„Verschleißerscheinungen und Kreuzschmerz müssen nicht unweigerlich zusammenhängen“, betont Professor Elisabeth Märker-Hermann von den HSK Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Bildgebende Untersuchungen bei unspezifischen Rückenschmerzen seien oft nicht indiziert, erinnert die Expertin. Nichtspezifische Rückenschmerzen bessern sich in den meisten Fällen ohne eine OP, andere Eingriffe oder eine Physiotherapie. Schmerzmittel und die Ermutigung, in Bewegung zu bleiben, sind die wichtigsten Behandlungsempfehlungen im akuten Stadium. Bekanntes Problem"/>
zur Navigation zum Inhalt
 
Orthopädie 10. August 2011

Kreuzschmerz: Röntgen noch immer Patientenwunsch

„Verschleißerscheinungen und Kreuzschmerz müssen nicht unweigerlich zusammenhängen“, betont Professor Elisabeth Märker-Hermann von den HSK Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Bildgebende Untersuchungen bei unspezifischen Rückenschmerzen seien oft nicht indiziert, erinnert die Expertin.

Nichtspezifische Rückenschmerzen bessern sich in den meisten Fällen ohne eine OP, andere Eingriffe oder eine Physiotherapie. Schmerzmittel und die Ermutigung, in Bewegung zu bleiben, sind die wichtigsten Behandlungsempfehlungen im akuten Stadium.

Bekanntes Problem

„Die meisten Patienten mit Rückenschmerzen erwarten von uns, dass sie geröntgt werden”, berichtet Märker-Hermann im Vorfeld des Rheuma-Kongresses, der in Kürze in München stattfindet. Bei der Mehrheit der Erwachsenen ab dem mittleren Alter ist dann ein Verschleiß an Bandscheiben und Wirbeln zu erkennen. Das bekannte Problem: Die gleichen Veränderungen liegen aber auch bei vielen Menschen ohne Kreuzschmerzen vor. 

Unnötige Operationen

Röntgen und andere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) verursachen bei der Volkskrankheit Rückenschmerz nicht nur erhebliche Mehrkosten, sie können auch unnötige Operationen veranlassen, warnt die Expertin in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

Sie verweist auf eine vergleichende Studie, in der nach Röntgen oder MRT 5,2 Prozent der Patienten operiert wurden. Beim Verzicht auf die Untersuchungen waren es nur 2,1 Prozent. „Die Behandlungsergebnisse nach zwölf Monaten waren aber in beiden Gruppen gleich”, wird Märker-Hermann in der Mitteilung zitiert.

Wichtig ist es, auf ,Red Flags‘ zu achten

„Wir raten den Ärzten deshalb, zunächst auf Röntgen oder MRT zu verzichten und die Arbeitsdiagnose des nichtspezifischen Rückenschmerzes weiter zu verfolgen.” Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass sich eine ernste Erkrankung ausschließen lässt. „Es ist deshalb wichtig, bei Anamnese und Erstuntersuchung auf Warnsignale, sogenannte ‚Red Flags’, zu achten, die eine sofortige Operation oder andere Therapien notwendig machen.“

Warnsignale

So können ja verstärkte Schmerzen in der Nacht oder Fieber auf Infektionen oder Tumoren hinweisen. Lähmungen können ein Warnsignal für eingeklemmte Nerven sein. Auch bei älteren Menschen oder einer Kortisonbehandlung kann eine sofortige Röntgen- oder MRT-Untersuchung notwendig sein. Diese Patienten haben ein erhöhtes Risiko, auch nach leichten Verletzungen einen Wirbelbruch zu erleiden.

Bei chronischen Kreuzschmerzen gilt es, weitere fachärztliche Untersuchungen zu veranlassen und psychosoziale Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.

Der 39. DGRh-Kongress findet gemeinsam mit der 21. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) und der 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) vom 31. August bis zum 3. September im Internationalen Congress Center München statt. Infos: http://www.dgrh.de/

ÄZ online

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben