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Orthopädie 6. Juni 2012

Was ist dran am Peitschenschlag?

Nur ein Bruchteil der Verletzungen hat nachhaltige, neurologisch messbare Folgen.

Eine deutsch-griechische Studie zeigt, dass die Folgen eines Schleudertraumas zwar bei rund 23 Prozent der Patienten auch noch zwei Jahre nach dem Unfall spürbar waren, jedoch durchgängig mild ausfielen und praktisch keine Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten hatten.

Bis zu einer Million Europäer pro Jahr erleiden ein Schleudertrauma. Typischerweise wird das Trauma nicht unmittelbar nach dem Unfall, sondern erst nach einer Latenzzeit von mehreren Stunden spürbar. Neben Nackenschmerz, Muskelhartspann und Bewegungseinschränkungen reichen die Symptome von Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerz über Tinnitus und Konzentrationsschwäche bis hin zu verstärkter Reizbarkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Schall.

Teuer und rätselhaft

Nach Schätzungen des European New Car Assessment Program schlägt das Peitschenschlag-Syndrom mit jährlichen Gesamtkosten von rund 10 Milliarden Euro zu Buche. Die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen ist nach drei bis vier Wochen beschwerdefrei. Bei manchen werden die Symptome jedoch chronisch, ohne dass dafür bisher zwingende Pathomechanismen gefunden werden konnten. Die Zahlen für diese Chronifizierung (10–67%) klaffen je nach Untersuchung ebenso weit auseinander wie die über langfristige Folgen. Während einer kanadischen Studie zufolge 87 Prozent der Verletzten nach sechs Monaten und 97 Prozent nach einem Jahr beschwerdefrei waren, kommt eine Studie des Kfz-Herstellers Volvo zu dem Ergebnis, dass 55 Prozent der Betroffenen auch 17 Jahre nach dem Unfall unter den Folgen leiden und fünf bis acht Prozent dadurch sogar berufsunfähig werden.

Meist milde Konsequenzen

In der auf dem EFORT 2012 vorgestellten Studie (Abstract 4307) wurden 155 Patienten der Abteilungen für orthopädische Chirurgie der Universität Patras, Griechenland, sowie der Johannes Gutenberg Universität Mainz, Deutschland, die wegen lang anhaltender Beschwerden nach einem Schleudertrauma in Behandlung waren, einer eingehenden klinischen Untersuchung, Labortests und einer Evaluation ihrer Beschwerden mit den Instrumenten der WAD-Skala (Whiplash Associated Disorders, Skala zur Ermittlung des Schweregrads von Peitschenschlag-Folgen), der HADS-Skala (Hospital Anxiety and Depression Scale zur Ermittlung der psychischen Lebensqualität) und dem SF-36 (Fragebogen zur Ermittlung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität) unterzogen. Drei Monate nach dem Unfall erreichte kein einziger Patient die vierte, schlimmste Stufe auf der WAD-Skala und nur drei hatten Nackenbeschwerden mit neurologisch nachweisbaren Veränderungen (WAD Stufe 3). Hingegen waren 83 Patienten komplett beschwerdefrei, die restlichen 69 Patienten litten unter nur milden Symptomen der WAD-Stufen 1 und 2. Zwei Jahre nach dem Unfall hatten nur mehr 36 Patienten Symptome (alle WAD-Stufen 1 und 2). Die Auswertung der Evaluation nach HADS sowie nach SF-36 ergab keinerlei statistisch signifikante Unterschiede zur gesunden Bevölkerung.

Quelle: Presseaussendung zum Europäischen Orthopädie-Kongress EFORT, 23.-25. Mai 2012, Berlin

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