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Orthopädie 17. Oktober 2014

Angeborene Hüftdysplasie sicher erkennen

Schon vier Kriterien können für die klinische Diagnose nützlich sein.

Derzeit existieren mehr als 20 Kriterien, die das Vorliegen einer Hüftdysplasie bei Säuglingen nahelegen. Anhand von Fallvignetten wurden nun die vier wichtigsten herausgefiltert. Mit ihnen lässt sich eine Hüftdysplasie ähnlich treffsicher vorhersagen wie mit der Erfahrung eines Kinderorthopäden.

Ultraschalluntersuchungen sind vor allem in den ersten acht Lebenswochen keine verlässliche Methode zur Diagnose einer kongenitalen Hüftdysplasie: Die Grenzwerte sind umstritten, und mancher Befund bildet sich später spontan zurück bzw. verursacht niemals Beschwerden. Umso wichtiger ist die klinische Beurteilung der Säuglingshüften.

23 Kriterien geprüft

Die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Orthopädie (EPOS) hat 23 Kriterien zusammengetragen, die bei Kindern unter neun Wochen mit einem erhöhten Risiko für die Fehlbildung verbunden sind. Bisher gab es allerdings keine Wichtung dieser Diagnosekriterien. Kinderorthopäden des Londoner University College haben sich deswegen die 23 Merkmale nochmals angesehen und davon letztlich die vier aussagekräftigsten extrahiert. Diese sind positives Ortolani-Zeichen oder Barlow-Zeichen, Abspreizhemmung, familiäre Vorbelastung und die Beinlängendifferenz.

Die britischen Ärzte hatten zunächst die 23 klinischen Kriterien auf sieben eingedampft, indem sie Parameter mit geringerem Konsensusgrad ausschlossen und Kriterien mit Überschneidungen wie etwa Ortolani- und Barlow-Zeichen in eines zusammenfassten. Für jede der 128 möglichen Kombinationen dieser sieben Merkmale wurde dann eine Fallvignette erstellt. Jeweils 52 zufällig ausgewählte Fälle wurden 26 EPOS-Mitgliedern zur Beurteilung – Hüftdysplasie ja oder nein – vorgelegt. Anhand der Expertenentscheidungen berechneten die Studienautoren dann, welche Faktoren für die Diagnose einer Hüftdysplasie ausschlaggebend waren.

Mit vier Parametern auf Expertenniveau

Nur vier der sieben Parameter erwiesen sich dabei als statistisch signifikant. An erster Stelle stand ein positives Ortolani- oder Barlow-Zeichen (Beta-Wert 3,26). Weitere Prädiktoren waren eine Asymmetrie in der Abduktion von ≥ 20° und eine Abduktion in einer oder beiden Hüften ≤ 45° (Beta-Wert 1,48), eine Hüftdysplasie bei einem Verwandten ersten Grades (Beta-Wert 1,39) sowie eine Beinlängendifferenz (Beta-Wert 0,74). Ohne Einfluss auf die Expertendiagnose einer Dysplasie waren dagegen Schiefhals, Klumpfuß und Steißlage. Wurden die Regressionskoeffizienten herangezogen, um in Fallvignetten die Wahrscheinlichkeit einer Hüftdysplasie zu berechnen, deckte sich das Ergebnis gut mit den Wahrscheinlichkeiten, die ihnen von Experten beigemessen wurden.

Nichtexperten könnten mit den vier gewichteten Kriterien die Wahrscheinlichkeit einer kongenitalen Hüftdysplasie fast so gut bewerten wie klinische Experten, schreiben die Studienautoren um Andreas Roposch. Diese vier Merkmale sollten daher als „Hauptindikatoren für bildgebende Untersuchung und orthopädische Abklärung“ gesehen werden. Bereits beim Vorliegen nur eines dieser Kriterien, so ihr Rat, sollte eine weiterführende Diagnostik veranlasst werden.

 

Originalpublikation: Roposch, A. et al Weighted Diagnostic Criteria for Developmental Dysplasia of the Hip. JPEDS 2014; online 17. September 2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 43/2014

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