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© Klaus Rose
Wann sind radiologische Kontrollen sinnvoll?
 
Orthopädie 27. Mai 2013

Keine Konsequenzen

Frühe Röntgenkontrollen nach operativer Frakturversorgung ändern nichts an der Therapie.

Beim ersten ambulanten Kontrolltermin nach einer chirurgischen Frakturversorgung routinemäßig zu röntgen, scheint ziemlich nutzlos zu sein. Die Röntgenuntersuchung ändert in der Regel nicht die weitere Behandlung, sondern nur die Behandlungskosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-amerikanische Studie.

Wenn ein ambulanter Patient sich zwei bis drei Wochen nach chirurgischer Fixation einer Fraktur wieder vorstellt, wird in der Regel ein Röntgenbild angefertigt.

Diese frühe Röntgenkontrolle ohne speziellen Anlass könnte man sich nach Ansicht von orthopädischen Chirurgen aus den USA jedoch sparen. „Die Aufnahmen führen nicht zu Veränderungen im postoperativen Management, sondern belasten nur das Gesundheitssystem“, kritisieren Dr. Timothy Ghattas und Kollegen von der Universität Wichita in Kansas.

Selten klinisch begründet

Die US-Ärzte haben die Auswirkungen solcher routinemäßigen Röntgenkontrollen anhand der Krankenakten von 171 Patienten aus zwei Traumazentren untersucht.

Bei den Patienten zwischen 18 und 99 Jahren waren insgesamt 200 Frakturen mit unterschiedlichen Lokalisationen operativ versorgt worden. Im Schnitt 24 Tage nach der Operation wurden sie erneut vorstellig und bei dieser Gelegenheit auch geröntgt. Eine klinische Indikation für die Bildgebung bestand aber nur bei 15 Patienten (7,5%). Solche Indikationen waren Infektionszeichen, sich verschlimmernde Schmerzen, postoperative Traumen oder Schmerzen in Zusammenhang mit dem Implantat.

Bildgebung änderte nichts an der Behandlung

Zu Abweichungen von der postoperativen Standardversorgung kam es nur bei drei Frakturen (1,5%): Bei einem Patienten wurde wegen des Verdachts auf eine Infektion ein Antibiotikum gegeben. Bei einem weiteren Patienten wurden Untersuchungen zum Ausschluss einer Infektion und einer Thrombose durchgeführt und beim dritten wurde eine zusätzliche perkutane Fixation mit Stiften vorgenommen. Ausschlaggebend für diese ungeplanten Maßnahmen waren allerdings nicht die Röntgenbilder, sondern die Ergebnisse von Anamnese und körperlicher Untersuchung.

Lediglich bei einer Fraktur (0,5%) fanden sich im Röntgenbild Abweichungen von der unmittelbar postoperativen Aufnahme: eine leichte Verschiebung einer Malleolus-medialis-Fraktur nach offener Reposition und interner Fixation mit zwei Spongiosaschrauben mit Teilgewinde. Der betroffene Patient war nach der Operation erneut gestürzt und dabei auf dem verletzten Knöchel aufgekommen. Die radiologisch erkennbaren Folgen zogen jedoch keine medizinischen Konsequenzen nach sich.

Besser erst nach acht bis zwölf Wochen röntgen

Somit führte in der untersuchten Patientengruppe keines der nach etwa drei Wochen angefertigten Röntgenbilder zu Änderungen im Behandlungsplan. „Die Bildgebung kann daher auf einen späteren Termin verschoben werden“, so die Autoren. Ein angemessener Zeitpunkt besteht ihrer Ansicht nach dann, wenn Veränderungen bei der Gewichtsbelastung oder bei Reha-Maßnahmen anstehen. Dies sei üblicherweise identisch mit dem Zeitpunkt, zu dem eine Frakturheilung erwartet wird, also nach etwa acht bis zwölf Wochen.

Ghattas TN et al.: J Bone Joint Surg Am 2013; May 01; 95 (9): e571–74

springermedizin.de, Ärzte Woche 22/2013

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