zur Navigation zum Inhalt
Foto: Sebastian Schreiter / Springer Verlag GmbH
Kurze Telomere der Chromosomen in Chondrozyten sind ungünstig.
 
Orthopädie 5. Mai 2012

Ultrakurze Telomere beschleunigen Arthrose

Das biologische Alter gibt bei der Knorpelschädigung mit den Ton an. Die Reparaturmechanismen versagen mit der Zeit.

Ultrakurze Telomere an den Chromosomen in Chondrozyten tragen offenbar wesentlich zur Arthroseprogredienz bei, das berichten dänische Wissenschaftler. Je nachdem, wie groß die Belastung der Zellen mit ultrakurzen Telomeren ist und wie kurz die Chromosomen-Anhängsel im Mittel insgesamt sind, ist auch der lokale Alterungsprozess entsprechend fortgeschritten und die Arthrose entsprechend schwer.

 

Je älter ein Mensch wird, desto kürzer werden die Telomere, also jene nicht-kodierenden, repetitiven DNA-Sequenzen am Ende der Chromosomen, die eben jene Chromosomen stabilisieren sollen. Ein ganz normaler Vorgang. Mit jeder Zellteilung verkürzen sie sich ein Stück, bis schließlich die Zelle sprichwörtlich „am Ende“ ist, aufhört, sich zu teilen, und in das Stadium der Seneszenz übergeht. „Seneszenz kann man am einfachsten als biologisches Altern erklären, Gelenkknorpel in der Seneszenz ist unfähig, sich selbst ausreichend zu regenerieren“, erklärt Dr. Maria Harbo von der Universität Süddänemark in Vejle. Bei der Arthrose werde der normale Alterungsprozess mit allmählicher Verkürzung der Telomere überlagert von plötzlichen, ausgeprägten Telomer-Verkürzungen, berichten Harbo und ihre Kollegen.

Telomerlänge und Arthroseschwere korrelieren

Sie hatten bei drei Frauen im Alter zwischen 56 und 67 Jahren, denen wegen fortgeschrittener Gonarthrose Knietotalendoprothesen implantiert worden waren, die resezierten Knorpel-Knochenstücke gentechnologisch untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Telomere in jenen Chondrozyten am kürzesten waren, die sich am nächsten der Läsion befanden. Die Länge und Häufigkeit ultrakurzer Telomere korrelierte signifikant mit der Arthroseschwere und dem Seneszenz-Stadium, das mit Markern bestimmt werden kann. Diese In-vivo-Befunde bestätigen Ergebnisse experimenteller Studien an Chondrozyten-Kulturen.

Zwei Prozesse sind am Werk

Harbo: „Die Telomer-Story zeigt uns also, dass theoretisch zwei Prozesse bei Arthrose im Gange sind. Die altersbezogene Verkürzung der Telomere führt dazu, dass die Zellteilungsfähigkeit beeinträchtigt und auf diese Weise die Zell-Seneszenz angestoßen wird, und ultrakurze Telomere, wahrscheinlich verursacht durch Kompressionsstress, führen zur Seneszenz und dem Versagen der gelenkeigenen Reparaturmechanismen. Wir glauben, die zweite Situation ist die wichtigste bei der Arthrose. Der zerstörte Knorpel verstärkt den mechanischen Stress im Gelenk und verursacht über einen Feedback-Mechanismus die Progression der Krankheit.“

Originalliteratur: M. Harbo et al. : The distribution pattern of critically short telomeres in human osteoarthritic knees. Arthritis Research & Therapy 2012, 14: R12 (online first)

http://arthritis-research.com/content/14/1/R12

 

springermedizin.de/tm/IS, Ärzte Woche 18 /2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben