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Abb.1: Gerissenes vorderes Kreuzband

© (3) Patrick Weninger

Abb.3: Das ersetzte vordere Kreuzband.

Abb.2: Das gerissene vordere Kreuzband wurde entfernt. Die Bohrkanäle im Oberschenkel und im Schienbein.

Abb. 1 © Patrick Weninger

Abb. 2 & 3 © Dr. Charles Brown, Abu Dhabi

 
Orthopädie 28. September 2015

Schnellere Heilung nach Kreuzbandriss

Expertenbericht: Eine aktuelle Studie zeigt die Vorteile der Stoßwellen-Therapie nach einer Kreuzband-Operation.

Viele Sportler fürchten diese Verletzung: den Kreuzbandriss. Denn die Folge ist meist eine lange Ausfallzeit, vor allem nach einer Operation. Muskeln müssen wieder aufgebaut und die Beweglichkeit des Knies hergestellt werden. Eine neue Möglichkeit der Therapie unterstützt jetzt diesen Prozess und soll unter anderem Schmerzen vermindern.

Schnell ist es passiert, ein unaufmerksamer Moment, eine kurze Ablenkung, das Knie verdreht sich und das Kreuzband reißt.

Dieses Szenario ist der absolute Albtraum vieler Profi- und Freizeitsportler. Sei es beim Fußball, beim Skifahren oder beim Handball: Der Kreuzbandriss ist die gefürchtetste Knieverletzung und hat schon so manche Karriere beendet. Aber warum ist der Kreuzbandriss oft ein Karrierekiller für viele Sportler?

PD Dr. Patrick Weninger, Oberarzt im Orthopädischen Spital Speising und Leiter der Praxis KNIE & SPORT in der Wiener Arthroclinic ( www.dr-weninger.at; www.arthroclinic.org ): „Durch den Kreuzbandriss wird das Knie des Athleten instabil und stark kniebelastende Sportarten sind nicht mehr durchführbar. Deshalb sollte bei Beibehaltung einer hohen sportlichen Aktivität die Operation angedacht werden. Dabei wird in den meisten Fällen das gerissene Kreuzband durch körpereigene Sehnen ersetzt, in wenigen Fällen kann das eigene Kreuzband wieder befestigt und erhalten werden.“

Sechs Monate Pause

Nach einem Kreuzbandriss „stehen“ Sportler, egal ob Profi- oder Freizeitsportler für zumindest sechs Monate. Während dieser Zeit muss das operierte Knie intensiv auftrainiert werden, um die Muskulatur zu kräftigen und um die normale Beweglichkeit und die koordinativen Fähigkeiten wiederzuerlangen.

Was sind nun die Gründe, weshalb Sportler nach einem Kreuzbandriss so lange ausfallen, auch wenn sie operiert wurden?

Einerseits ist es darauf zurückzuführen, dass es nach der Verletzung und nach der Kreuzband-Operation zu einer Reduktion der Muskelmasse und damit auch der Funktion kommt. Andererseits ist die Beweglichkeit nach der Operation oft eingeschränkt, sodass die normale Beweglichkeit erst wieder im Rahmen der nachfolgenden Physiotherapie erreicht werden muss.

Zusätzlich spielen zwei weitere Faktoren eine wichtige Rolle:

1. Wird das gerissene Kreuzband durch körpereigene Sehnen ersetzt, werden bei der Operation Bohrkanäle in den Oberschenkel und in das Schienbein gebohrt. Das neue Kreuzband aus Sehnengewebe wird dann in diesen Bohrkanälen stabil verankert. Dennoch muss das neue Kreuzband beziehungsweise das Sehnengewebe, in diesen Bohrkanälen einwachsen. In manchen Fällen kommt es dazu, dass die Bohrkanäle ausweiten und dann besteht die Gefahr, dass das ersetzte Kreuzband auslockert und dadurch das Knie wieder instabil wird.

2. Es wird eine Sehne verwendet, um das gerissene Kreuzband zu ersetzen. Das Sehnengewebe muss sich nach der Implantation erst in eine bandartige Struktur umwandeln. Dieser Prozess wird auch „Remodelling“ oder „Ligamentization“ („Bandwerdung“) bezeichnet. Während des Remodelling wird das zum Kreuzband-Ersatz verwendete Sehnengewebe langsam durchblutet, um dann ähnliche biomechanische Eigenschaften aufzuweisen, wie das eigene Kreuzband.

Man weiß jedoch nicht genau, wie lange es dauert, bis aus dem Sehnengewebe eine bandartige Struktur geworden ist, sodass es unklar ist, wann das Remodelling abgeschlossen ist. Zudem gibt es auch die Situation, dass das Sehnengewebe nicht durchblutet wird und sich auflösen kann. Die Folge ist ein instabiles Knie, als ob der Patient nie operiert worden wäre.

