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© Karl Zweymüller
Zweymüller-Schaft 1979 (oben) und 2012 (unten): Konstruktions- und Verankerungsprinzip sind seit 33 Jahren unverändert: konischer Schaft aus Titanlegierung mit rechteckigem Querschnitt.
© Karl Zweymüller
 
Orthopädie 11. Dezember 2012

Mut zur Hüft-Operation

An der MedUni Wien entwickelte Hüftprothese hält über 20 Jahre.

Ein Team der Universitätsklinik für Orthopädie, Wien, hat erstmals die Haltbarkeit von Zweymüller-Hüftprothesen über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht. Das Ergebnis: Der Schaft der vom gleichnamigen Wiener Orthopädie-Professor am AKH Wien vor über 30 Jahren entwickelten Endoprothese hält mindestens 20 Jahre.

„Das zeigt, dass die Angst vor einer Hüftprothese unbegründet ist. Besser ein Leben mit Prothese und ohne Schmerzen als ohne Prothese mit Schmerzen“, sagt Prof. Dr. Reinhard Windhager, Leiter der Wiener Universitätsklinik für Orthopädie anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Klinik, das am 7. Dezember gefeiert wird.

Zementfrei

Die Ende der 1970er-Jahre entwickelte Zweymüller-Prothese war eine der ersten mit einer Verankerung im Knochen ohne Fixierung durch Knochenzement. Die spezielle Geometrie und Oberfläche dieser Prothese garantieren die stabile Verankerung und die natürliche Integration im Knochen. Charakteristisch ist die aufgeraute Oberfläche des Schafts, die dem nachwachsenden Knochengewebe Halt gibt.

Bis heute wurde diese Endoprothese aus ultraleichtem Titan millionenfach und mitunter auch minimal-invasiv mit einem Hautschnitt von etwa zehn Zentimetern eingesetzt – heutzutage in Kombination mit Kugel und Pfanne aus Keramik, was für weniger Abrieb sorgt. Bei 67 Prozent der 200 untersuchten Probanden war auch die Haltbarkeit von Kugel und Pfanne, so das zweite Ergebnis der Studie, nach 20 Jahren immer noch gegeben (Kolb et al.: J Bone Joint Surg Am 2012).

Rund 300 Hüfttotalendoprothesen werden an der Wiener Universitätsklinik für Orthopädie pro Jahr eingesetzt, die Hälfte davon vom Typ Zweymüller. Auch Sport ist damit möglich, ohne die Haltbarkeit zu reduzieren oder eine schnellere „Auslockerung“ der Prothese zu bewirken. Die Patienten werden immer jünger – gerade wegen der Top-Qualität der Prothese. Früher, so Windhager, lag das Durchschnittsalter der Prothesen-Empfänger deutlich über 65 Jahren, und sinkt heutzutage kontinuierlich darunter.

Für Prof. Dr. Karl Zweymüller selbst ist das Ergebnis nicht überraschend, denn er bestellt die von ihm operierten Patienten regelmäßig zur Röntgenkontrolle und ist dadurch über die Haltbarkeit der Hüftendoprothesen bestens informiert: „Wichtig ist eine Monitor-kontrollierte, standardisierte Röntgenuntersuchung, um den Verlauf kontrollieren zu können“, so Zweymüller.

Forschung für noch bessere Integration

Gleichzeitig wird in der orthopädischen Chirurgie an der MedUni Wien an der Entwicklung neuerer, noch besserer Prothesen geforscht – und zwar mit der so genannten radio-stereometrischen Analyse (RSA). Windhager: „Dabei wird dreidimensional die Bewegung des Implantats relativ zum Knochen gemessen. Wir können sozusagen dem Implantat beim Wandern zuschauen. Das geht auf 0,1 Millimeter genau.“ Daraus lässt sich innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Operation eine Frühdiagnose über das Einwachsen des Implantats im Knochen und dessen Haltbarkeit erstellen. Zugleich können mit RSA neue Materialien, die bei neuen Prothesentypen – auch für das Knie, den Fuß oder die Wirbelsäule – zum Einsatz kommen, miteinander verglichen werden.

„Die RSA ist ein perfektes Tool für die Entwicklung neuer Produkte in der orthopädischen Chirurgie. Unser Ziel ist die weitere Verbesserung der Integration des Implantats in den Knochen. Wichtig ist dabei vor allem die Biologie, wir schauen uns an, was rund um die Prothese passiert“, so der Klinikleiter.

 

MedUni Wien/CL, Ärzte Woche 50/52/2012

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