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© Uwe Günther / fotolia.com
Nach einer Ruptur der Rotatorenmanschette ist die seitliche Abduktion des Arms oft deutlich eingeschränkt.
 
Orthopädie 21. Februar 2014

Ein Manschettenriss kommt selten allein

Patienten, die wegen einer Läsion der Rotatorenmanschette behandelt worden sind, haben ein signifikant erhöhtes Risiko, auf der kontralateralen Seite ebenfalls eine Ruptur zu entwickeln.

Risse der Rotatorenmanschette einer Schulter sind ein Risikofaktor für Risse auf der gegenüberliegenden Seite. Ein Screening Betroffener scheint nützlich, weil selbst nicht schmerzende Läsionen die Alltagsaktivitäten einschränken können.

Rupturen der Rotatorenmanschette sind keine Seltenheit, in der einschlägigen Literatur kursieren abhängig vom Lebensalter Prävalenzzahlen von bis zu 40 Prozent.

Ein Orthopädenteam um Dennis Liem von der Universitätsklinik Münster hat nun die Frage untersucht, wie häufig Patienten, die wegen symptomatischer, inkompletter oder kompletter Manschettenrisse an einer Schulter laparoskopisch operiert werden müssen, Rupturen an der kontralateralen Schulter aufweisen. Den Ergebnissen zufolge sind bei zwei von drei behandelten Patienten auch Einrisse der Rotatorenmanschette an der anderen Schulter festzustellen.

Supraspinatus häufig betroffen

Die Mediziner aus Münster hatten 55 an der Schulter operierten Patienten ebenso viele Kontrollpersonen gegenübergestellt. Die sonografisch verifizierte Quote kontralateraler Rupturen der Supraspinatus-Sehne in der Patientengruppe betrug 67,3 Prozent, in der Kontrollgruppe an der entsprechenden Schulter elf Prozent (p < 0,0001).

Im Constant–Score zur Beurteilung der Schulterfunktion zeigten sich in wichtigen Parametern allerdings kaum Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Gesamtpunktezahl erreichte bei den Patienten im Mittel 85,6 und bei den Kontrollen 88,6 von bestenfalls 100 Punkten. Der Schmerzscore lag bei 13,2 bzw. 14,8, wobei 15 hier gleichbedeutend mit Schmerzfreiheit ist.

Etwas anders sahen die Ergebnisse bei der Constant-Score-Rubrik „Alltagsaktivitäten“ aus. Von optimalen 20 Punkten erreichten die operierten Probanden im Schnitt 18,4, die nicht operierten Kontrollpersonen 19,9. Der Unterschied von 1,5 Punkten war statistisch signifikant (p = 0,012). Wie bedeutsam diese Differenz in klinischer Hinsicht ist, muss freilich dahingestellt bleiben.

Risikokandidaten screenen

„Patienten, die wegen eines partiellen oder kompletten Risses der Rotatorenmanschette behandelt worden sind, haben ein signifikant erhöhtes Risiko, auf der kontralateralen Seite ebenfalls eine Ruptur zu entwickeln“, fassen Liem et al. zusammen. In den Alltagsaktivitäten weise die kontralaterale Schulterfunktion bei den Operierten außerdem merkliche Defizite auf. Zumindest in der Hochrisikogruppe der bereits an einer Schulter Behandelten sei ein regelmäßiges Screening daher als sinnvoll anzusehen.

 

Originalpublikation: Liem D et al. Am J Sports Med 2014; online 5. Februar

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 9/2014

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