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Anatomisch korrekt: Die Kniescheibe gleitet im V-förmigen Kanal auf und ab.

Trochleadysplasie: Der V-förmige Kanal fehlt aufgrund einer Deformation des Oberschenkelknochens.

© F. Dirisamer/BHS Linz

Operative Korrektur: Der Oberschenkelknochen wird zu einer V-förmigen Rinne geformt, in der die Kniescheibe anatomisch korrekt vor und zurück gleiten kann.

 

 
Orthopädie 6. Dezember 2012

Trochleaplastik

Hoffnung für junge Kniepatienten.

Stiegen steigen, den Schutzweg queren oder spazieren gehen - scheinbar banale Bewegungsabläufe, über deren Durchführung vor allem junge Menschen normalerweise nicht nachdenken müssen. Eine angeborene Fehlbildung des Oberschenkelknochens lässt jedoch genau diese Bewegungen zu einem Balanceakt werden, der Betroffene im schlimmsten Fall sogar in die Erwerbslosigkeit führt.

Diese ausgeprägte Form der Kniescheibeninstabilität und deren Behandlung war eines der zentralen Themen im Rahmen der Fortbildung „Patella im Fokus“ am 29. November 2012 im Linzer Ars Electronica Center. Die Korrektur einer Trochleadysplasie wurde im Rahmen der Veranstaltung live übertragen. Hierbei handelt es sich um eine besonders ausgeprägte Form der Kniescheibeninstabilität, deren operative Korrektur technisch sehr anspruchsvoll ist und österreichweit nur von wenigen Orthopäden (zwei davon arbeiten im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz) durchgeführt wird.

Dr. Florian Dirisamer demonstrierte diesen Eingriff. Das fachliche Know-how hat ihm der Entwickler der Operationsmethode, Dr. Heinz Bereiter aus Chur, im Rahmen eines Studienaufenthalts persönlich vermittelt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Christian Patsch ist Dirisamer österreichweit führend bei Kniescheibenstabilisierungsoperationen.

Was ist Trochleadysplasie?

„Der Oberschenkelknochen weist am Ende eine V-förmige Rinne, die Trochlea, auf. In diesem stabilisierenden Kanal gleitet die Kniescheibe während der Bewegung auf und ab. Bei Patienten mit einer Trochleadysplasie ist diese Rinne entweder nicht angelegt oder entsprechend deformiert. Dadurch findet die Kniescheibe seitlich keinen Halt, was dazu führt, dass sie bei alltäglichen Bewegungen wie z.B. Stiegensteigen plötzlich herausspringt“, skizziert Dirisamer das Erkrankungsbild.

Im Zuge der Operation löst der Orthopäde den Knorpeldeckel vom Knochen ab und „formt“ das Ende des Oberschenkelknochens zu einem V-förmigen Kanal, in dem die Kniescheibe anschließend anatomisch korrekt gleiten kann. „Unsere Tätigkeit lässt sich mit jener eines Bildhauers vergleichen: wir bearbeiten den Knochen so lange, bis er die gewünschte natürliche Form erreicht hat“, so Dirisamer.

Für die Operation kommen nur junge Menschen bis etwa 20 Jahre infrage, weil das Gewebe elastisch und verformbar sein muss. Zudem darf kein Knorpelschaden vorliegen, da dieser eine Kontraindikation für den Eingriff darstellt. Nach der Operation können Betroffene ein weitgehend normales Leben führen. Ängste vor alltäglichen Bewegungsabläufen wie etwa das Überqueren eines Zebrastreifens gehören der Vergangenheit an.

Österreichweite Vorreiterrolle

Erkrankungen des patellofemoralen Gelenks gehörten über einen langen Zeitraum zu den orthopädisch am wenigsten erforschten Problemstellungen. Dies hatte zur Folge, dass die Behandlungen der Kniescheibeninstabilität oft zu unbefriedigenden Ergebnissen führten.

Die orthopädische Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz nimmt eine österreichweite Vorreiterrolle auf dem Fachgebiet des Kniescheibengelenks und seiner Erkrankungen ein. So führt das Team von Prim. Dr. Josef Hochreiter die mit Abstand meisten Eingriffe an diesem Gelenk durch und beschäftigt sich auch mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses Spezialgebiets.

Zudem verfügt die Abteilung über die einzige Patellofemoralgelenksambulanz in Österreich. Jährlich werden zwischen 40 und 50 Kniescheibenstabilisierungsoperationen durchgeführt, davon entfallen 15 Eingriffe auf die Korrektur der Trochleadysplasie.

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