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Orthopädie 30. Juni 2005

Osteoporose: Unterschätzte Volkskrankheit

"Eine generalisierte Erkrankung des Skeletts, die durch eine niedrige Knochendichte und Zerstörung der Mikroarchitektur des Knochens gekennzeichnet ist und ein erhöhtes Frakturrisiko zur Folge hat", mit dieser Osteoporosedefinition leitete Prof. Dr. Georg Leb von der Univ.-Klinik Graz seinen Vortrag zum aktuellen Stand der Osteoporosediagnostik und Prävention ein.

Frakturinzidenz steigt

"Ab dem 50. Lebensjahr ist ein steiler Anstieg der osteoporosebedingten Frakturinzidenz zu verzeichnen, besonders häufig sind die, vom Patienten oft unbemerkten, Wirbelkörperfrakturen. Bei den 15-20 Jahre älteren Menschen stehen die Radius- und Schenkelhalsfraktur im Vordergrund", so Leb weiter, "und die Schenkelhalsfraktur ist besonders im höheren Lebensalter mit einer hohen Mortalität behaftet.

Rezenten Daten zufolge erlitten im letzten Jahr EU-weit 414.000 Menschen eine Hüftfraktur, zu erwarten ist eine Verdoppelung der osteoporosebedingten Frakturen bis 2050. Die stationäre Versorgung einer SH-Fraktur beläuft sich auf rund ATS 170.000, in Österreich werden pro Jahr etwa 11.000 Patienten mit dieser Diagnose versorgt (ATS 1,9 Milliarden). Die zusätzlich anfallenden Kosten der Rehabilitation oder auch poststationären Betreuung führen zu einer Verdreifachung des Betrages.

Das Lebenszeit-Fraktur-Risiko mit 50 Jahren (also das Risiko eines/r 50-Jährigen, im weiteren Leben eine osteoporosebedingte Fraktur zu erleiden) beträgt für Frauen 40 Prozent, für Männer 13 Prozent. Allerdings, betont Leb, ist die Gesamtmortalität bei Männern doppelt so hoch wie bei Frauen, und 50 Prozent der männlichen Patienten müssen in weiterer Folge institutionalisiert werden. Eine kollektive Prävention in der Allgemeinbevölkerung ist nicht sinnvoll und vor allem nicht finanzierbar, die selektive Prävention bei Risiko- personen jedoch unbedingt durchzuführen. Hier kommt besonders dem niedergelassenen Allgemeinmediziner die wichtige Funktion zu, Risikopersonen möglichst früh zu erkennen und auch zu therapieren.

Anamnese und Diagnose

In der Anamnese ist besonders auf Ernährungsgewohnheiten, sportliche Aktivität zu achten und die Erhebung von Risikofaktoren durchzuführen. Die vom Patienten angegebene Symptomatik, ergänzt durch die klinische Untersuchung, ist oft schon wegweisend.

Für die Diagnostik ist die konventionelle Radiologie ungeeignet, zur Differentialdiagnose und Ausschluss anderer Erkrankungen jedoch notwendig. Unerlässlich bei Risikopatienten ist die Osteodensitometrie, wobei die DXA (Zwei-Spektren-Absorptiometrie) der LWS und Hüfte vorgenommen wird. 

Indikationen für eine Densitometrie:

  • 50-jährige Frauen mit einem Risikofaktor für Osteoporse
  • 65-jährige Frauen (ohne zusätzlichem Risikofaktor)
  • 65-jährige Männer mit einem Risikofaktor
  • Generell bei Erkrankungen mit erhöhtem generalisierten Knochenverlust ( PCP, Hypogonadismus, Mb.Cushing)
  • Medikamentöse Langzeittherapie mit entsprechenden Nebenwirkungen
  • Bei radiologischem Verdacht
  • Nach erfolgter Fraktur (nach erfolgter WK-Fraktur erhöht sich das Risiko für weitere Frakturen auf das Fünffache)

Für die Diagnose einer sekundären Osteoporose ist die Elektrolyt- und Hormonbestimmung von wesentlicher Bedeutung, die Labordiagnostik eignet sich auch hervorragend für die Verlaufskontrolle unter Therapie.
"Aus der großen Vielfalt der Therapieschemata muss für den jeweils Betroffenen die optimale Versorgung und Aufklärung erfolgen", so Prof. René Rizzoli, M.D., Genf, Vorsitzender der International Osteoporosis Foundation.

Das Krankheitsbewusstsein muss sowohl beim Arzt als auch beim Patienten gefördert werden, und es wird auch gesundheitspolitische Aufgabe sein, ähnlich breit angelegte Informationsverbreitung zu betreiben, wie dies zum Beispiel sehr zielführend mit der "Aktion Cholesterin 2000" erfolgte.
Sowohl das Screening und "case finding" ist weiterhin die unverzichtbare Aufgabe und Leistung des Praktischen Arztes, als auch die Therapie. Studienmäßig belegt ist die Senkung der Frakturrate durch Therapie mit Alendronate (Fosamax®) in einer Tagesdosis mit zehn Milligramm pro Tag.

Quelle: "Osteoporose - eine gesellschaftliche Herausforderung? wissenschaftliche Veranstaltung im Rahmen des Weltosteoporosetages, 20. Oktober 2001, Ronacher, Wien

Krankheit mit Konsequenzen:
  • Die Morbidität ist steigend
  • Die sozialen Konsequenzen beträchtlich
  • Deutliche Einbußen der Lebensqualität
  • Das Gesundheitssystem mit enorm hohen Kosten belastend
Zielgruppen für Behandlung:
  • Niedriger BMD (- 2,5 T Score)
  • Anamnestisch Fraktur nach dem 40. Lebensjahr
  • Hüft- oder Wirbelkörperfraktur in der Familienanamnese
  • Personen mit niedrigem Körpergewicht

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