zur Navigation zum Inhalt
 
Orthopädie 6. Juni 2012

Knochenheilung aktiv fördern

Neue Ansätze bei nicht heilen wollenden Frakturen.

Bei Knochenbrüchen, die nach einem halben Jahr noch immer nicht verheilen, zeigen neue Methoden mit Wachstumsfaktoren, patienteneigenen Stammzellen und bioaktiven Implantaten vielversprechende Ergebnisse.

 

Die Zahl komplizierter Knochenbrüche nimmt zu: Besonders bei älteren Menschen verheilen Frakturen trotz angemessener Therapie immer öfter verzögert oder gar nicht. Mögliche Lösungen zeigten deutsche Forscher auf dem 13. Kongress der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT), der in Berlin stattfand.

Zu Komplikationen und schlechten Heilungsfortschritten nach Brüchen kommt es besonders dann, wenn die Knochenbiologie gestört ist: Bei drittgradigen offenen Frakturen ist jeder dritte Patient betroffen, im Falle einer Infektion 40 Prozent und nach einer Tumoroperation und einer Bestrahlung des Knochens sogar bis zu 80 Prozent. Doch auch Osteoporose ist ein wesentlicher Risikofaktor, weshalb bei Knochenschwund-Patienten jeder fünfte Bruch schlecht heilt.

Heilen Knochendefekte auch nach sechs Monaten noch nicht aus und bleiben die Bruchkanten gegeneinander beweglich, spricht man von einer „Pseudarthrose“. Eine weitere Stabilisierung des Knochens durch Implantate hilft hier meist, wenn die Ursache mechanisch bedingt ist, während der Aufwand bei biologischer Ursache und nach einer Infektion deutlich steigt: Kleinere Pseudarthrosen behandelt man bisher mit Knochenmark aus dem Becken des Patienten, was jedoch häufig Schmerzen an der Entnahmestelle hinterlässt. In Fällen mit einer Bruchstelle von mehr als zwei Zentimetern wird häufig ein Ringfixateur zur Dehnung des Knochens eingesetzt – ein sehr langes, kompliziertes Verfahren mit unklaren Erfolgsaussichten.

Neue Ansätze setzen auf Wachstumsfaktoren, die die Knochenheilung fördern sollen. Dabei handelt es sich um körpereigene Proteine, die synthetisch hergestellt werden. Kombiniert mit Knochen- und Stammzellen, lassen sich damit auch große Knochendefekte sowie Schäden nach einer Infektion ausheilen. Die Anwendung der Wachstumsfaktoren erfordert ein bis zwei Operationen – abhängig von der Größe des Knochendefekts. Ziel dieser Methode ist es, dass Patienten nach wenigen Wochen das Bein wieder voll belasten können und alle Implantate unter der Haut liegen. Auf der Universitäsklinik Heidelberg etwa gelang dies bei 88 Prozent der über 400 Patienten, die auf diese Weise behandelt wurden.

Künftige Fortschritte erhoffen sich die Experten auch durch die weitere Forschung an bioaktiven Implantaten. Dabei können Wirksubstanzen direkt von der Oberfläche von Implantaten in zeitlich vorbestimmter Abfolge an die Umgebung abgegeben werden, sofern man die Implantate entsprechend beschichtet. So sollen etwa Stücke der Erbinformation mit dem genetischen Bauplan für Wachstumsproteine die Zellen um Knochendefekte anregen, Proteine selbst zu bilden und damit die Knochenheilung einzuleiten. Erfolge scheinen hier in Reichweite: Für Antibiotika ist diese Abgabetechnik bereits in klinischer Verwendung.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben