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Orthopädie 8. Juni 2015

Orthopädie: Infektionen bleiben zentrale Herausforderung

Infektionen gehören zu den häufigsten Ursachen für das Abstoßen orthopädischer Prothesen. Angefacht wird das Problem durch Mehrfachresistenzen der Auslöserkeime.

Postoperative Infektionen bleiben in der Orthopädie und Unfallchirurgie eine große Herausforderung. Beim 16. EFORT-Kongress berieten mehr als 7.000 Experten, wie die Prävention und Therapie dieser gefürchteten Komplikation optimiert werden kann, darunter fallen etwa beschichtete Prothesen.

Infektionen wurden als Schwerpunktthema des 16. EFORT-Kongresses in Prag gewählt. „Sie sind ein sehr ernst zu nehmendes Problem, das wirklich jeden Orthopäden oder Unfallchirurgen betrifft“, sagte Dr. Stephen Cannon, Präsident der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT). Besonders anfällig für Infektionen sind in der Orthopädie nicht zuletzt jene Eingriffe, bei denen ein Implantat in den Körper eingesetzt wird – also zum Beispiel Hüft-, Kniegelenks- oder Schultergelenk-Endoprothesen. Und diese nehmen, schon wegen der demografischen Entwicklung, rasant zu. So ist in Dänemark zwischen den Jahren 2000 und 2012 die Zahl der eingesetzten Hüftgelenk-Prothesen pro 100.000 Einwohner um 40 Prozent gestiegen, die Zahl der Kniegelenk-Prothesen hat sich sogar verdreifacht. Im selben Zeitraum stieg die Rate der Kniegelenk-Ersatzoperationen um 80 Prozent an.

Mehr Gelenkersatz-OPs, mehr resistente Keime

Die steigende Zahl von Gelenkersatz-Eingriffen hat naturgemäß Konsequenzen für die Infektionshäufigkeit, mit einem Anstieg der Infektionszahlen ist zu rechnen. Bei Hüft- oder Knieprothesen-Eingriffen variieren etwa in Großbritannien, abhängig von zahlreichen Faktoren, die Infektionsraten zwischen 0,2 und vier Prozent. Cannon: „Könnten wir im gesamten System die niedrigste Infektionsrate erreichen, würde das zu jährlichen Einsparungen von 250 bis 370 Millionen Euro führen. Allein diese Daten zeigen schon die Dringlichkeit des Themas.“

Im europäischen Durchschnitt, so zeigt eine Analyse des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC), treten Infektionen bei 0,7 Prozent der Knieprothesen-Operationen und bei einem Prozent der Hüftprothesen-OPs auf. Sie gehören zu den häufigsten Ursachen für das Abstoßen der Prothesen, bei Hüftprothesen-Implantationen enden sie laut ECDC-Bericht sogar in einem von 200 Fällen tödlich. Insgesamt gehören postoperative Infektionen (surgical site infections, SSI) zu den häufigsten Krankenhausinfektionen überhaupt.

Neuen Antibiotika-Kombinationen gegen Resistenzen

Ein weiteres Problem, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind die antibiotischen Mehrfachresistenzen bei den Bakterien, welche die postoperativen Infektionen auslösen. „Die Antibiotikaresistenz ist zu einem zentralen Problem in der Behandlung aller Kategorien von Knochen- und Gelenkinfektionen geworden“, betont EFORT-Präsident Cannon in Prag. Surveillance-Programme wie etwa jenes des Deutschen Robert Koch Instituts zeigen, dass neben der zunehmenden Ausbreitung grampositiver nosokomialer Infektionserreger wie Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) in den letzten Jahren auch eine Zunahme der Resistenzen bei gramnegativen Stäbchen-Bakterien zu beobachten ist. „Wir müssen unsere antimikrobiellen Strategien angesichts solcher Entwicklungen ändern“, so Dr. Cannon.

Innovative Beschichtungen verhindern Besiedelung

Immer mehr Daten gibt es mittlerweile über den Nutzen von innovativen antibakteriellen Beschichtungen („Coatings“) auf Implantaten, die eine mikrobielle Besiedelung verhindern sollen. Dabei werden nicht nur antibiotische Beschichtungen eingesetzt, zahlreiche Materialien sind in Erprobung oder konnten sich bereits beweisen, wie viele in Prag präsentierte Studien offenbaren. Beispielsweise erweisen sich Silber-Nanopartikel, verschiedene antimikrobielle Peptide oder Nanodiamanten als wirksam gegen die Implantat-Keime. Allerdings sind die neuen beschichteten Implantate teuer, und für einige europäische Gesundheitssysteme kann das zu einem Problem werden.

„Problembewusstsein in Bezug auf Infektionen, gesichertes Wissen über die Prophylaxe und der Einsatz von Diagnostik und Therapie auf dem aktuellen Stand des Wissens sind zentrale Aufgaben“, sagte Cannon. „Das Ziel dieses EFORT Kongresses ist es, unsere Ergebnisse in der Prävention und Behandlung dieser gefürchteten Komplikation zu verbessern und die Krankheitslast für unsere Patienten, Krankenhäuser, unser Gesundheitssystem und nicht zuletzt für uns selbst zu verringern.“

Quelle: Aussendung B&K Kommunikationsberatung

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