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Orthopädie 17. Juni 2013

Aktiver denn je

Erfreulich: Hüftimplantationen verbessern wesentlich und dauerhaft den Level körperlicher Aktivität bei Patienten aller Alterskategorien.

Der Anteil der Patienten, die vor und nach einer Hüftimplantation körperlich aktiv sind, ist im letzten Jahrzehnt um 14 Prozent gestiegen, wie Schweizer Forscher beim EFORT-Kongress in Istanbul berichteten.

Eine aktuelle Langzeitstudie der Genfer Universitätsklinik bestätigt den nachhaltigen Erfolg von Hüftprothesen. Vor einem Übermaß an Aktivität wird jedoch gewarnt.

„An eine Hüftimplantation sind in der Regel große Hoffnungen geknüpft: Der Schmerz soll weggehen und die Beweglichkeit wieder kommen. Doch manche Patienten schrauben ihre Erwartungen zu hoch und sind dann nach der Operation enttäuscht“, so Studienautorin Dr. Anne Lübbeke-Wolff. „Wir wollten daher objektivierbar machen, wie sich die körperliche Aktivität der Betroffenen vor und nach dem Eingriff entwickelt“. Konkret wurde der Frage nachgegangen, ob sich bei Patienten einer bestimmten Alterskohorte in den letzten zehn Jahren die körperliche Aktivität vor und nach einer Hüftimplantation verändert hat. Für die Studie wurde der Lebensstil von über 2.900 Patienten vor und von rund 1.600 Patienten nach dem Eingriff untersucht. Die Probanden waren zum Zeitpunkt der OP durchschnittlich 68 Jahre alt und zu 56 Prozent weiblich.

Allgemein mehr Aktivität

Die Ergebnisse sind erfreulich: Während zwischen den Jahren 2000 und 2003 noch 68 Prozent der Probanden angaben, einen bewegungsarmen Lebensstil zu pflegen, waren es zwischen 2007 und 2011 trotz gleichen Durchschnittsalters nur 54 Prozent. Auch mit Hüfttotalprothese sind Patienten inzwischen aktiver denn je zuvor. So gaben Personen, die zwischen 2000 und 2003 operiert worden waren, fünf Jahre nach der Intervention zu 53 Prozent an, Bewegungsmuffel zu sein. Bei den Operierten der Jahre 2004 bis 2011 waren es nur mehr 39 Prozent.

„Die Studie bestätigt, dass Menschen tendenziell mehr Bewegung machen als noch vor wenigen Jahren“, so EFORT-Präsident Prof. Pierre Hoffmeyer von der Universitätsklinik Genf. Die Steigerung stünde im Einklang mit Erhebungen zur Aktivität von Schweizer Erwachsenen der Normalbevölkerung. Auch internationale Analysen belegen den Trend zu einem moderaten Mehr an Bewegung. „Die Gründe dafür sind vielschichtig. Für unsere Kohorte lässt sich jedenfalls sagen, dass die Patienten einen zunehmend besseren Allgemeinzustand aufweisen. Das erklärt einen Teil des höheren Grades an Aktivität. Gleichzeitig scheint sich auch zunehmend das Bewusstsein in der Bevölkerung durchzusetzen, wie wichtig körperliche Betätigung ist. Fakt ist, dass in der letzten Dekade der Anteil der Patienten, die vor und nach der Hüftimplantation aktiv sind, um 14 Prozent gestiegen ist“, Prof. Hoffmeyer.

Frauen bewegen sich weniger

Die Studie erbringt zudem den Nachweis, dass die körperliche Aktivität durch die OP in einem hohen Maß wiederhergestellt werden kann. „Durch die Beschwerden mit der Hüfte bewegen sich Männer wie Frauen vor der Implantation nur mehr halb so viel wie im gesunden Zustand. Die Operation kann die Lebensqualität doch erheblich verbessern. Der Grad an körperlicher Aktivität ist auch zehn Jahre nach der OP und trotz fortschreitenden Alters der Patienten weitaus höher als unmittelbar vor der OP“, berichtet Lübbeke-Wolff.

Zu jedem Zeitpunkt der Erhebung konnte festgestellt werden, dass sich Frauen weniger als Männer bewegen. „Zu diesen Genderunterschieden in Bezug auf Aktivität gibt es diverse Theorien - angefangen vom unterschiedlichen Spielverhalten von Mädchen und Buben bis hin zu althergebrachten Rollenbildern, die in der älteren Generation noch zu wirken scheinen: Männer dürften eher die Zeit für sportliche Bewegung, aber auch für Erholung finden, während Frauen tendenziell mehr mit dem Haushalt beschäftigt sind“, meint Lübbeke-Wolff.

Vorsicht bei zu viel Bewegung

Die Hüftprothesenoperation hat das Ziel, Schmerzen zu lindern und die Aktivität der Patienten, soweit es geht, wiederherzustellen. Einige Patienten sind nach der Implantation allerdings zu aktiv und verkürzen damit die Lebensdauer der Prothese. „Es ist daher sehr wichtig, dass die behandelnden Ärzte eine detaillierte Diskussion mit den Patienten über ihre früheren Sport-, Freizeit- und gegebenenfalls Arbeitsaktivitäten führen, sie nach ihren Erwartungen fragen und sie über die Aktivitäten, die mit einer Prothese möglich sind, informieren. Dies sollte unbedingt vor der Operation und auch während der Nachkontrollen stattfinden. Die Patienten sollten wissen, dass die Operation im Durchschnitt zu einer erheblichen Verbesserung der Aktivität im Vergleich zu dem Zustand vor der Operation führt, aber dass die Aktivität möglicherweise nicht ganz das Niveau vor Beginn der Arthrose-Symptome erreicht, im Besonderen nicht bei Patienten, die unter 55 Jahre alt sind“, betont Hoffmeyer

Große regionale Unterschiede

Gelenksarthrosen gehören zu den Krankheiten, die in entwickelten Ländern am häufigsten zu Behinderung führen. Weltweit sind 9,6 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen betroffen. Für die Behandlung schwerer Fälle hat sich die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks als effektiv und kosteneffizient erwiesen. Die Operation wird überwiegend bei Menschen ab 60 Jahren durchgeführt. Wie OECD-Daten zeigen, nehmen die Eingriffe nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung stark zu. Die Zahl der Hüftimplantationen ist zwischen 2000 und 2010 in Dänemark um 40 Prozent, in Spanien um 25 Prozent und in Frankreich um zehn Prozent gestiegen – ein Faktum, das auch gesundheitsökonomisch zu Buche schlägt. Die Kosten für einen Hüftersatz in Europa wurden 2009 mit durchschnittlich 7.300 Euro beziffert, was wohl auch die enormen regionalen Unterschiede bei den Operationen erklärt. Zypern erreicht mit 15 Hüftimplantationen pro 100.000 Einwohner gerade einmal ein Zehntel des untersuchten EU-24-Durchschnitts, der bei 153 künstlichen Hüftgelenken pro 100.000 Einwohner liegt. Deutschland verdoppelt den EU-Durchschnitt nahezu und bringt es auf 295 OPs pro 100.000 Einwohner. Altersstandardisierte Zahlen verändern an diesem Ranking wenig. Es scheint also weniger von medizinischen Notwendigkeiten als von ökonomischen Aspekten abzuhängen, ob ein Patient in Europa eine Hüftimplantation bekommt.

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