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Orthopädie 8. April 2009

Gute Ergebnisse: Winkelstabile Implantate

Gelenkkapseln können durch frakturferne Versorgung geschont werden.

Seit Einführung winkelstabiler Implantate zeichnen sich eindeutige Vorteile der Implantatphilosophie ab. Einsetzbar sind sie im Bereich des distalen Unterarmes, bei der Versorgung gelenknaher Frakturen im Bereich des distalen Femur, der proximalen als auch der distalen Tibia und mittlerweile in vielen anderen Regionen.

 

Vorzüge sind besonders in der Versorgung gelenknaher Frakturen als auch in der operativen Wiederherstellung älterer Verletzter mit verminderter Knochendichte und fehlender Entlastungsmöglichkeit erkennbar. Es stellt sich die Frage, ob auch im Bereich des Handskeletts winkelstabile Implantate einen solchen Qualitätsgewinn erbringen. Bisher stellt die Plattenosteosynthese im Bereich der Hand in der Literatur eine eher untergeordnete Rolle dar.

Indikationen zur winkelstabilen Plattenosteosynthese am Handskelett sind alle Frakturen der Langfinger, der Mittelhandknochen sowie Frakturen von Handwurzelknochen sowie Pseudarthrosenstabilisierungen, Arthrodesen und Korrekturosteotomien.

Eine unabdingbare Voraussetzung für ein Gelingen der Operation mit möglichst wenigen Behandlungsresiduen ist eine durch das Implantat zu gewährleistende gleitfreie Bewegungsmöglichkeit von Sehnen, Muskeln und Faszien. Diese erforderliche stufenlose und hindernisfreie Implantatcharakteristik stellt eine Grundvoraussetzung in der Plattenosteosynthese im Handbereich dar.

Addiert man hierzu die bereits bekannten Vorteile winkelstabiler Implantate wie beispielsweise besserer Kraftfluss im osteoporotischen Knochen, im spongiösen Knochen, damit die Verhinderung einer Knochensinterung bzw. frühzeitigen Implantatlockerung sowie die sich daraus ergebenden Möglichkeiten der Begrenzung der Implantatgröße, ergeben sich aus der Studie eindeutige Vorteile im Bereich der Frakturversorgung an der Hand gegenüber herkömmlichen Versorgungsmodellen (Druckplattenosteosynthese, Zugschrauben, Kirschnerdrähte).

Die Vorteile bestehen in der möglichen Reduzierung der Implantatgröße (Länge) auf den unmittelbaren Frakturbereich, der Möglichkeit des gelenkfernen Einbringens von Schrauben bei bestehendem Erhalt der Funktionalität des Gelenkes, der Möglichkeit der monokortikalen Verschraubung sowie der Nutzung des Prinzips des Fixateurs interne im Sinne einer Klammerfixation, die Möglichkeit der Vermeidung von intraoperativen Korrekturverlusten beim Anziehen oder Platzieren der Implantate. Ebenso ist eine frühfunktionelle Nachbehandlung deutlich früher möglich als bei herkömmlichen Osteosyntheseverfahren.

Im Zeitraum von 2007 bis Juni 2008 wurden 35 Patienten mit 40 Implantaten der Firma Königsee versorgt. Insgesamt:

  • 23 Frakturversorgungen,
  • 8 Fingerarthrodesen,
  • 2 Metkarpalarthrodesen
  • 4 Sattelglenksarthrodesen
  • 3 Radius-Lunatum-Arthrodesen

Es ergaben sich außer einer nicht verheilten RL-Fusion mit Rearthrodese keine weiteren Komplikationen.

Therapeutischer Gewinn

Winkelstabile Osteosynthesen an der Hand sind funktionsstabile Osteosynthesen, verfolgen die Philosophie eines Fixateur-interne-Systems. Es kommt zu keinen Sekundärdislokationen bei Verblockung der Systeme. Die Gelenkkapseln werden besonders durch dreh- und kippstabile frakturferne Versorgung geschont, und die Implantatlänge kann dabei auf ein Minimum begrenzt werden. Somit ist ein deutlicher therapeutischer Gewinn in der Hand des Erfahrenen zu erreichen.

 

Dr. Petereit ist Chefarzt an der Klinik für Unfallchirurgie der Thüringen-Kliniken Saalfeld-Rudolstadt GmbH, Deutschland.

Von Dr. Uwe-Matthias Petereit, Ärzte Woche 15/2009

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