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Orthopädie 30. Juni 2005

Sturzrisiken mit einfachen Tests erkennen

Mit drei einfachen Tests lässt sich die Sturzneigung bei alten Menschen mit niedriger Knochendichte in der Praxis schnell abschätzen.

Die Kombination von Osteoporose und Sturzneigung erhöht bei Frauen im Alter über 75 Jahren die Gefahr einer Femurfraktur besonders stark, wie Prof. Ludger Pientka, Direktor der Medizinisch-Geriatrischen Klinik an der Universitätsklinik in Bochum, berichtet hat. Bewegungs- und Koordinationsdefizite als Basis der Sturzgefährdung lassen sich dabei in der Praxis durch drei einfache und kurze Tests binnen Minuten verlässlich erkennen, sagte Pientka bei einem Symposium in Berlin. Beim „up and go“-Test werden die Sekunden gemessen, die ein Patient benötigt, um aus einem Stuhl mit Lehne aufzustehen, drei Meter zu gehen, umzudrehen und sich wieder hinzusetzen. Werte über 22 Sekunden gelten als pathologisch.
Beim „Aufsteh-Test“ sollten Patienten in der Lage sein, binnen etwa zehn bis 30 Sekunden fünf Mal hintereinander von einem Stuhl ohne Hilfe der Arme aufzustehen. Beim „Tandem-Stand“ wird der beste von drei Versuchen bewertet, mit den Füßen auf einer Linie zehn Sekunden ohne Abweichung oder Hilfestellung stehen zu bleiben beziehungsweise acht Schritte auf einer Linie mit maximal einer Fingerbreite Fußabstand zu gehen. Durch die Reduktion der Sturzneigung, etwa mit Sport oder Therapie eines Schindels, lässt sich das Frakturrisiko senken. Deutlich verringern lässt sich die Rate der Frakturen aber auch durch eine effektive Medikation, etwa mit dem Bisphosphonat Alendronat. Daran hat Prof. DDr. Walter Schunack, Institut für Pharmazie und medizinische Chemie, Freie Universität Berlin, erinnert. Nach den Ergebnissen der FIT-Studie (Fracture Intervention Trial) war hierunter bei Frauen nach der Menopause mit Osteoporose das Risiko einer Schenkelhalsfraktur um über 50 Prozent im Vergleich zu Placebo reduziert.
Signifikant wurde dieser Schutzeffekt bereits nach einer Behandlungsdauer von 18 Monaten. Nach einer pharmakoökonomischen Analyse, die sich auf unsere Verhältnisse übertragen lasse, sei eine medikamentöse Frakturprävention selbst unter ausschließlicher Berücksichtigung direkter Kosten auch kosteneffektiv, so Schunack.

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