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© Thomas Demarczyk/iStock/Thinkstock
 
Orthopädie 23. Juni 2014

„Eine Meniskus-OP bringt letztlich ja eh nichts“

Mythen bei Knieverletzungen: Zehn Patientenaussagen und die richtigen Argumente dagegen.

Passend zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien veröffentlichte die Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie die zehn häufigsten Irrtümer bei Knieverletzungen und -schmerzen, darunter finden sich auch Dino-Mythen, die einfach nicht aussterben wollen.

„Wenn ich nach dem Sport Knieschmerzen habe, schmiere ich eine schmerzlindernde Salbe hinauf, das muss genügen.“

Bei leichten vorübergehenden Beschwerden können lokale Salbenanwendungen und Kühlung des betroffenen Gelenkes helfen. Wenn die Beschwerden jedoch anhalten oder beim Sport regelmäßig wieder auftreten, sollte eine Abklärung durch einen Spezialisten erfolgen. Dazu gehört eine Schilderung des Beschwerdebildes, eine klinische Untersuchung und auf jeden Fall auch eine bildgebende Abklärung mit Röntgen und eventuell MRT.

„Ich habe gelesen, Dehnen nach dem Sport soll gar nicht gut sein. Dann dehne ich jetzt lieber nicht mehr.“

Dehnungsübungen, Yoga usw. erhöhen die Elastizität des Gewebes und verringern die Gefahr von Überlastungsschäden der Muskulatur und der Sehnen. Chronische Schmerzsyndrome am Kniegelenk wie das Patellaspitzensyndrom können dadurch vermieden werden. Daher sollte ein Sportler unbedingt Dehnungsübungen in sein Programm miteinbeziehen und sich vor dem Sport entsprechend aufwärmen.

„Die Fußball-Stars sind oft schon sechs Monate oder früher nach einer Kreuzband-Operation wieder voll im Spieleinsatz. Das muss ich auch schaffen.“

Die Profi-Sportler arbeiten mit anderen Voraussetzungen, aber es gibt auch bei ihnen Heilungsfaktoren, die sich einfach nicht beschleunigen lassen. Was also den Muskelaufbau und die Wiedererlangung der Koordinationsfähigkeit nach einer OP angeht, sind Profisportler sicher im Vorteil - durch den körperlichen Zustand bereits vor dem Eingriff und die Möglichkeit zur intensivsten Nachbehandlung mit eigenen Physiotherapeuten und Reha-Trainern. Was allerdings die biologischen Faktoren, wie z.B. das Einheilen eines Kreuzbandtransplantates angeht, kann auch ein Profisportler einen Schreibtischtäter nicht überholen. Der Profi geht dann eventuell ein kalkuliertes Risiko ein, wenn er sehr früh wieder auf dem Platz steht.

„Ich habe gehört, dass ein gerissenes Kreuzband immer operiert werden muss.“

Ob eine Kreuzband-Operation notwendig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen von persönlichen sportlichen und beruflichen Ansprüchen, zum anderen von der subjektiven und objektiven Instabilität und auch der Vorschädigung des betroffenen Kniegelenkes. In den letzten Jahren haben Studien gezeigt, dass eine muskuläre Stabilisierung nach vorderem Kreuzbandriss nicht ausreichend möglich ist und eine Rotationsinstabilität des Kniegelenks verbleibt. Diese führt mittel- bis langfristig zu Sekundärschäden an den Menisken und am Knorpel des betroffenen Kniegelenks und damit zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß. Bereits sechs Monate nach vorderer Kreuzbandverletzung steigt dieses Risiko deutlich an. Deshalb wird vor allem Kindern und Jugendlichen sowie sportlich aktiven Erwachsenen eher zur Kreuzbandersatzoperation geraten. Die Altersgrenze nach oben muss hierbei individuell abgewogen werden. Auch ohne Kreuzband können kniegelenksschonende Sportarten wie Jogging und Radfahren meist problemlos durchgeführt werden. Ist der sportliche Anspruch jedoch höher, das heißt, wenn der Patient auch wieder sportlich aktiv Skifahren oder Fußball spielen will, so spricht das eher für eine Operation.

„Eine Meniskus-Operation möchte ich unbedingt vermeiden, da sie ja eh nichts bringt.“

Sicher ist es richtig, eine OP zu vermeiden, wenn sie nicht unbedingt notwendig ist. Einerseits spielen die eigenen Schmerzen und Einschränkungen im Alltag, aber auch im Sport eine Rolle bei der Entscheidung. Aber auch die vorhergehende Diagnostik, z.B. mit einer Kernspintomographie, ist entscheidend. Abgerissene und auch einklemmende Lappenanteile des Meniskus, die zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung führen, sollten, falls möglich, genäht oder sparsam entfernt werden. Andere Meniskusverletzungen können z.B. durch eine Naht oder auch ein Glätten der Oberfläche weitere Schäden verhindern und das so wichtige Meniskusgewebe besser erhalten als ohne Operation.