Mit Stoßwellen behandeln

Mithilfe der Stoßwellen-Therapie ist es seit Jahren möglich, orthopädische Probleme, wie Fersensporn, Kalkschulter oder Achillessehnen-Beschwerden zu behandeln. Auch in der ästhetischen Medizin werden Stoßwellen verwendet, um zum Beispiel Cellulite zu behandeln.

Durch Stoßwellen werden Regenerationsprozesse im Gewebe angeregt und die lokale Gewebedurchblutung wird deutlich verbessert. Das Prinzip ist denkbar einfach: Mit einem Schallkopf (Applikator) werden die Stoßwellen auf das Gewebe abgegeben wobei unterschiedliche Intensitäten für die einzelnen Indikationen eingestellt werden können. Sollen eher oberflächliche Beschwerden behandelt werden, kann die radiäre Stoßwelle eingesetzt werden, sitzen die Beschwerden in tieferen Gewebeschichten, wird mit fokussierten Stoßwellen behandelt.

Positive Wirkung

Bisher war über den Effekt der Stoßwellen-Behandlung nach Kreuzband-Operation sehr wenig bekannt.

Lediglich eine Studie von Wang et al. zeigte, dass sich eine Stoßwellen-Behandlung nach einer Kreuzband-Operation positiv auf das Ausmaß der unerwünschten Bohrkanal-Ausweitung auswirkt.

Im Rahmen einer Studie konnten Weninger und sein Team nun nachweisen, dass eine Stoßwellen-Behandlung nach einer Kreuzband-Operation einen massiven Benefit hat.

Es wurden insgesamt 51 Patienten eingeschlossen, die im Rahmen ihrer sportlichen Aktivität einen Riss des vorderen Kreuzbandes erlitten hatten.

Stoßwellen-Therapie untersucht

Alle diese Patienten wurden vom selben Operateur operiert, erhielten exakt die gleiche Physiotherapie und hatten sonst keine Zusatzverletzungen.

Basierend auf den Erkenntnissen der Studie von Wang et al. wurde allen Patienten nach der Operation eine Stoßwellen-Behandlung angeboten. Einige Patienten nahmen dieses Angebot an, andere nicht. Damit ergaben sich zwei Gruppen:

1. Stoßwellen-Gruppe

2. Kontrollgruppe

Alle Patienten wurden nach bestimmten Zeiträumen standardisiert nachuntersucht und es wurde unter anderem der Zeitpunkt des „Back to Sports“ bestimmt.

Back to Sports“ bedeutet definitionsgemäß, dass der Athlet nach der Operation wieder uneingeschränkt jener sportlichen Aktivität nachkommen kann, die er vor der Verletzung ausgeübt hat.

Es wurden weiter alle drei Monate spezielle Scores bestimmt, die über den Heilungsverlauf berichten. „Es hat sich gezeigt, dass Patienten, die nach der Operation zusätzlich eine Stoßwellen-Therapie erhielten, viel schneller wieder ihre gewohnten Sportarten ausüben konnten als Patienten, denen keine Stoßwellen verabreicht wurden,“ sagt Weninger.

Bessere Werte

Auch konnte festgestellt werden, dass die Stoßwellen-Patienten bereits drei Monate nach der Operation deutlich bessere Werte bei den Scores hatten als jene Patienten, die keine Stoßwellen-Behandlung erhielten. Was genau die Ursache für dieses Ergebnis ist, muss in einer weiteren Studie nun eruiert werden.

In diesem Folgeprojekt werden die neuen Kreuzbänder der Patienten mittels Magnetresonanz-Untersuchung nachuntersucht. Es soll damit untersucht werden, ob der Remodelling-Prozess eventuell durch den Einsatz von Stoßwellen verkürzt werden kann.

Gründe für Besserung

Für den Studienleiter Weninger, lassen sich drei mögliche Ansätze definieren, weshalb es den Patienten nach der Stoßwelle-Behandlung deutlich besser geht:

1. Schmerzreduktion: Manche Patienten haben nach der Operation Schmerzen im Bereich des sogenannten „Hoffa’schen Fettkörpers“, einem Fettgewebe unterhalb der Kniescheibe. Es könnte sein, dass die Stoßwellen-Behandlung allein durch eine Reduktion des postoperativen Schmerzes zu besseren Ergebnissen führt.

2. Bereits in der Studie von Wang et al. wurde darauf hingewiesen, dass die Stoßwellen-Behandlung einer Ausweitung der Bohrkanäle entgegenwirkt.

3. Es könnte sein, dass der Remodelling-Prozess durch die Stoßwellen-Behandlung beschleunigt wird. Somit wandelt sich das Sehnengewebe eventuell schneller in eine bandartige Struktur um.

In jedem Fall handelt es sich bei der Stoßwellen-Behandlung nach einer Kreuzband-Operation um eine einfache und sichere Methode, um die Behandlungsergebnisse hinsichtlich des „Back to Sports“ zu verbessern.

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