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Orthopädie 30. Juni 2005

Bedeutung der Knochendichte-Messung

Hüftfrakturen führen zu erheblicher Invalidität und sind mit einer hohen Rate von Todesfällen vorwiegend bei älteren Frauen assoziiert. Bis jetzt gibt es jedoch nur wenige Studien zu den Auswirkungen einer medikamentösen Behandlung auf das Hüftfrakturrisiko.

Beobachtungsstudien lassen darauf schließen, dass Östrogen unter Umständen das Risiko einer Hüftfraktur senken kann. Alendronat verringert das Hüftfrakturrisiko bei postmenopausalen Frauen mit geringer Knochenmasse am Oberschenkelhals oder mit vorangegangenen Wirbelkörperfrakturen, nicht jedoch bei Frauen ohne diese Risikofaktoren.

Kategorien skelettal oder nicht-skelettal

Risikofaktoren für eine Hüftfraktur lassen sich im Allgemeinen in die Kategorien skelettal - zum Beispiel geringe Knochendichte oder bereits vorhandene Fraktur - oder nicht-skelettal - zum Beispiel Alter, schlechter Gang oder Neigung zu Stürzen - einteilen. Die Wirkungen einer medikamentösen Therapie bei Frauen, die ausschließlich auf der Grundlage von anderen Risikofaktoren als einer geringen Knochendichte ermittelt wurden, konnten bisher nicht geklärt werden.

Risedronat, ein Pyridinyl-Biphosphonat, senkt das Risiko vertebraler und nicht-vertebraler Frakturen bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose. Nun wurde eine klinische Studie durchgeführt (M.R.McClung et al., N Engl J Med 2001; 344: 333-40), um die Wirkungen von Risedronat (Actonel®) auf das Hüftfrakturrisiko bei älteren Frauen mit Osteoporose oder mit anderen Hüftfraktur-Risikofaktoren als einer geringen Knochendichte zu beurteilen.

Insgesamt 9.331 Frauen in 183 Studienzentren

Insgesamt wurden 9.331 Frauen in 183 Studienzentren in Nordamerika, Europa, Neuseeland und Australien in die Studie eingeschlossen: 5.445 Frauen mit Osteoporose im Alter zwischen 70 und 79 Jahren und 3.886 Frauen im Alter von 80 Jahren und älter, die mindestens einen nicht-skelettalen Hüftfraktur-Risikofaktor oder eine geringe Knochendichte im Oberschenkelhals aufwiesen. Die Frauen wurden in Behandlungsgruppen randomisiert und erhielten drei Jahre lang entweder orales Risedronat (2,5 mg oder 5,0 mg täglich) oder Placebo.

Die Tabletten sollten mit einem Glas Wasser auf nüchternen Magen 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück eingenommen werden und die Patientinnen durften sich in den darauffolgenden 60 Minuten nicht hinlegen. Darüber hinaus wurden die Frauen mit Kalziumkarbonat - 1.000mg elementares Kalzium täglich - supplementiert. Vitamin D (500 IE täglich) wurde verabreicht, wenn der 25-Hydroxyvitamin D-Serumspiegel zum Zeitpunkt des Screenings unter 16ng/ml lag. Primäres Zielkriterium war das Auftreten einer Hüftfraktur. Insgesamt betrug die Hüftfraktur-Inzidenz bei allen Frauen mit Risedronat-Therapie 2,8 Prozent im Vergleich zu 3,9 Prozent bei den Frauen, die Placebo erhielten.

Gute Verträglichkeit

In der Gruppe der Frauen mit Osteoporose (70-79 Jahre alt) lag die Hüftfraktur-Inzidenz in der Risedronat-Gruppe bei 1,9 Prozent im Vergleich zu 3,2 Prozent in der Placebo-Gruppe. Bei jenen Frauen, die hauptsächlich nicht- skelettale Risikofaktoren aufwiesen (80 Jahre und älter), betrug die Hüftfraktur-Inzidzenz 4,2 Prozent in der Verum-Gruppe und 5,1 Prozent in der Placebo-Gruppe. In dieser großen Studie verhinderte Risedronat eindeutig Hüftfrakturen bei den Frauen mit bestätigter Osteoporose - angezeigt durch eine geringe Knochendichte am Oberschenkelhals. Frauen jedoch, die ungeachtet ihrer klinischen Risikofaktoren für eine Hüftfraktur nicht notwendigerweise an Osteoporose litten, profitierten nicht in diesem Ausmaß von Risedronat.

Die Behandlung wurde in dieser Studie gut vertragen. Insgesamt waren die Inzidenz und die Art der unerwünschten Ereignisse mit denen unter Placebo beobachteten Werten vergleichbar - selbst bei Frauen im Alter von über 80 Jahren und darüber.

Die Ergebnisse dieser Studie belegen die Bedeutung von Knochendichte-Messungen bei der Ermittlung von Frauen, für die eine medikamentöse Therapie zur Verhinderung einer Hüftfraktur geeignet ist.

Frauen mit am weitesten fortgeschrittener Erkrankung - belegt durch geringe Knochendichte am Oberschenkelhals und vorangegangenen Wirbelkörperfrakturen - können am meisten von einer Risedronatbehandlung profitieren.

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 25/2001

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