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Orthopädie 30. Juni 2005

Auch eine Frage der Architektur

"Osteoporose ist nicht nur unterdiagnostiziert, sondern auch unterbehandelt", erinnerte Prof. Dr. Cyrus Cooper vom Southampton General Hospital, an die bekannten Daten. Anlass war der Kongress der "International Osteoporosis Foundation" (IOF), der Mitte Mai in Lissabon stattfand. 200 Millionen Frauen weltweit sind von Knochenschwund betroffen, jede zweite Frau über 50 erleidet eine Osteoporose-assoziierte Fraktur. 
Auch für die Länder der EU sind die Zahlen bekannt: Jede dritte Frau und jeder achte Mann erleidet eine osteoporotische Fraktur. Anders ausgedrückt: Alle 30 Sekunden ist ein EU-Bürger von einer osteoporotischen Fraktur betroffen. Jede 5. postmenopausale Frau mit einer Wirbelkörperfraktur hat innerhalb eines Jahres eine neuerliche Wirbelfraktur und außerdem ein dreifach erhöhtes Risiko für eine Hüftfraktur. Die Folgen sind bekannt: "Wirbelkörperfrakturen beeinträchtigen die Lebensqualität durch ständige Schmerzen, Oberschenkelhalsfrakturen sind mit einem Mortalitäts- und Morbiditätsanstieg assoziiert", so Cooper.

Der Knochen ist ein hochkomplexes Organ. Die Knochendichtemessung allein wird der Einschätzung der Osteoporose nicht ganz gerecht. Prof. Dr. Dieter Felsenberg, Radiologe an der Freien Universität Berlin: "Die Bestimmung der Knochendichte lässt zwar auf den Mineralgehalt des Knochens rückschließen, liefert aber keinerlei Informationen über die Qualität und Mikroarchitektur des Knochens." Bei der Osteoporose kommt es neben dem Verlust an Knochenmasse auch zum Abbau der horizontalen "Gerüst"-Teile. Die Mikroarchitektur des Knochens ist also ein Schlüsselfaktor für die Knochenfestigkeit über die Knochendichte hinaus. "Gesunder Knochen hat kräftige, untereinander verbundene Trabekel, beim osteoporotischen Knochen sind die Trabekel dünner, und, was noch wichtiger ist, nicht mehr so gut verbunden", so Felsenberg. Die 3D-Mikro-Computertomografie liefere eine quantitative und qualitative Analyse auch der horizontalen Trabekelstrukturen, mache also auch die Mikroarchitektur des Knochens sichtbar.

Die Erkenntnisse zur Mikroarchitektur des Knochens haben auch therapeutische Konsequenzen. Die Zunahme der Knochendichte durch eine Therapie ist nur zum Teil verantwortlich für die Verminderung des Frakturrisikos. Von großer Bedeutung ist offenbar auch die positive Beeinflussung der Mikroarchitektur des Knochens, wie dies etwa für das Bisphosphonat Risedronat gezeigt werden konnte. 
"Aus Studien wissen wir, dass Risedronat die trabekuläre Struktur des Knochens von Frauen in der frühen Menopause vor dem rapiden Abbau schützt. Diese Effekte auf die Mikroarchitektur stimmen auch mit klinischen Beobachtungen überein, dass das Risiko von Wirbelfrakturen bei postmenopausalen Frauen mit etablierter Osteoporose schon nach 6 Monaten Behandlungsdauer abnimmt", erklärte Prof. Dr. Steven Boonen, Universitätsklinik Leuwen, Niederlande. Risedronat ist das einzige Bisphosphonat, für das eine Reduktion der Frakturhäufigkeit in so kurzer Zeit nachgewiesen werden konnte. 
Die genauen Mechanismen der Wirkung von Risedronat auf die Trabekel sind nicht restlos geklärt und Gegenstand intensiver Forschung. "Knochenabbau kann ein sehr rasch verlaufender Prozess sein, eine schnell wirksame Therapie ist also wichtig", betonte Boonen. "Mittels neuer Technologien wie der 3D-Mikrocomputertomografie kann deutlich gezeigt werden, dass die Erhaltung der Mikroarchitektur des Knochens durch Risedronat eine plausible Erklärung für die rasche Wirksamkeit dieser Substanz ist", fasste Boonen abschließend zusammen. 

Quelle: Pressegespräch im Rahmen des Internationalen Osteoporose-Kongresses in Lissabon.

Dr. Irene Lachawitz, Ärzte Woche 22/2002

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