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Orthopädie 4. Februar 2014

Gelenkersatz ist gut fürs Herz

Geringeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Patienten mit Hüft- oder Kniegelenkarthrose, die eine totale Endoprothese (TEP) erhalten, haben nicht nur bessere Chancen, wieder normal laufen zu können – sie sind auch weniger gefährdet für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Kanadische Orthopäden haben in einer Studie die Auswirkungen von Hüft- bzw. Kniegelenkersatz auf die Rate kardiovaskulärer Ereignisse prospektiv untersucht.

2.200 Arthrosepatienten im Alter von über 50 Jahren nahmen daran teil, sie wurden in den Jahren 1996 bis 1998 in die Untersuchung aufgenommen (BMJ 2013; online 30. Oktober).

Die ersten drei Jahre nach Aufnahme galten als Expositionszeit – hier trennte sich das Kollektiv in jene, die während dieser Zeit ein künstliches Gelenk erhielten, und jene, die nicht mit einer TEP versorgt wurden. Spätere Operationen spielten keine Rolle. Die Studie endete 2011, die mediane Dauer des Follow-up betrug sieben Jahre.

Gezählt wurde, wie viele Herzinfarkte, Schlaganfälle, transitorische ischämische Attacken, Fälle von Herzinsuffizienz und Eingriffe an den Koronarien sich bei Patienten mit und ohne TEP nach der Exposition ereigneten.

Kardiovaskuläre Ereignisse bei 36,3 Prozent der Teilnehmer

Für die Auswertung der Daten bildeten die Wissenschaftler Gruppen, die hinsichtlich möglicher Einflussgrößen – etwa des Bestehens kardiovaskulärer Risikofaktoren – vergleichbar waren. Kardiovaskuläre Ereignisse ereilten insgesamt 36,3 Prozent der Studienteilnehmer.

Es ergab sich, dass Patienten mit Gelenkersatz während des Follow-up ein 44-prozentig niedrigeres Risiko hatten, wegen einer der definierten Herz-Gefäß-Erkrankungen behandelt werden zu müssen oder gar daran zu versterben. Absolut betrachtet betrug die Risikoreduktion 12,4 Prozent. Umgerechnet bedeutet dies, dass acht Patienten operiert werden mussten, um einen kardiovaskulären Zwischenfall im Follow-up-Zeitraum zu vermeiden.

Um den positiven Einfluss des Gelenkersatzes auf kardiovaskuläre Ereignisse plausibel zu machen, mussten die Forscher aus Kanada nicht allzu tief in die Kiste mit Erklärungsmodellen greifen. So führt Bewegungsmangel ebenso erwiesenermaßen zu einer Gefährdung von Herz, Hirn und Gefäßen wie Arthrose zu Bewegungsmangel führt.

Die ungünstige Konstellation könnte durch psychischen Stress, der mit Arthrose einhergeht, verstärkt werden. Die Einnahme nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) mag ein Übriges dazu beitragen, das kardiovaskuläre Risiko von Arthrosepatienten zu steigern.

Reduziert die TEP den NSAR-Konsum?

Ob der Einbau einer TEP den NSAR-Konsum reduziert, ist jedoch nicht ganz klar. Schließlich sind viele dieser Mittel ohne Rezept erhältlich. Dies sollte laut den kanadischen Medizinern in weiteren Studien geklärt werden – und auch, wie genau sich körperliche Bewegung, Reduktion von Schmerzen und Stress sowie verbesserte Stimmungslage auf die festgestellte Beziehung zwischen dem Erhalt einer TEP und der Häufigkeit von Herz- und Gefäßkomplikationen auswirken.

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