mega-Implantat kostet natürlich Zeit: Die Dauer der Operation reicht je nach Fall, Situation und Umfang bis zu mehreren Stunden.

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