„Ich bin nach meiner Knie-OP wieder schmerzfrei und damit wieder voll belastungsfähig.“

Abwesenheit von Schmerz ist nicht das einzige Kriterium. Zusätzlich sollte das Knie wieder in vollem Umfang beweglich sein. Was aber noch wichtiger ist: erst nach Wiedererlangung der vollen muskulären Funktion mit einem guten Muskelaufbau des betroffenen Beines kann eine Rückkehr zur vollen sportlichen Belastung empfohlen werden. Durch gezielte physiotherapeutische Anleitung kann hier positiv Einfluss genommen werden.

„Je schneller ich mein Knie wieder normal belaste, desto beweglicher wird es wieder. Eine Gelenksteife wäre mein Albtraum.“

Prinzipiell ist ein rascher Beginn mit Physiotherapie nach einer Knieverletzung bzw. Operation immer von Vorteil. Entscheidend ist, dass krankengymnastische Übungsbehandlung schmerzfrei durchgeführt wird unter Beachtung einer vollen Kniegelenksstreckung und Kniescheibenmobilisierung. Dabei können viele Übungen nach entsprechender Anleitung vom Patienten selbstständig zu Hause durchgeführt werden. Eine Gangschulung nach längeren Entlastungszeiten fördert die zügige Wiedereingliederung in den normalen Lebensalltag. Es gibt jedoch Verletzungen, die unter Umständen eine längere Ruhigstellung oder Entlastung des betroffenen Gelenkes erfordern.

„Eine Knie-Arthroskopie kann nach neuesten Studienerkenntnissen meine Arthrose nicht verbessern, also unternehme ich lieber nichts.“

Zugegeben, es gibt Studien, die die Zweckmäßigkeit einer Arthroskopie bei Arthrose des Kniegelenkes infrage stellen. Man muss die Entscheidung ob eine Arthroskopie sinnvoll ist jedoch immer individuell treffen. So kann etwa eine arthroskopische Entfernung von freien Gelenkskörpern oder mechanisch instabilen gerissenen Meniskusanteilen die zu Gelenksblockaden führen, durchaus zu einer Beschwerdelinderung führen. Wichtig ist hier ein ausführliches Arzt-Patienten-Aufklärungsgespräch, in dem die Ziele einer Arthroskopie genau definiert werden.

„Viele prominente Sportler haben nach starken Schädigungen Gelenkprothesen. Vielleicht sollte ich das für mein kaputtes Knie auch überlegen.“

Ob ein künstliches Gelenk notwendig ist, sollte man als Patient immer mit seinem behandelnden Orthopäden oder Unfallchirurgen besprechen. Entscheidend sind hier der persönliche Leidensdruck, Dauerschmerzen, die nur durch kontinuierliche Einnahme von Schmerzmitteln beherrscht werden können sowie eine zunehmende Einschränkung der Mobilität und Gehstrecke. Tatsächlich ist dank moderner Operationsmethoden auch mit Gelenksprothese eine moderate Sportausübung in den meisten Fällen möglich. Wichtig sind hier eine korrekte Implantation des Kunstgelenks, eine gute postoperative Rehabilitation sowie das Körpergewicht des Patienten. Ab wann und wie viel Sport erlaubt ist, hängt natürlich auch von anderen Faktoren wie allgemeiner Fitnessgrad und Körperbau ab. Generell werden mit einem künstlichen Kniegelenk vorrangig gelenkschonende Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Wandern usw. empfohlen, um eine möglichst lange Haltbarkeit der Prothese zu gewährleisten.

„Mein Knie ist seit ein paar Tagen dick und schmerzt stark, ohne dass irgendwas passiert wäre. Gicht kann es ja nicht sein, die tritt doch nur an den Füßen auf.“

Eine Gichtarthritis kann prinzipiell jedes Gelenk des Körpers betreffen. Am häufigsten ist hierbei das Großzehengrundgelenk betroffen. Nicht selten manifestiert sich eine Gicht und somit eine akute Entzündung aber auch am Kniegelenk. Gerade Personen, bei denen bereits eine Erhöhung der Harnsäurewerte bekannt ist, sollten also bei plötzlich auftretenden Knieschmerzen auch an die Möglichkeit eines Gichtanfalles denken. Der behandelnde Arzt kann den Verdacht mithilfe moderner Diagnostik und Punktion des betroffenen Gelenkes dann unter Umständen bestätigen und eine gezielte Behandlung durchführen.

Quelle: Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA)

Die AGA ist Europas größte Fachgesellschaft für Arthroskopie. Sie wird gemeinsam von deutschen, österreichischen und Schweizer Ärzten geleitet.

www.aga-online.de

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