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Foto: Privat
Dr. Christoph Gebhart Oberarzt an der Orthopädischen Abteilung, Landesklinikum St. Pölten, und Präsident der ASHA.
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Dr. Christoph Gebhart Oberarzt an der Orthopädischen Abteilung, Landesklinikum St. Pölten, und Präsident der ASHA.

 
Orthopädie 3. April 2009

Hüftarthroskopie ersetzt invasive Operationen

Durch drei Portale auf schonende Weise zum funktionellen Gelenk.

Die Arthroskopie des Kniegelenks zählt heute zu den häufigsten routinemäßig durchgeführten Eingriffen in der Orthopädie. Diese minimalinvasive Technik wird jetzt zunehmend auch am Hüftgelenk angewandt und kann in vielen Fällen umfangreiche Operationen ersparen.

Allein innerhalb des letzten Jahres ist die Zahl der Hüftarthroskopien im deutschen und angloamerikanischen Raum um das Dreifache angestiegen. 2008 wurden deshalb sowohl die Internationale Gesellschaft für Hüftarthroskopie (ISHA) als auch die Österreichische Gesellschaft für Hüftarthroskopie (ASHA) gegründet.

Ausbildungsangebote

„Das umliegende Gewebe so weit wie möglich zu schonen, ist ein vordringliches Ziel jedes chirurgischen Eingriffes“, betont der Präsident der neuen Gesellschaft, Dr. Christoph Gebhart, Oberarzt an der Orthopädischen Abteilung des Landesklinikums St. Pölten. Allein in St. Pölten wurden in letzter Zeit über 40 Hüftarthroskopien durchgeführt. Die Universitätsklinik für Orthopädie in Wien, das Orthopädische Spital in Speising, die orthopädischen Abteilungen in Eisenstadt, St. Pölten, Stolzalpe und Wels zählen in diesem Bereich zu den spezialisierten Zentren und sind in die neue Gesellschaft eingebunden. Im Vordergrund der Aktivitäten der Gesellschaft steht die Ausbildung von spezialisierten Chirurgen. So wurden bereits im Rahmen des ersten österreichischen Basiskurses 2007 an der Anatomie der Medizinischen Universität Graz grundlegende anatomische Kenntnisse über das Hüftgelenk vermittelt, und die Zugangswege in praktischen Kursen trainiert.

Die Technik mit Operationszugängen durch Stichinzisionen hat sich bei Gelenksarthroskopien als besonders schonend für den Patienten erwiesen. Durch die verbesserte Bildgebung durch MRT und CT ergeben sich optimierte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, berichtet Gebhart.

Schonende Drei-Portale-Technik

Der Zugang zum Hüftgelenk, dem am tiefsten gelegenen Großgelenk, ist besonders schwer. Ein Weichteilmantel von mindestens zehn Zentimeter muss durchdrungen werden. Anders als beim Kniegelenk ist die Gelenkskapsel sehr dick und schwer dehnbar, der Gelenksspalt sehr gering. „Während eine Standard-Kniearthroskopie etwa eine halbe Stunde dauert, kann eine komplikationslose Hüftarthroskopie ein Mehrfaches der Zeit in Anspruch nehmen. Die Operation erfolgt entweder in Vollnarkose oder mit Kreuzstich“, so Gebhart.

Die Instrumente sind der Anatomie des Gelenkes angepasst und manuell steuerbar. Sie lassen sich teilweise im Gelenk biegen und ermöglichen dadurch eine besonders schonende Anwendung. Über drei Einstiche von nur sieben Millimenter Ausmaß werden drei Kanülen von fünf Millimeter Breite und bis zu 18 Zentimeter Länge in das Gelenk eingebracht.

Durch diese Kanülen werden drei spezielle Shaver in das Gelenk transportiert. Diese konkav oder konvex ausgeformten Shaver passen sich der Anatomie des Gelenkes an. Dadurch können Verknöcherungen, lose Knorpel und entzündete Gelenksschleimhäute entfernt werden.

Mit einer ebenfalls neu konstruierten biegbaren Hochvoltelektrode werden verbliebene Knorpelschichten geglättet und Knochendefekte versiegelt, sodass sich das Gelenk reibungslos bewegen kann. „Durch die Drei-Portale-Technik und die dreidimensionale Gelenksspiegelung erhalten wir über eine Videokamera Einblick in nahezu das gesamte Gelenk. Wir können Schäden feststellen, die manchmal im Röntgen nicht erkennbar sind, und gleich behandeln“, erklärt Gebhart. „Mit der bisherigen Technik war das alles ohne einen größeren Schnitt und in der Folge einer längeren Immobilität nicht möglich.“ Die meisten Patienten können bereits am ersten postoperativen Tag fast schmerzfrei nach Hause gehen.

Standardindikationen

Zu den Standardindikationen zählen vor allem Knorpelschäden, femoroazetabuläre Impingement (FAI), Labrumläsionen sowie die Entfernung entzündeter Schleimhaut und freier Gelenkskörper. Die Einklemmung von Knorpeln kann durch die ständigen Mikrotraumen zu einer Coxarthrose führen. Experimentell wurde auch die Implantation von Knorpelgewebe bereits erfolgreich durchgeführt.

Sicherheitsaspekte

Kontraindikationen sind schwere Arthrosen, Femurkopfnekrosen und Ankylosen. Als Komplikationen können Nervenbeeinträchtigungen auftreten, die aber meist nach zwei bis drei Tagen abklingen.

Neueren Studien zufolge (Arthoscopy 2008; 24(1): 517.e1) sinkt der Schmerzscore im Durchschnitt von 5,8 auf 1,4. Die Kurzzeitergebnisse betreffend FAI belegen gute funktionelle Resultate bei geringer postoperativer Morbidität. Die Ergebnisse hängen aber naturgemäß vom Grad des Knorpelschadens und der Arthrose ab. Durch die kleinen Zugänge ist die Infektionsgefahr sehr gering.

 

 Webtipps:

www.asha.at

www.isha.net

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 14/2009

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