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Orthopädie 20. Juni 2013

Immer mehr Rückenschmerzen

Ursachen bei Kindern und Jugendlichen sind noch weitgehend unbekannt.

Immer mehr Kinder und Jugendlichen leiden an Rückenschmerzen, darauf weisen aktuelle Studien hin. Wer schon in Kindheit und Jugend Rückenschmerzen erlebt, hat eine erhöhtes Risiko, das Leiden auch als Erwachsener zu haben, berichteten Experten auf dem EFORT-Kongress in Istanbul. Die Ursachen sind noch weitgehend unklar.

Neuere Studien weisen für Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen eine höhere Häufigkeit aus als ältere wissenschaftliche Arbeiten, wie eine aktuelle Meta-Analyse zeigt. „Es ist noch nicht ganz klar, ob das eine tatsächliche Zunahme der Beschwerden widerspiegelt, oder in erster Linie ein verstärktes Bewusstsein für das Problem ist“, sagte Dr. Teija Lund vom Orthopädischen Krankenhaus in Helsinki. „In jedem Fall ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten das wissenschaftliche Interesse am kindlichen Rückenschmerz enorm gestiegen.“

Noch in den 1980er Jahren war eine weitverbreitete Lehrmeinung, dass Rückenschmerz bei Kindern und Jugendlichen nur als Folge einer schwerwiegenden Erkrankung auftreten würde. „Epidemiologische Studien weisen inzwischen allerdings nach, dass Rückenschmerzen in dieser Altersgruppe ein weitverbreitetes Phänomen sind, mit Prävalenzraten von bis zu 60 Prozent. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu und erreicht in der Spätpubertät jene bei Erwachsenen“, berichtete Lund. Mädchen haben ein höheres Risiko, an Rückenschmerzen zu leiden, als männliche Jugendliche.

Eine von Dr. Lund durchgeführte prospektive Langzeitstudie hat gezeigt, dass 59 Prozent der Schüler, die von ihrem Schuleintritt bis zur Volljährigkeit beobachtet wurden, im Alter von 18 bis 19 Jahren an Rückenschmerzen litten. Zu Studienbeginn, als die Studienteilnehmer zwischen sieben und acht Jahre alt waren, betraf das Problem neun Prozent der Kinder.

Risikofaktor Lebensstil?

Die Wissenschaft liefert zu diesem Thema noch widersprüchliche Ergebnisse. „Eine Reihe von Studien hat den Einfluss von Lebensstil-Faktoren untersucht, unter anderem Übergewicht, Rauchen, körperliche Aktivität und die Zeit, die vor dem Bildschirm verbracht wird. Bisher lassen sich daraus aber noch keine klaren Schlussfolgerungen ziehen. Hinweise gibt es darauf, dass auch sportliche Betätigung, eine vermeintlich eindeutig positive Strategie gegen den Rückenschmerz, differenziert zu betrachten ist. „Die bisherigen Studien deuten darauf hin, dass sowohl ein bewegungsarmer Lebensstil als auch Leistungssport das Rückenschmerz-Risiko fördern“, fasste Lund zusammen. Allerdings handle es sich vorwiegend um Querschnitt- und nicht Langzeitstudien, die nur Zusammenhänge, aber noch keine Kausalität etablieren können.

Ursachen identifizieren, Präventionsmaßnahmen entwickeln

Eine besonders wichtige Entwicklung sei es, so Lund, dass sich die Medizin inzwischen mit muskuloskelettalen Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen auseinandersetze. Nachdem Rückenschmerzen im Kindes- und Jugendalter als der stärkste Prädiktor für Rückenschmerzen bei Erwachsenen gelten, ergäben sich klare Implikationen, so Lund: „Wenn wir an die weite Verbreitung des Phänomens Rückenschmerzen denken und an die finanziellen Folgen, muss die möglichst frühe Prävention höchste Priorität haben.“ Es seien mehr Langzeitstudien erforderlich, um zuverlässig Risikofaktoren für Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen identifizieren und entsprechende Präventionsempfehlungen entwickeln zu können.

Quelle: 14. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (EFORT), 5. bis 8. Juni 2013, Istanbul

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