zur Navigation zum Inhalt
© Robert Kneschke / fotolia.com
 
Orthopädie 10. Februar 2014

Training stärkt die Knochen

Richtiges Training gemeinsam mit medikamentöser Therapie reduziert das Sturz- und Frakturrisiko von Osteoporose-Patienten und trägt zum Erhalt der Lebensqualität bei.

Muskel und Knochen sind funktionell eng miteinander verknüpft. Während körperliche Inaktivität mit einem Verlust an Muskelmasse und Knochenmineraldichte einher geht, führt regelmäßiges komplexes Training zu einer Steigerung der Muskelmasse, Verbesserung der Knochenmineraldichte und der Knochengeometrie. Die Folgen davon sind reduziertes Sturz- und Frakturrisiko.

„Muskuläre Aktivität hat auch Einfluss auf den Knochenstoffwechsel“, so Prof. Dr. Katharina Kerschan-Schindl von der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinischen Universität Wien.

Diese Assoziation spiegelt sich in der Entstehung von Osteoblasten und Myoblasten, die beide der mesenchymalen Stammzelle entstammen, wieder. Diese Verbindung besteht während des gesamten Lebens. So führt Immobilisation sowohl zu negativen Effekten im Muskel- als auch Knochenstoffwechsel. „Zwischen dem 20. und dem 80. Lebensjahr reduzieren wir unsere körperlichen Aktivitäten um mehr als ein Drittel.

Das führt bei beiden Geschlechtern zu einer Reduktion der fettfreien Masse als Surrogatparameter für die Muskelmasse und – bei Frauen deutlich ausgeprägter – zu einer Reduktion des Knochenmineralgehalts“, schilderte Kerschan-Schindl. Damit steigt mit zunehmendem Alter das Risiko für Sarkopenie und damit Hand in Hand gehend für Osteoporose. Sarkopenische Frauen haben ein rund 13-fach erhöhtes Risiko für Osteoporose, ein im Vergleich zur Gesamtpopulation mehr als doppelt so hohes Sturzrisiko und knapp dreifaches Frakturrisiko.1

Reduziertes Frakturrisiko

Muskuläre Aktivität beeinflusst den Knochenstoffwechsel positiv. Dabei führt der Zug am Knochen zu Längenveränderungen im Sinne von Kompression, Traktion und Torsion. „In Abhängigkeit von diesen Veränderungen kommt es zu Veränderungen der Knochenmineraldichte. Überschreitet diese Längenänderung die Modeling-Schwelle, kommt es zu einer Überlastung, worauf der Knochen mit Aufbau reagiert“, erklärte Kerschan-Schindl.

Regelmäßige Sportausübung beeinflusst den Knochenstoffwechsel bereits im Kindesalter günstig, wobei eine Stunde Turnunterricht täglich einen deutlich besseren Effekt auf die Knochenmineraldichte hat als einmal wöchentliche sportliche Betätigung.

„Sport ist jedoch nicht gleich Sport“, sagte Kerschan-Schindl. So hat eine Studie an Teenagern gezeigt, dass Leichtathletik einen günstigen Effekt auf den Knochenstoffwechsel in den unteren Extremitäten hat, während bei Gymnastik der Benefit vor allem die oberen Extremitäten betrifft. Bei Wasserball spielenden Mädchen war keine signifikante Veränderung des Knochenstoffwechsels zu beobachten.2

Dass sportliche Betätigung in der Jugend sich langfristig auswirkt, zeigt eine Longitudinalstudie. Männer, die während ihrer Jugend inaktiv waren hatten nach 35 Jahren ein im Vergleich zu sportlich aktiven Männern doppelt so hohes Fraktur- und ein 2,7-fach erhöhtes Schenkelhalsfrakturrisiko.3

Auch bei jungen, prämenopausalen Frauen konnte gezeigt werden, dass, je intensiver und länger die sportliche Aktivität ausfällt, desto größer ist der Nutzen für die Knochenmineraldichte4 und die Knochengeometrie.5 „Aber auch im höheren Alter, sowohl für postmenopausale Frauen, als auch Männer, gilt, dass Krafttraining und kombiniertes Training mit High-Impact-Aktivitäten den größten Benefit für den Knochenstoffwechsel haben“, so Kerschan-Schindl.

Die Knochenmineraldichte ist allerdings nur ein Surrogatparameter, von tatsächlichem Interesse sind die Auswirkungen des Trainings auf das Frakturrisiko. Eine rezente Metaanalyse hat diesbezüglich ergeben, dass die gesamte Frakturrate sowie Wirbelkörperfrakturen durch ein komplexes Trainingsprogramm um 40 bis 50 Prozent reduziert werden können.6

Üben, aber richtig

Liegt bereits eine Osteoporose vor, so ist beim Training, insbesondere beim Krafttraining, besondere Vorsicht geboten, da die Bruchgrenze beim osteoporotischen Knochen früher erreicht wird als beim Gesunden. „So kennen wir Personen, die beim Krafttraining, insbesondere beim Austesten des Wiederholungsmaximums, eine Wirbelkörperfraktur erlitten haben“, schilderte Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Primaria am Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation im KH Hietzing, Wien. Preisinger warnt in diesem Zusammenhang, dass alle Übungen mit Rumpfbeugungen ein Risiko für Wirbelkörpereinbrüche in sich bergen. Im Gegensatz dazu haben Übungen, die die Rückenstreck-Muskulatur trainieren, das Risiko für Wirbelkörpereinbrüche reduziert.7

„Übungsprogramme, wie sie von Physiotherapeuten üblicherweise angeboten werden, ohne Krafttraining und ohne progressives Widerstandstraining, bremsen den Verlust an Knochendichte, wirken sich günstig auf chronische Schmerzen aus, haben allerdings keinen Einfluss auf die Frakturrate“, berichtete Preisinger. So konnte auch in einer Studie an Frauen mit Osteoporose und Kyphosen gezeigt werden, dass spezielles Training in Kombination mit einer Kypho-Orthese die Gangsicherheit und den physischen Aktivitätsscore erhöht, während das Sturzrisiko und die Schmerzintensität verringert wurden.8

„Ziele des Trainings von Patientinnen mit Osteoporose und erhöhtem Frakturrisiko sind das Verhindern der Immobilität durch Verbessern der körperlichen Aktivität, das Erhalten der Fähigkeit, sich selbst zu versorgen und nicht zuletzt das Erhalten der Lebensqualität“, so Preisinger. Abschließend wies die Expertin darauf hin, dass Trainingstherapie kein Ersatz für, sondern eine Ergänzung zur medikamentösen Osteoporose-Behandlung ist.

Quelle: Osteoporosetag, 17. Oktober 2013, Wien

Referenzen:

1Sjöblom S et al.: Maturitas 2013;75(2):175-80

2Greene DA et al.: J Bone Miner Metab 2012;30(5):580-7

3 ordstöm P et al.: J Bone Miner Res 2013;28(5):1061-7

4Kim KZ et al.: Calcif Tissue Int 2012;91(3):178-85

5Heinonen A et al.: Physiother Can 2012;64(1):98-105

6 emmler W et al.: Osteoporos Int 2013;24(7):1937-50

7Sinaki M et al.: Bone 2002;30(6):836-41

8Sinaki M et al.: Mayo Clin Proc 2005;80(7):849-55

H. Leitner, Ärzte Woche 7/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben