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Orthopädie 9. August 2012

Neuer Materialverbund für künstliche Gelenke in Salzburg entwickelt

Verbund aus Keramik und Titan kann Vorteile beider Materialien nutzen.

Das junge Salzburger Unternehmen Ceramoss will mit einem neu entwickelten Materialverbund am Markt für künstliche Gelenke punkten. Ceramoss-Gründer Sorin Lenz hat gemeinsam mit Partnern ein Verfahren entwickelt, um Keramik und Titan untrennbar so zu verbinden, dass daraus ein interessanter Werkstoff für Hüft- oder Kniegelenke entsteht.



"Wir beschichten Keramik mit Hilfe eines nanotechnologischen Verfahrens mit Titan", erläuterte der Zahnmediziner Lenz im Gespräch mit der APA. Die Beschichtung hält größten Belastungen stand und splittert nicht ab. "An so einem Verbund forscht die Industrie seit Jahren", sagte Lenz. Mit Hilfe eines oberösterreichischen Spezialisten für Beschichtungstechnik ist dem Mediziner das Kunststück gelungen, die Technologie wurde zum Patent angemeldet.

Verbundmaterial mit kombinierten Vorteilen


Keramik ist extrem hart und führt zu keinen chemischen oder biologischen Wechselwirkungen mit dem Körper. Der Nachteil des Materials: Keramik heilt nicht so gut und schnell in den Knochen ein wie Titan. "Mit dem Verbund können wir die Vorteile beider Materialien nützen", erläuterte Lenz.

Ursprünglich wollte der Mediziner die Keramik-Titan-Verbindung für Zahnimplantate verwenden. Doch dann stellte sich rasch heraus, dass der Materialverbund auch für die Hersteller von künstlichen Hüft- oder Kniegelenken interessant ist. Durch die Beschichtung spare man Platz, das führe zu einer besseren Beweglichkeit der Gelenke, schilderte Lenz einen Vorteil für den Patienten. Außerdem müsse nicht zementiert werden. Das Material eigne sich besonders für Kleingelenke, ist er überzeugt. Mittlerweile führt Ceramoss intensive Verhandlungen mit internationalen Herstellern über eine mögliche Kooperation.

Zulassung als Medizinprodukt angestrebt


"Wir wollen in den nächsten Wochen die Zulassung als Medizinprodukt erhalten", sagte Stephan Kuhn, der gemeinsam mit Lenz die Geschäfte von Ceramoss führt. Die Familie Kuhn, Eigentümer von Baumaschinen Kuhn und dem Werkzeugmaschinenhersteller Emco, ist bei Ceramoss eingestiegen. "Wir sehen das als reines Beteiligungskapital", erläuterte Kuhn. Anfang nächsten Jahres soll mit dem Vertrieb der Keramik-Titan-Beschichtung in Europa begonnen werden, kündigte Kuhn an.

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