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Implantation eines Kunstknies.
 
Orthopädie 14. Februar 2014

Knie-OP mit Gelenkersatz

120-Grad-Beuge soll Blutung verhindern.

Britische Forscher empfehlen, unmittelbar nach einem Kniegelenkersatz, das Bein für sechs Stunden in 120-Grad-Beugestellung zu fixieren. In ihrer Studie kam es durch diese Maßnahme zu deutlich weniger Blutverlusten.

Postoperative Blutverluste gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren einer Kniegelenkersatz-Operation. Ein Team aus dem nordirischen Belfast schlägt nun eine einfache und offenbar wirksame Methode vor, um die Blutungen zu reduzieren. Dabei handelt es sich um eine Einspannvorrichtung, mit der das Knie unmittelbar im Anschluss an die Op abgewinkelt fixiert wird. Das Verfahren wurde in einer regionalen orthopädischen Klinik in zwei randomisierten Studien getestet.

Für ihre erste Studie bildeten die Forscher um Dr. Richard J. Napier zwei Gruppen mit je 90 Patienten. Die einen erhielten postoperativ die Vorrichtung, die ihr Knie für sechs Stunden in einem 120-Grad-Winkel einspannte. Bei den anderen wurde das Bein nach dem Eingriff in passiver Streckstellung verbunden. Das Implantat war in beiden Gruppen identisch: ein zementfreies LCS®-Kniesystem mit mobilem Gleitlager. Alle Patienten wurden ab dem ersten Tag postoperativ bis zur vollen Belastung mobilisiert, entweder mit Gehgestell oder Krücken (Bone Joint J 2014; 96-B(2): 201-209).

Prä- und postoperativ hatten die Wissenschaftler Hämatokrit und Hämoglobinwerte gemessen. Daraus sowie aus den benötigten Bluttransfusionen ermittelten Napier und seine Kollegen den Blutverlust (nach der Methode von Nadler, Hidalgo und Bloch). Dieser war in der Interventionsgruppe deutlich niedriger: 1585 gegenüber 1842 Millilitern bei den Patienten mit gestrecktem Knie.

An Bluttransfusionen hatte man in der Beugegruppe signifikant weniger verbraucht (0,34 gegenüber 0,78 Units). Drei Tage postoperativ war zudem der Hämoglobinwert in deutlich geringerem Maße abgefallen (4,32 gegenüber 4,95 Gramm je Deziliter).

Cave: Blockade der Ischiasnerven

 

Wie die Forscher berichten, hatte das starke Abwinkeln über mehrere Stunden offenbar keine nennenswerten Auswirkungen auf langfristige Schmerzen oder Funktionalität: Ein Jahr postoperativ zeigten die funktionellen Knie-Scores (Oxford Knee Score, Bartlett Patellar Score) keine nennenswerten Unterschiede, ebenso wenig ein allgemeiner Gesundheits-Score (SF-12 General Health Questionnaire). Auch in den einzelnen Beuge- und Extensionswerten sowie bei den ROM-Werten (Range of Motion) wichen die Gruppen kaum voneinander ab.

Eine Einschränkung erwähnen die Autoren: So hatten sich vier Patienten die Einspannvorrichtung bereits nach vier Stunden wieder abnehmen lassen; sie war ihnen zu unangenehm. Diese Patienten waren allerdings nicht in die Auswertung gelangt.

Knapp zwei Jahre nach Abschluss der ersten unternahmen Napier und sein Team noch eine zweite Studie: Diese sollte das Abwinkeln über einen kürzeren Zeitraum testen. Eine Gruppe von 137 Patienten erhielt dazu die Vorrichtung (diese war nun modifiziert, sodass sie nicht mehr in die Kniekehle drückte) für drei Stunden, eine Vergleichsgruppe (n = 134) über sechs Stunden. Als Kontrolle diente auch hier eine Gruppe mit gestrecktem Knie (n = 140). Ergebnis: ein deutlich verringerter Blutverlust bei sechsstündigem Abwinkeln, und zwar in Bezug auf beide Vergleichsgruppen.

Auch in dieser Studie musste die Vorrichtung in Einzelfällen vorzeitig entfernt werden; dies betraf sechs Patienten in der Gruppe mit sechsstündiger Beugung, aber auch zwei Patienten mit kürzerer Beugedauer, die allesamt nicht für das Ergebnis berücksichtigt wurden. Um einen Effekt zu erzielen, ist es mit weniger als sechs Stunden Knieflexion offenbar nicht getan, resümieren die Autoren. Die Experten raten, die Patienten während dieser Zeit sorgfältig zu überwachen und die Vorrichtung bei Missempfindungen zu entfernen.

Wegen der Gefahr einer Nervenlähmung wird ausdrücklich von einer Blockade der Ischiasnerven abgeraten. Komplikationen wie Aufbrechen der Wunde oder Hautnekrosen beobachteten die Forscher bei ihren Patienten nicht.

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