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Orthopädie 8. April 2009

Neue Stoßdämpfer für das Knie

Das kollagene Meniskusimplantat: Indikationen, operative Technik und klinische Ergebnisse nach erfolgter Implantation. Von Dr. Jörg Richter

Bislang wurden weltweit rund 2.200 künstliche Menisken aus bovinem Kollagen eingepflanzt. Die Implantation stellt einen vielversprechenden Lösungsansatz bei Patienten mit subtotalem Meniskusverlust dar. Insbesondere junge Patienten mit Außenmeniskusresektionen profitieren von dem Eingriff.

 

In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass die Menisken für die Funktion des Kniegelenks essenziell sind. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Absorption von Stoßbelastungen und in der Gewährleistung einer physiologischen Druckverteilung, indem die Inkongruenz der Gelenkflächen während des Roll-, Gleitmechanismus des Kniegelenkes ausgeglichen wird. Traumatische Verletzungen und degenerative Läsionen führen häufig zu einem (Teil-)Verlust von Meniskusgewebe. Dies kann im weiteren Verlauf die Entstehung arthrotischer Veränderungen begünstigen. Häufig ist der funktionell besonders wichtige Außenmeniskus davon betroffen.

Die Implantation eines kollagenen Meniskusimplantates (CMI, s. Kasten) ist bei subtotalem Verlust des medialen oder lateralen Meniskus indiziert – vorrangig bei jungen Patienten, um die Entstehung arthrotischer Läsionen zu verhindern. Voraussetzung für den Eingriff ist ein bandstabiles Kniegelenk ohne gravierende Achsfehlstellung. Weiters sollten noch keine fortgeschrittenen degenerativen Veränderungen vorhanden sein. Entzündliche Arthritiden oder rheumatische Arthritis stellen keine Indikation dar.

Setzung des Implantates mittels Arthroskopie

Die Implantation erfolgt über Standardarthroskopieportale. Zunächst wird das Implantatbett vorbereitet. Von Bedeutung ist das Belassen einer „Restrandleiste“ des verbliebenen Meniskusgewebes, um eine sichere Fixation zu gewährleisten. Anschließend eruiert man die exakte Defektlänge mit Hilfe eines speziellen Messinstrumentes. Beim Zuschneiden des Implantates ist eine Überdimensionierung zu beachten. Mit Hilfe einer speziellen Applikationsklemme wird das Implantat schließlich in das vorbereitete Bett eingebracht. Zur Fixation wird in den dorsalen und intermediären Anteilen eine all-inside Naht mit dem Fast-Fix System™ (S&N) bevorzugt. Die anterioren Implantatanteile können mit einer inside-out Nahttechnik mit Hilfe des „sharp-shooters“ fixiert werden.

Die Nachbehandlung wird mit passiven Bewegungsübungen bis 60 Grad-Flexion begonnen. Eine schützende Orthese sollte acht Wochen lang getragen werden, die Teilbelastung an Gehstöcken wird bis zur achten postoperativen Woche empfohlen.

Gute Erfahrungberichte nach CMI-Implantation

Im Rahmen der US Multicenterstudie wurden die Patienten (n=311) in zwei Gruppen (akut-chronisch) unterteilt und nach einem Jahr rearthroskopiert und biopsiert. Hierbei zeigte sich bei 90 Prozent der Patienten ein Gewebezuwachs. Im Vergleich zur Kontrollgruppe mit IM Teilresektion zeigte sich bei den chronischen Patienten sowohl eine höhere Patientenzufriedenheit als auch ein höheres Aktivitätsniveau. Bei den akuten Patienten waren keine signifikanten Unterschiede feststellbar. Histologisch zeigte sich in den Biopsien ein meniskusähnliches Regeneratgewebe.

Zwischen Januar 2007 und Oktober 2008 wurden in unserer Abteilung 13 CMI implantiert (zehn lateral, drei medial). Die eigene Erfahrung zeigt, dass auch die Implantation lateralseitig technisch möglich ist. Subjektiv besserten sich bei elf Patienten die Beschwerden mit einem höheren Aktivitätsniveau als präoperativ. Bei vier Patienten kam es im Verlauf zu rezidivierenden Synovitiden, welche eine einmalige operative Revision mit Synovektomie erforderten. Diese heilten anschließend ab. Bei zwei Patienten erfolgte bis zum heutigen Zeitpunkt eine (Teil-)Resektion des Implantates.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die klinischen Ergebnisse ermutigend. Es gilt nunmehr an höheren Fallzahlen und längeren Nachuntersuchungszeiträumen den weiteren Verlauf zu untersuchen.

 

Dr. Jörg Richter ist an der

Orthopädischen Klinik Markgröningen, Deutschland, tätig.

Kasten:
Das kollagene Meniskusimplantat (CMI)
Das kollagene Mensikusimplantat Menaflexwurde von der Firma ReGen Biologics seit 1996 unter der Leitung von Dr. Rodkey und Dr. Steadman entwickelt. Es handelt sich hierbei um eine gefriergetrocknete, resorbierbare, poröse bovine Kollagen I-GAG Matrix, welche arthroskopisch implantierbar ist. Nach ersten In-vivo-Tierstudien erfolgte die klinische Anwendung erstmals 1993 im Rahmen einer US-Machbarkeitsstudie. 1997 erfolgten US- und EU-Multicenterstudien. 2006 kam das laterale CMI auf den Markt. Bis dato wurden weltweit rund 2.200 Implantate eingesetzt.

Dr. Jörg Richter, Ärzte Woche 15/2009

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