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© Ellipse Technologies, Inc.
Kinder mit Skoliose müssen sich während ihres Wachstums häufigen Operationen zur Begradigung des Rückgrats unterziehen.
 
Orthopädie 23. Mai 2012

Weniger Operationen dank mitwachsender Stäbe

Kinder mit Skoliose könnten von einem neuen Verfahren bei der Begradigung ihrer Wirbelsäule profitieren.

Leiden Kinder an schwerer Skoliose, kann die verkrümmte Wirbelsäule mit Stabimplantaten begradigt werden. Während des Wachstums sind aber weitere Operationen nötig, um die Länge der Stäbe anzupassen. Magnetisch kontrollierte Implantate könnten das überflüssig machen, wie vorläufige Ergebnisse einer Studie in Hongkong gezeigt haben.

Der Clou an den magnetkontrollierten Stabimplantaten: Nach dem Einsetzen sind keine weiteren operativen Eingriffe zur Längenanpassung nötig, wie sie etwa die üblichen vertikal verstellbaren Titanimplantate alle sechs Monate erfordern. Stattdessen wird im Monatsabstand ambulant über ein auf den Rücken aufgesetztes Gerät ein magnetisch gesteuerter Mechanismus im Stab aktiviert. In weniger als 30 Sekunden lässt sich damit die gewünschte Verlängerung nicht-invasiv einstellen. Die gesamte Sitzung dauert etwa zehn Minuten.

Cobbwinkel nimmt ab

Fünf Kinder mit Skoliose im Alter zwischen fünf und 15 Jahren hat ein Team von Orthopäden um Kenneth Man-Chee Cheung vom Queen Mary Hospital der Universität Hongkong bisher mit den neuen Stabimplantaten behandelt. Für zwei der Kinder, ein fünf- und ein zwölfjähriges Mädchen, liegen nun die Zwei-Jahres-Ergebnisse vor (Cheung KM-C et al. Magnetically controlled growing rods for severe spinal curvature in young children: a prospective case series. Lancet 2012; DOI: 10.1016/S0140-6736(12)60112-3). Bei der Fünfjährigen hat sich der Cobbwinkel von ursprünglich 74° auf nunmehr 26° verkleinert; der Cobbwinkel wird von den Deckplatten der Neutralwinkel an den kranialen und kaudalen Wendepunkten der Krümmung gebildet. Das Mädchen, das ein Ehlers-Danlos-Syndrom aufweist, misst inzwischen 125,5 cm gegenüber 111,6 cm vor der Operation. Auch ihre Armspannweite hat von 100,4 auf 109,5 cm zugenommen.

Die zwölfjährige Patientin, die an idiopathischer Skoliose leidet, weist nach zwei Jahren einen Cobbwinkel von 31° auf (gegenüber 60°). Sie ist 142,7 cm groß (130,0), und ihre Spannweite beträgt 143,0 cm (130,0). Ähnliche Ergebnisse zeichnen sich auch für die drei anderen Kinder ab; ihre Operationen liegen aber erst zwischen neun und 22 Monaten zurück. Im bisherigen Durchschnitt musste die Stablänge pro monatliche Sitzung um 1,9 mm verlängert werden.

Experimentelle Methode

Als Nachteil des nach wie vor experimentellen Verfahrens betrachten Cheung und seine Kollegen die Strahlenbelastung durch die vielen Röntgenaufnahmen vor und nach der Einstellung der Stablänge. Sie sind allerdings zuversichtlich, dieses Problem mit zunehmender Erfahrung in den Griff zu bekommen. Ziel sei es, mit halbjährlichen Röntgenkontrollen auszukommen.

Hersteller der magnetgesteuerten Stäbe ist die kalifornische Firma Ellipse Technology, die auch die nun vorliegende Studie finanziert hat. Im Vergleich zu herkömmlichen Stäben sind die magnetisch gesteuerten zwar doppelt so teuer (4.900 gegenüber 2.450 Euro). Die Kosten für wiederholte Operationen und Klinikaufenthalte eingerechnet, könnte die Therapie mit den neuen Geräten im Vergleich freilich deutlich günstiger abschneiden.

Bereits im Januar dieses Jahres hatten Kinderorthopäden der Universitätsklinik Göttingen von sich reden gemacht, die einen elfjährigen Jungen ebenfalls mit magnetkontrolliert längenverstellbaren Stabimplantaten behandelt hatten. Neu daran war die Vorgehensweise. Statt die Stäbe an der Wirbelsäule zu befestigen, fixierten die Göttinger Ärzte die Stäbe an Becken und Rippen. Dadurch sollen Verletzungen der vertebralen Knochenhaut und spätere Spontanversteifungen vermieden werden.

springermedizin.de/rb
, Ärzte Woche 21 /2012

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