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© Erik Liebermann
 
Orthopädie 6. Juni 2012

Anker setzen statt Tunnel bohren

Die Operation von besonders schweren Fällen des Tennisarm-Syndroms bringt bessere Ergebnisse, wenn man die gerissene Sehne am Ellbogen an einem kleinen Anker befestigt, der in den Oberarmknochen gesetzt wird.

Minimal invasive Operationen sind bei nicht heilenden Gelenksproblemen wie etwa dem Tennisarm auf dem Vormarsch. Eine Verbesserung der hier üblichen Athroskopie haben US-Chirurgen erstmals ausgewertet.

Patienten erreichen nach der OP deutlich schneller den vollen Funktionsumfang des Ellbogens, wenn der Chirurg am Oberarmknochen einen winzigen Anker aus Plastik setzt, um hier die eingerissene Sehne des Handstreckermuskels anzunähen. „Sowohl kurz- als auch langfristig sind die Ergebnisse mit Anker besser als ohne”, berichtet Studienleiter Dr. Raymond R. Monto, Nantucket Cottage Hospital.

„Rund 40 Prozent aller Spieler von Schlägersportarten leiden am Tennisarm, häufig aber auch Handwerker und Arbeiter“, erklärt Monto. Auch falsche Körperhaltung und sogar ungünstige Beanspruchung bei der Tastatur- und Mausbenutzung können Ursachen sein, ebenso wie Fibromyalgie und andere Krankheiten. In 80 bis 95 Prozent aller Fälle führen nicht-operative Behandlungen des Tennisarms zum Erfolg, wobei die Palette der Möglichkeiten von Physiotherapie, Verabreichung von Kortison und Schmerzmitteln bis hin zu Spangen, Bandagen und Gipsschiene reicht. Wenn nach sechs Monaten noch immer keine Besserung eintritt, muss eine Operation angedacht werden.

Klassisches Debridement

Zu den klassischen Tennisarm-Operationen gehört die Debridement-Methode von Hoffmann und Nirschl, bei der man die beteiligten Muskeln oder Sehnen zunächst ablöst und dann degeneriertes Gewebe wegschneidet. Um den Sehnen die alte Funktionsweise zurückzugeben, bohren die Chirurgen bisher meist beim Knochenvorsprung auf der lateralen Seite des Oberarmknochens einen kleinen Tunnel. Hier lässt man die chirurgische Naht passieren und befestigt so die Sehnen erneut.

Biokompatibler Anker

Eine innovative Alternative zum Tunnelbohren ist das Setzen eines Nahtankers im Oberarmknochen. Dieser Anker ist nur 2,4 Millimeter dick und sieben Millimeter lang. Er besteht typischerweise entweder aus PEEK-Plastik oder aus PLDLA, einem bioresorbierbaren Material. „Dank seiner winzigen Größe und da er hervorragend biokompatibel ist, erlaubt es der Anker, gerissene Ellbogenstrecker sicher, verlässlich und dauerhaft an ihrem Ursprung am Oberarm zu befestigen“, betont Monto.

Erster Vergleich beider Methoden

Die Ankernaht ist unkompliziert und viele Chirurgen verwenden die Technik bereits. „In größerem Umfang ausgewertet wurde die Methode jedoch nie.“ In der aktuellen Studie (Abstract 1748) gelang dies nun erstmals. Dr. Monto verglich dazu die klassische Debridement-OP mit jener Operationsweise, die denselben Zugang mit einer Sehnenbefestigung per Anker kombiniert.

Überprüft wurde das bei 50 Tennisarm-Patienten, bei denen die sechsmonatige Anwendung von Entzündungshemmern, Physiotherapie, Spangen sowie Kortisonspritzen keine Besserung erwirkt hatte. Bei allen führte man vor der Operation eine Kernspintomografie durch und überprüfte nachher regelmäßig die Ergebnisse.

Schnellere Besserung

Der Anker beschleunigt die Heilung des Ellbogens deutlich, zeigen die Ergebnisse: Auf dem „Mayo Performance Index“, der über Schmerz, Funktion, Bewegung und Stabilität Auskunft gibt, verzeichneten Patienten mit Anker bereits nach einem Monat exzellente Ergebnisse, die Tunnel-Gruppe hingegen erst nach dem dritten Monat.

Einer zweiten Evaluationsmethode zufolge, dem „Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand Outcome Questionnaire“ (DASH), kommen Anker-Patienten schon nach zwei Monaten auf einen niedrigen Wert, für dessen Erreichung die mit der herkömmlichen Methode behandelten Patienten über ein Jahr brauchen.

Quelle: Presseaussendung zum Europäischen Orthopädie-Kongress EFORT, 23.-25. Mai 2012, Berlin

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