zur Navigation zum Inhalt
 
Orthopädie 10. Februar 2014

Arthroskopie bei älteren Patienten

Hüftgelenk nach Labrum-Glättung kaum geschmeidiger.

Das arthroskopische Débridement eines eingerissenen Labrum acetabuli ist bei älteren Patienten von zweifelhaftem Nutzen, resümieren kanadische Autoren einer kleinen Studie.

Labrumrupturen sind eine der häufigsten Indikationen für Hüftarthroskopien – auch wenn die Erfolgschancen sehr unterschiedlich beurteilt werden. Insbesondere gibt es Hinweise, dass, ähnlich wie bei Meniskusrissen, Knorpelschäden und fortgeschrittenes Alter mit schlechteren Ergebnissen einhergehen. Aus diesem Grund haben orthopädische Chirurgen aus Ottawa die Wirkungen des arthroskopischen Débridements bei 41 Patienten mit im MRT nachgewiesener Labrumruptur über knapp drei Jahre verfolgt.

Zum Zeitpunkt des Eingriffs waren die Patienten zwischen 45 und 67 Jahre alt. Gegenüber dem Ausgangszustand kam es bei ihnen postoperativ zu statistisch signifikanten Verbesserungen, und zwar im WOMAC-Schmerz-Score (von 54,0 auf 69,4), im WOMAC-Funktions-Score (von 60,4 auf 69,1), im modifizierten Harris Hip Score (mHHS; von 56,6 auf 63,9) und in der physischen Komponente des SF-12 (von 33,2 auf 39,3). Unterschiede im WOMAC gelten allerdings erst ab zwölf Punkten als klinisch relevant. Der WOMAC-Steifigkeits-Score und die psychische Komponente des SF-12 wurden durch den Eingriff nicht verändert.

Hohe Re-Operationsrate

Ein gutes oder exzellentes klinisches Ergebnis, definiert als mHHS > 80, erreichten nur 13 Patienten (32 %). Sieben Patienten (17 %) wurden nach im Mittel 21 Monaten ein zweites Mal am Hüftgelenk operiert, bei fünf von ihnen wurde das Hüftgelenk vollständig ersetzt. Für die Studienautoren vom Ottawa Hospital sind das entmutigende Ergebnisse: „Das arthroskopische Débridement war mit einer relativ hohen Re-Operationsrate und minimalen Verbesserungen in gelenkspezifischen Ergebnissen und der Lebensqualität verbunden.“ Die klinische Relevanz der beobachteten Unterschiede sei fragwürdig. Die Chirurgen raten deswegen, „bei älteren Patienten mit Riss des Labrums mit der Arthroskopie zurückhaltend zu sein“.

Diesem Urteil mag sich der Kommentator der Studie, Fred R. T. Nelson vom Henry Ford Hospital in Detroit, nicht anschließen. Er hält weitere größere Studien zum Einfluss von Alter und Knorpelveränderungen für nötig, bevor Empfehlungen zur Patientenauswahl für die Labrumresektion gemacht werden können.

Originalpublikation: Wilkin G et al. J Bone Joint Surg Am 2014; 96: 113–8; doi: 10.2106/JBJS.L.01710

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 7/2014

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben