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Orthopädie 3. November 2014

Entscheidung zur OP individuell treffen

Ob bei Arthrose eine Operation notwendig ist, sollten Ärzte nicht ausschließlich von Zahlen und Fakten abhängig machen.

Der Verschleiß des Hüft- und Kniegelenks zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Wann eine Operation notwendig ist, wurde beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin diskutiert.

Fehlstellungen und Verletzungen sind häufig Ursache für spätere Arthrosen. Nicht immer ist eine Operation Mittel der Wahl. Insbesondere prophylaktische Operationen stehen in der Kritik, nutzlos zu sein. In einigen Fällen belegen Studien deren Vorteil jedoch eindeutig. „Das trifft etwa für angeborene Fehlstellungen des Hüftgelenks zu“, so Prof. Dr. Hanns-Peter Scharf, Direktor der Orthopädischen Klinik in Mannheim. Auch bei schweren Achsabweichungen rät Scharf zur Operation, um Gelenkabnutzung und Folgeschäden zu verhindern.

Schwieriger hingegen sei die Entscheidung bei der Wiederherstellung des Kreuzbands nach einer Verletzung. Ist es gerissen, kann das zu Gelenkverschleiß führen. „Neuere Studien zeigen jedoch, dass auch der operative Ersatz des verletzten Kreuzbandes die Arthrose des Kniegelenkes nicht sicher verhindert“, so Scharf.

Auch die Gelenkspiegelung an Schulter, Hüfte oder Knie, bei der die Gelenkoberfläche geglättet oder die Knorpelbildung angeregt wird, sei häufig nicht notwendig: „Die alleinige Diagnose einer Arthrose reicht nicht aus, um eine Arthroskopie durchzuführen“, betont Dr. Johannes Flechtenmacher, Karlsruhe. „Ist hingegen das Gelenk blockiert, etwa durch einen instabilen Meniskusriss oder freiliegende Gelenke, hilft der operative Eingriff dem Patienten.“

Hohen Gewinn an Lebensqualität verspricht auch der Gelenkersatz bei fortgeschrittener Arthrose. „Die meisten Patienten profitieren von dieser erfolgreichen und sehr sicheren Methode“, sagt Prof. Dr. Henning Windhagen, Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Denn die Endoprothese ermöglicht den Betroffenen, sich wieder schmerzfrei zu bewegen, auch im Alter aktiv am Leben teilzunehmen und sich sportlich zu betätigen.

Die Kritik, dass der künstliche Gelenkersatz zu häufig durchgeführt werde, widerlegen aktuelle Zahlen des Atlas der muskoskeletalen Versorgung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. „Danach sinkt die Zahl der Hüftendoprothesen um drei Prozent, während im gleichen Zeitraum der Anteil der über 65-Jährigen um mehr als vier Prozent gestiegen ist“, so Windhagen. Ein Trend zur weiteren Steigerung sei bei der Hüftprothesenversorgung – zumindest in Deutschland – nicht abzusehen.

Ob eine Operation notwendig ist, sollte keinesfalls nur von Zahlen und Fakten abhängig gemacht werden. Wichtig sei auch die Einschätzung des Patienten: Gemeinsam sollte man Vor- und Nachteile abwägen: Welche Behandlung passt zum Lebensstil und würde die Lebensqualität verbessern?

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