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Infiltrationen und Infusionen mit Lokalanästhetika beschleunigen die Heilung.
 
Orthopädie 17. Juni 2013

Enhanced Recovery bewährt sich auch nach der Hüft-OP

Nach Operationen wegen Hüftfrakturen bringen Lokalanästhetika mehr Heilungserfolg und deutliche Einsparungen.

Infiltrationen mit Lokalanästhetika haben sich nach Knieprothesen-Operationen bewährt: Sie reduzieren Schmerzen, Morbidität und Mortalität. Eine britische Studie zeigt, dass sich dieses Konzept auch bei Operationen nach Hüftfrakturen bewährt.

Patienten, die sich nach einer Hüftfraktur einem chirurgischen Eingriff unterziehen müssen, profitieren von einem speziellen Behandlungskonzept mit postoperativ eingesetzten Lokalanästhetika („enhanced recovery protocol“, ER). Sie benötigen weniger Schmerzmedikamente, haben eine geringere Sterblichkeit, müssen kürzer in stationärer Behandlung bleiben und benötigen seltener weitere Rehabilitationsaufenthalte. Das zeigt eine Studie, die der Frage nachging, ob diese Methode, die sich nach Knie-Operationen bewährt hat, auch bei Eingriffen nach Hüftfrakturen angezeigt ist.

ER, ein Konzept, das unter anderem die Gabe von Lokalanästhetika via Katheter vorsieht, bringt auch nach Hüftoperationen erhebliche Vorteile, berichtete Studienautor Dr. William Harrison. „Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass das Konzept jetzt weiter untersucht werden sollte. Wir setzen ER nun routinemäßig bei unseren Patienten ein, aber um es als Behandlungsstandard für andere Zentren empfehlen zu können, sind multizentrische, randomisierte Studien notwendig.“

Beeindruckende Reduktion der Sterblichkeit

Für die über einen Zeitraum von zwei Jahren durchgeführte Studie wurden die Daten von rund 400 Patienten analysiert, ihr Durchschnittsalter lag bei 80 Jahren. 20 Prozent der Studienteilnehmer bildeten die Kontrollgruppe, die anderen wurden nach dem ER-Protokoll in unterschiedlicher Intensität mit Infiltrationen oder Infusionen mit Lokalanästhetika behandelt.

Eines der beeindruckendsten Ergebnisse der Studie war die signifikante Reduktion der Mortalität während des stationären Aufenthaltes. Das ER-Protokoll führte auch zu einer 40-prozentigen Reduktion des Opioidverbrauchs.

Die Reduktion der Sterblichkeit könnte allerdings auch von anderen Faktoren mit beeinflusst sein, gab Dr. Harrison zu bedenken. „Es kann ein direkter Zusammenhang mit dem ER-Konzept bestehen, allerdings wurden im Untersuchungszeitraum auch andere Verbesserungen eingeführt, zum Beispiel eine gezielte vierte Mahlzeit für Patienten mit Hüftfrakturen.“

In der Studie zeigte sich auch eine deutliche Reduktion der Länge des Krankenhausaufenthalts, bei ER-Patienten lag er bei durchschnittlich 9,3 Tagen, bei herkömmlich behandelten Patienten bei 12 Tagen. Außerdem konnten dreimal so viele Patienten aus der ER-Gruppe ohne weiteren Rehabilitationsaufenthalt direkt nach Hause entlassen werden wie aus der Kontrollgruppe. Es kam zu keinem signifikanten Anstieg unerwünschter Wirkungen durch die Infusionen und Infiltrationen mit Lokalanästhetika.

Geld gespart

Abgesehen vom schwer quantifizierbaren Nutzen einer reduzierten Sterblichkeit nach einer Hüft-OP scheint das ER-Konzept auch zu Einsparungen zu führen. „Für Injektionen, Katheter und Infusionspumpen hatten wir pro Patient einen zusätzlichen Aufwand von 62 Pfund“, rechnet. Harrison vor. „Dem stand eine Reduktion der stationären Aufenthaltsdauer von 2,7 Tagen gegenüber, wobei ein stationärer Tag Kosten von etwa 400 Pfund verursacht. Dazu kommen weitere Einsparungen durch verringerte Rehabilitationskosten.“

Quelle: EFORT 2013; Abstract 3732

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